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Viel Applaus für die Bürgermeister-Kandidaten

Kandidaten
Einen enormen Zulauf erlebte die Kandidatenvorstellung am Mittwochabend in der Volkertshauser Wiesengrundhalle. swb-Bild: of

Über 650 Interessierte in der Wiesengrundhalle

Volkertshausen (of). Über 650 Volkertshauserinnen und Volkertshauser waren am Mittwochabend in der neuen Wiesengrundhalle zusammengeströmt, um dabei zu sein bei der offiziellen Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl am 20. Januar. Drei Kandidaten der vier auf dem Wahlzettel stehenden waren erschienen, nachdem Kandidat Markus Falk aus Koblenz am Wochenende zuvor erklärt hatte, dass er einen Wahlkampf einstellen würde.

Den Auftakt machte deshalb Marcus Röwer, der gleich für etwas Lokalkolorit einen ersten Applaus bekam. Denn die ersten Wochen in Deutschland, nachdem seine Familie in seinem dritten Lebensjahr zurück aus Australien heimkehrte habe er hier in der Wehristraße verbracht, in der auch Bürgermeister Mutter damals nach seiner Wahl zunächst gewohnt habe. Röwer lobte die straffe Verwaltung, bei der ein Bürgermeister freilich mit anpacken müsse. Sein Arbeitsstil werde sicher ein anderer sein als der des Amtsinhabers, doch Sparsamkeit stehe auch für ihn obenan, und dass Sachpolitik vor der Parteipolitik im Vordergrund stehen solle. Sein Thema ist eine Zukunftswerkstatt, bei der mit den Bürgern ein Leitbild entwickelt werden soll. Es gehe darum Zukunft gestaltet werden solle, statt dass die Zukunft einen gestalte. Dabei solle es durchaus um Wünsche oder Träume gehen. Das könne auch ein längerer Prozess sein. Herzblut der Volkertshauser solle da mit drin stecken, wünscht sich Röwer. Wohnangebote für Senioren ist ihm ein wichtiger Punkt. Die neue Mitgliedschaft im „Sozialen Netzwerk Aach“ lobte er. Wohnraum werde auch für alle anderen gebraucht. Hier könnte seiner Meinung nach auch die Gemeinde im Rahmen eines Vorkaufsrechts eventuell selbst aktiv werden um die Entwicklung zu steuern. Die Kinderbetreuung sei ein Dauerbrenner, obwohl die sich die Gemeinde hier sehr engagiert habe. Sie sei schon ausbaufähig, wenn sich ein Bedarf ergebe. Breitbandversorgung flächendeckend, ein digitaleres Rathaus, die Verkehrsituuation für Fußgänger auf den Durchgangsstraßen, die Erhaltung der Infrastruktur, eine Überarbeitung der Straßenbeleuchtung, eine Förderung für die Vereine sind die weiteren Punkte seines Programm, das der „mit Gottes Hilfe“ hier umsetzen möchte. Und er würde auch hier in die Gemeinde ziehen, so er gewählt würde.  Fragen gab es zu einer möglichen Kandidatur für den Kreistag, in der eine Chance sieht. Und gefragt wurde nochmals genauer, ob er sich die Mitgliedschaft in einem Verein vorstellen könne.

Als zweite Kandidatin durfte Elke Baumgärtner ans Rednerpult. Sie hob auf ihre Erfahrung als Kauffrau beim damaligen Badenwerk in Stockach und Karlsruhe ab, bei der sie vielfältige Verhandlungen führen musste. Sie habe dann innerhalb von zwei Jahren auf das Lehramt studiert, weil sie sich dazu berufen fühlte. Als Lehrerin der Gemeinschaftsschule wolle sie Kinder begleiten. Sie wolle gestalten, nicht verwalten und sieht es als Vorteil an, nicht aus der Verwaltung zu kommen, weil sie so auch unvoreingenommen und freier sei. Im Rathaus könnten Abläufe geprüft und auch optimiert werden, stellt sie sich vor. Volkertshausen brauche eine Bürgermeisterin mit Empathie und Einfühlungsvermögen. Sie will eine Liste entwickeln auf der Projekte und Wünsche gesammelt werden um sie nach und nach umzusetzen. Ihr Ziel sei es, dass sich alle Generationen in Volkertshausen wohl fühlten. Sie hält eine Tagespflege für Seniorinnen und Senioren im Ort notwendig. Um einer Vereinsamung entgegenzuwirken hält sie einen Mittagstisch für Sinnvoll. In der Gemeinde schlummert in Sachen Nachbarschaftshilfe viel Potential, sagte sie. In Zusammenarbeit mit dem Sozialen Netzwerk Aach könnte man hier einiges umsetzten. Ein Jugendgemeinderat sei ihr Ziel Gut sei, dass im Gemeinderat Sachentscheidungen getroffen würden. Einen barrierefreien Zugang zum Rathaus hält sie für notwenig. Auch die Linienbusse seien oft nicht barrierefrei. Sie werde Investitionen für die Zukunft nicht scheuen im Gleichgewicht zwischen sparen und investieren. Die Bildungs- und Betreuungsangebote wolle sie stärken. Auch für sie ist schnelleres Internet ein Thema, ein Hotspot für freies WLAN, sichere Straßenübergänge für die Schulkinder waren ihre weiteren Punkte. Fragen gab es zur Besetzung des Rathauses, wo sie doch keine Verwaltungskraft aus dem öffentlichen Dienst sei. Auch sie würde nach Volkertshausen ziehen, sollte sie gewählt werden, antwortete sie auf Nachfrage. Gefragt wurde auch, ob sie auch als Bürgermeisterin Dirigentin des Musikvereins bleibe. Das wolle sie erst mal bleiben, denn es ihr Hobby.

Markus Mike Bumiller begann seine Vorstellung mit seiner zunächst sportlichen Karriere, aus der ein Job als Produktionsleiter bei einem Filmunternehmen für Extremsport wurde. Wieder zurück in der Heimat habe er eine Eventagentur mit inzwischen zwei Standorten in Moos und Immenstaad gegründet. Geduld habe er mit seinem Unternehmen gelernt, auch was es bedeute Veränderungen zu wagen. Als Unternehmer sei er in den letzten Wochen auf einen fehlenden Kommunalverwaltungshintergrund angesprochen worden. Doch als Unternehmer sehe er vielleicht auch andere Dinge. Eine etwas andere Denkweise könne durchaus Vorteil für die Bürger des Orts und der Region werden. Er werde sich natürlich über Fortbildungen einarbeiten, kündigte er an. Sein Unternehmen werde er im Falle einer Wahl von einem befreundeten Unternehmer weiter geführt um sich voll und ganz auf die Aufgabe zu konzentrieren. Vor einer Kandidatur sei es ihm wichtig gewesen, eine Gemeinde wertfrei betrachten zu können. Sein Herzblut sei inzwischen erwacht, und er werde im Falle einer Wahl auch in die Gemeinde einziehen. Er kenne keine Gemeinde im Hegau, in der man so offen und freundlich empfangen werde lobte er. Die kommunale Infrastruktur sei gut aufgestellt, aber es brauche eine weitere Entwicklung. Die Verkehrssicherheit auf den Durchgangsstraßen, Verbesserung ÖPNV, LED-Beleuchtung im Ort, mehr Öffnungszeiten für die Kinderbetreuung  nach genauer Prüfung des Bedarfs, eine stärkere Vereinbarung von Familie und Beruf, eine jährliche Bürgerversammlung, Workshops zu besonderen Projekten, wovon der Gemeinderat profitieren könnte, waren die Punkte seines Programms an diesem Abend.  Fragen gab es zum Thema Freundlichkeit gegenüber der Feuerwehr, wie er Fördertöpfe anzapfen könne, und ob er in der ab 2020 vorgeschriebenen „Dopischen Haushaltsführung“ einen Vorteil erkennen könne. Ein Zuhörerin fragte, ob der Bürgermeisterposten einfach ein weiteres Abenteuer für Bumiller sei. Er meinte darauf, dass er es aus Herausforderung sehe.

Bürgermeister Mutter als Vorsitzender des Wahlausschuss zeigte sich erfreut über den starken Zulauf bei dieser großen Wahlveranstaltung und rief dazu auf, nun auch vom Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler