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Verständnis für die Region schaffen

Zeno Danner
Landrat Zeno Danner zieht im Gespräch mit dem Wochenblatt Bilanz über das Pandemie-Jahr und spricht über Strategien für die Region, um schnell wieder wirtschaftlich durchstarten zu können. swb-Bild: Landratsamt

Landrat Zeno Danner spricht im Interview mit dem Wochenblatt über den Landkreis in Zeiten der Pandemie.

Landkreis Konstanz. Wie beurteilt der Landrat das Krisenmanagement seiner Behörde? Wird in Berlin und Stuttgart überhaupt die Situation in den Regionen wahrgenommen und was tut der Landkreis, um nach der Krise wieder wirtschaftlich auf die Beine zu kommen? Über dies und mehr sprach Zeno Danner im Interview mit dem Wochenblatt.

Wochenblatt: Herr Danner, seit über einem Jahr sitzen Sie jetzt regelmäßig in Krisenstäben, weil Sie als Landrat eine hohe Verantwortung bei der Umsetzung der Corona-Maßnahmen auf lokaler Ebene haben. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz über dieses Pandemie-Jahr aus?
Zeno Danner: (überlegt) »Ich glaube, wir haben vieles gut gemacht. Gerade am Anfang waren wir sehr schnell. Wir waren vorbereitet, schon bevor die erste Infektion im Landkreis bekannt wurde. Der Austausch zwischen den unterschiedlichen Dienststellen, zwischen Gesundheitsamt und niedergelassenen Ärzten und zwischen den Bürgermeistern im Landkreis hat gut funktioniert. Wir haben natürlich auch selbst den Anspruch, die Situation in den Griff zu bekommen, aber eine Pandemie zeichnet sich dadurch aus, dass man die Situation eben nicht im Griff hat. Wenn wir es im Griff hätten, dann wäre es keine Pandemie. Das führt aber auch dazu, dass die Leute an allen Stellen müde sind. Insgesamt bin ich der Meinung, sämtliche Verwaltungen im Landkreis haben einen sehr ordentlichen Job gemacht.«

Wochenblatt: Der Landkreis Konstanz gehörte am Anfang relativ lang zu den Landkreisen mit den niedrigsten Corona-Zahlen in Baden-Württemberg. Gibt es rückblickend trotzdem etwas, das sie anders machen würden?
Zeno Danner: »Es gibt schon Punkte, die ich anders machen würde: Masken zum Beispiel. Hier muss man sich rückblickend fragen, warum wir nicht schneller waren mit der Maskenpflicht. Auch der Lockdown im Herbst hätte anders gestaltet werden müssen, wobei das ein Punkt ist, der nicht auf Landkreisebene entschieden wurde. Was die Kommunikationspolitik angeht, hätte man sicher auch noch mehr und früher und breiter informieren können. Wir haben das versucht, auch mit unseren wöchentlichen Pressekonferenzen. Aber grundsätzlich kann man immer alles schneller, besser, früher machen, das ist ein bisschen wie beim Sport. Ich muss aber dazu sagen, dass nicht nur beim Landratsamt schon immer alle Beteiligten mit Hochdruck dabei waren. Wir haben immer versucht, die nächsten Schritte zu antizipieren. Wir haben beispielsweise schon im Sommer über einen Drei-Stufenplan nachgedacht, der vorgibt, was zu tun ist, wenn die Zahlen wieder steigen. Vonseiten des Landes kamen solche Überlegungen in ähnlicher Form dann erst deutlich später. Am Ende kam dann allerdings doch alles anders, weil die Inzidenz-Grenzen immer wieder verschoben wurden. Beim Thema Impfen haben wir, sobald dies möglich war, die Warteliste des Landes besorgt, um die Personen abzutelefonieren und Impfangebote zu machen. Und die jeweiligen Partner haben wir gleich mit dazu genommen.«

Wochenblatt: Sie haben den Informationsfluss vom Landratsamt zu den Bürgerinnen und Bürgern angesprochen. Aber wie sieht es eigentlich in die andere Richtung aus, also beim Informationsfluss nach Stuttgart beziehungsweise Berlin? Finden Sie dort Gehör und wird dort die Situation in den Landkreisen ausreichend beachtet?
Zeno Danner: »Wir haben uns vor allem in Bezug auf den Umgang mit der Grenze massiv ins Zeug gelegt und uns darum bemüht, dass das auch wahrgenommen wird. Ich glaube nicht, dass in Stuttgart das Verständnis für die Situation in der Grenzregion vor einem Jahr vorhanden war. Aber hier stehen wir seit einiger Zeit in einem regen Austausch mit dem Staatsministerium und den Schweizer Kollegen. Auch mit dem Sozialministerium sind wir in regelmäßigem Kontakt, beispielsweise wenn es um die Organisation der Kreisimpfzentren oder die Zuteilung von Impfstoff geht. Grundsätzlich hängt die Kommunikation halt immer auch von Köpfen ab, also wie trägt man auf der einen Seite seine Anliegen vor und wie werden diese auf der anderen Seite aufgenommen. Ich würde sagen, die Kommunikation funktioniert ganz gut, könnte aber noch besser werden. Da gibt es natürlich einen Abstand. Den braucht es auch manchmal, da ist einfach der Blick von oben notwendig. Umgekehrt kennt man auf der unteren Ebene die Situation vor Ort sehr genau.«

Wochenblatt: Viele Menschen in der Region haben zurzeit große wirtschaftliche Sorgen. Gibt es etwas, was der Landkreis tun kann, um die Region wieder wirtschaftlich gut auf die Beine zu stellen, gerade auch mit Blick auf lebendige Innenstädte?
Zeno Danner: »Ja, der Landkreis schafft die Rahmenbedingungen. Das Wichtigste, was wir tun können, ist möglichst kurz in dieser Situation zu verharren. Darum bemühen wir uns, indem wir, so gut es geht, Kontaktnachverfolgung betreiben, um Infektionsketten schnellstmöglich zu unterbrechen, oder indem wir über eine kreisweit zwischen allen Kommunen abgestimmte Teststrategie Öffnungsperspektiven schaffen wollen. Da ist auch das kreisweite Testwochenende, das von Freitag, 23. bis Sonntag, 25. April in allen Gemeinden stattfinden soll, ein wesentliches Element. Das möchte ich hier gleich bewerben: Ran an den Test für alle! Wenn wir dann mal über die Krise hinweg sind, geht es darum, gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu bieten. Für lebendige Innenstädte sind in erster Linie die Städte selbst zuständig, aber wir stehen immer als Ansprechpartner zur Verfügung und versuchen auch den Standort Landkreis Konstanz gut zu bewerben.«

Wochenblatt: Die Bundeskanzlerin hat allen Bürgerinnen und Bürgern bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot versprochen. Nun haben Sie auf Kreisebene einen direkten Einblick, wie gut die Impfkampagne vor Ort funktioniert. Halten Sie das Angebot der Kanzlerin für realistisch?
Zeno Danner: »Sie hat das Angebot ja mehrfach wiederholt. Da muss sich aber noch einiges tun. Wenn wir in diesem Tempo weiter Impfen, schaffen wir ein Prozent der Bevölkerung pro Woche. Dann können Sie sich ausrechnen, wie lange es dauert, bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft wären. (Anm. der Redaktion: Laut verschiedenen Experten müssten sich etwa 70 Prozent der Bevölkerung impfen lassen, um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen.) Ich glaube aber schon, dass sich da jetzt sehr schnell sehr viel tun wird. Jetzt gehen die Hausärzte mit an den Start und in absehbarer Zeit wird es hoffentlich mehr Impfstoff geben. Unser Kreisimpfzentrum funktioniert sehr gut. Wir schaffen es, alle sechs Minuten eine Person zu impfen, wenn wir auf Volllast hochrechnen. Das ist eine effiziente Geschichte, vor allem, wenn man die Dokumentationspflichten mitrechnet. Nur, wenn es keinen Impfstoff gibt, nützt das nichts. Die Verteilung des Impfstoffs unabhängig von der Größe des Landkreises ist für die Anfangsphase gerade so akzeptabel, um in Schwung zu kommen, aber das muss jetzt dringend angepasst werden. Es hätte auch ein zentrales Impfzentrum in unserer Gegend geben müssen. Das ist ein Problem im gesamten System. Ein Landkreis mit 286.000 Einwohnern ist aktuell deshalb nur halb so schnell beim Impfen wie ein Landkreis mit 140.000 Einwohnern. Diese Thematik habe ich mehrfach nach Stuttgart transportiert. Ich hoffe, dass es jetzt mehr Impfstoff gibt und dann halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass das mit dem Impfangebot bis Ende des Sommers klappt.«

Wochenblatt: Was macht Ihnen in diesen schwierigen Zeiten Mut?
Zeno Danner: »Es gibt bereits nach kurzer Zeit hochwirksame Impfstoffe, und diese werden trotz aller Kritik in einem relativ hohen Tempo verimpft. Wenn wir in der Geschichte zurückschauen, müssen wir uns fragen: Wann gab es schon mal die Situation in einer Pandemie, dass es schon nach einem Jahr einen Impfstoff gab? Wir beklagen aktuell, dass dieser zu langsam unter die Leute gebracht wird. Früher ging es Jahrhunderte, bis Krankheiten bekämpft waren. Wir haben also eine klare Perspektive. Mir macht auch Mut, dass wir viele gute Leute in den verschiedensten Bereichen im Landkreis Konstanz haben, die mit Vollgas daran arbeiten, dass wir schnell und einigermaßen gut durch diese Zeit kommen. Ich schätze die äußerst lösungsorientierte Zusammenarbeit im Krisenstab und mit den Städten und Gemeinden außerordentlich. Das ist ein großes Pfund!«

Wochenblatt @: Dominique Hahn


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