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Vertrauen ist die Basis ihrer Freundschaft

Glückwünsche
Die Kunst verbindet sie: Shady Almatar und Angelika Neurohr. swb-Bild: gü

Shady Almatar und Angelika Neurohr verbindet das Faible zur Kunst

Radolfzell. Der Empfang überrascht: Shady Almatar bittet beinahe verlegen darum, vor Beginn des Gesprächs noch beten zu dürfen. Während die arabischen Worten des jungen syrischen Künstlers den Raum erfüllen, bietet Angelika Neurohr zuvorkommend Tee und Gebäck an. Höflich wartet die Radolfzeller Rentnerin, bis Shady Almatar sein Gebet beendet hat. Dann setzt er sich an den Esstisch und sagt freundlich: »Haje, jetzt können wir anfangen.« »Haje« (Hadsche) so nennt Shady Almatar seine mütterliche Freundin Angelika Neurohr. Eine genaue Übersetzung ins Deutsche fällt dem Syrer schwer. Denn es gibt keine wörtliche Übersetzung. »Das Wort hat in der syrischen Kultur eine große Bedeutung. Es besteht aus mehr Respekt als ein herkömmliches deutsches Sie«, betont Shady Almatar. Shady Almatar, der bei der diesjährigen Kulturnacht mit seinen typografischen Kunstwerken für Aufsehen gesorgt hat und Angelika Neurohr, die in Radolfzell einige Ehrenämter bekleidet – sie ist unter anderem beim Bürgerbündnis für mehr Demokratie Radolfzell aktiv – verbindet eine außergewöhnliche Freundschaft. Wahrscheinlich, so betont Angelika Neurohr, war es ein Stück weit Zufall, als sie bei einer Vernissage im Mooser Rathaus zu Beginn des Jahres auf Shady Almatar traf. Sofort war eine Vertrauensbasis und Empathie vorhanden. Vorgestellt hatte sie ein gemeinsamer südkoreanischer Freund. Außenstehende würden die Freundschaft wohl als ungewöhnlich bezeichnen, für Shady Almatar und Angelika Neurohr ist sie dies nicht. Für beide ist sie die natürlichste Sache der Welt. »Warum?«, fragt die Rentnerin auf diese Frage, »Shady ist ein ganz besonderer Mensch mit vielen Fähigkeiten, dem ich gerne helfe, der aber auch mir gegenüber stets sehr hilfreich ist«. Sie kann sich bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit mit Flüchtlingen stets auf die Sprachkenntnisse von Shady verlassen, denn obwohl er erst seit drei Jahren in Deutschland lebt, spricht er nahezu perfekt deutsch. Shady Almatar ist Syrer. Er musste im Libanon, wo er als Kellner arbeitete, in den Kriegswirren um sein Leben und das seiner Familie bangen und floh 2015 nach Deutschland. Aus seiner Geschichte macht der junge Künstler kein Geheimnis. Im Gegenteil: Offen spricht er über seine Erlebnisse, die sich auch in seinen Werken widerspiegeln. Aber er möchte nicht nur als der geflohene syrische Künstler wahrgenommen werden. »Wir sind alle Menschen, egal welche Hautfarbe, Religion oder Herkunft wir besitzen«, betont er. Selbstbewusst spricht er über seine Kunst, die er als typografische bezeichnet. Seine Werke entstehen am Computer, meist in einer ganzen Reihe. Im Mittelpunkt seines Schaffens stehen seine Heimat, seine Eltern, seine Religion – aber auch die dunkelsten Kapitel seines noch jungen Lebens versucht er in seinen Werken zeigen: »Ich will in meinen Bildern auch zeigen, dass Krieg etwas schreckliches ist. Ich habe schwierige Zeiten und gefährliche Situationen erlebt – das hat natürlich Einfluss auf meine Kunstwerke«, so Shady Almatar weiter. Doch er will nach vorne blicken, positiv in die Zukunft schauen. Sein Glas ist sprichwörtlich immer halbvoll – und nicht halbleer. Große Ziele hat er sich gesteckt: In ein paar Jahren will er an der HTWG in Konstanz Grafikdesign studieren. Unterstützen wird ihn auch dabei »seine Haje«. Denn sie setzt weiterhin großes Vertrauen in Shady. »Es wäre schade gewesen, wenn ich ihn nicht kennengelernt hätte«, fasst Angelika Neurohr zusammen. Wer die beiden im Umgang miteinander erlebt, ist sich sicher, dass Shady Almatar und Angelika Neurohr wahrlich eine enge und außergewöhnliche Freundschaft verbindet, deren Fundament das gegenseitige Vertrauen bildet.

Wochenblatt Redakteur @: Matthias Güntert