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Viel Applaus für die Umsetzung der "Vier Tage Woche"

naturblau
Im Bild Andrea Franke, Katrin Kassel, Ralph J. Schiel, Mikel Jahn Diez de Arizaleta. swb-Bild: naturblau

Agentur "naturblau" hat im letzten August umgestellt - mit positiven Erfahrungen

Orsingen-Nenzingen. Mit so viel Reaktionen und positivem Zuspruch hatte wirklich keiner gerechnet. Per E-Mailing an Kunden, Partner, Lieferanten und die Medien im Juli 2020 hatte die Werteagentur "naturblau" aus Orsingen-Nenzingen darauf aufmerksam gemacht, dass sie ab 1. August 2020 das Arbeitsmodell der 4-Tage Woche austesten wolle. Jeder Freitag solle von nun ab frei sein. Für alle Mitarbeitenden – vom Azubi bis zum Geschäftsführer – und bei gleichbleibendem Gehalt.

Und kaum war diese Botschaft rausgegangen, kamen unzählige Rückmeldungen, die von „Glückwunsch“, „Will ich auch“, über „Ihr traut euch ja was Tolles“ bis hin zu „Das sollte ich mal meinem Chef vorschlagen“ oder „Wir drücken euch die Daumen, dass das klappt und freuen uns sehr mit euch.“ reichten.

Es schien einen Nerv bei den Menschen getroffen zu haben. Eine Sehnsucht nach einer anderen Herangehensweise als höher-schneller-weiter. In einer Zeit, die zum einen geprägt ist von stark zunehmenden Zahlen an psychischen und physischen Erkrankungen auf Grund der eigenen Arbeitssituation, einem immer beschleunigteren und oft selbstaufopfernden Lebensstil und auf der anderen Seite von Unsicherheit in Job- und Zukunftsfragen, bestimmt von Pandemie, sozialen Verschiebungen und Klimawandel.

Die sich immer schneller drehenden Hamsterräder stehen dabei oft im Widerspruch zu den vielen technischen und gesellschaftlichen Errungenschaften, die einem eigentlich das Leben erleichtern und Zeit verschaffen sollten, aber im Alltag oft genau das Gegenteil bewirken.

Insbesondere die Werbe- und Marketingbranche ist geprägt von unbezahlten Praktikas und Überstunden, Wochenend- und Nachtschichten, Hire & Fire Mentalität, unbezahlten Wettbewerben und einem Arbeitsklima, voller Konkurrenzdenken und Mobbing. Ganz zu schweigen, was der Job eines Werbenden meist ist: Dinge anzupreisen, die eigentlich keiner braucht, Gewinnmaximierung, Hyperkonsum und uneingeschränktes Wachstum auf Kosten von Mensch, Umwelt und Zukunft. Nicht umsonst rangiert der Beruf des Werbers von der Reputation her seit Jahren auf den hintersten Rängen. Und genau hier muss man ansetzen. Nicht nur, indem man sich damit beschäftigt, was und für wen man unternehmerisch etwas bewirkt (Kunden- und Lieferantenauswahl), sondern auch wie man es tut (Werteverständnis) und warum (sinn- und gemeinwohlgetriebene Unternehmensausrichtung).

Ein Baustein hiervon kann das soziale Konzept der 4-Tage-Woche sein: 80 Prozent Arbeiten – 100 Prozent Gehalt bekommen. Es kommt nicht auf die Quantität der Arbeitszeit an, sondern auf die Qualität. Für die Mitarbeitenden selbst bei "naturblau" ist die 4-Tage-Woche mit vielen positiven Weiterentwicklungen verbunden.

Hier einige Statements: „Ein freier ganzer Tag bringt mir privat deutlich mehr, als jeden Tag bissl früher heimzukommen. Der Tag ist „unangebrochen“ und komplett frei planbar; jedes Wochenende ist ein langes Wochenende, da schafft man zuhause Dinge, die man sonst nur im Urlaub erledigt hat.“

„4-Tage-Woche ist, wenn man sich nach einem langen, entspannten Wochenende wirklich auf die Arbeit freut. Wenn man Montagmorgen aufsteht und positive Energie und Lust für den Tag hat.“ „Früher war es schon mal so, dass ich Dinge erst mal zur Seite geschoben habe, denn ich hatte ja noch die ganze Woche vor mir. Dadurch befasst man sich dann aber mehrfach mit der selben Aufgabe und verschwendet Zeit. Heute erledige ich vieles direkter und dadurch zügiger.“

„Meine Ansprechpartner (Kunden, Lieferanten, Steuerberater usw.) haben sich genauso daran gewöhnt, wie ich und wissen, dass bei uns das Wochenende bereits am Donnerstagabend beginnt. Und sie wünschen mir sogar am Donnerstag schon ein schönes Wochenende, weil sie sich irgendwie mit mir freuen.“

„Für mich eine fortschrittliche und gesunde Art, Beruf und Leben miteinander zu verbinden.“

„Als wir zu Jahresbeginn jemand neues für unser Team gesucht haben, war die 4-Tage-Woche für viele ein entscheidender Faktor, sich bei uns zu bewerben. Wir haben nicht nur viele, sondern auch viele gute Bewerbungen bekommen.“

 Auch die Produktivität stieg mit an. Und das nicht, indem mehr Leistung in weniger Tage komprimiert wurde mit der Konsequenz eines erhöhten Stresspegels, sondern durch einen sich ausgleichenden Lebens- und Arbeitszeit-Rhythmus.

In vielen Berufsfeldern wird eine immer höhere Flexibilität erwartet. Nicht nur die Wochenenden werden immer weiter eingeschränkt, auch die gewünschte 24/7-Erreichbarkeit nimmt immer weiter zu. "Wir setzen damit einen Gegenpol zu der momentanen Entwicklung, dass viele Firmen von ihren Mitarbeitenden eine Erreichbarkeit auch nach Feierabend und sogar am Wochenende einfordern. Sie tun dies entweder vertraglich oder oftmals eher unterschwellig. So wie zum Beispiel erwartet wird, dass man seine Mails übers Wochenende schon mal alle vorab gelesen hat für das Montagmorgen-Meeting. Oder auch im Urlaub stets auf dem Laufenden sein sollte, was gerade in der Firma passiert. Diese leider viel zu alltäglichen Zustände, führen in dieser immer schnelllebigeren Zeit dazu, dass sich viele Menschen oft getrieben, entkräftet und überfordert fühlen. Niemals richtig abschalten zu können führt zu Stress – körperlich und seelisch.

Die Aussage „Ich habe keine Zeit“ ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Um einen Beitrag als Unternehmen zu mehr Lebenszeit zu leisten, ist auch das ein Beweggrund, die 4-Tage-Woche einzuführen, zum Wohle für Einzelne und zum Gemeinwohl für alle.

Die spanische Regierung testet die 4-Tage-Woche landesweit zusammen mit 200 Unternehmen über 3 Jahre hinweg. Ob und wie sich das in verschiedenen Unternehmen umsetzen lässt, ist sicherlich von Branche zu Branche und auch je nach Unternehmensgröße unterschiedlich und lässt sich nicht mit einem Modell, das für alle gleich gut passt umsetzen.

Das 4-Tage-Arbeitszeit-Modell ergänzt sehr gut die Grundhaltung von "naturblau" zu Themen wie Gemeinwohl -Ökonomie, Postwachstums-Ökonomie und Social Entrepreneurship. Es ist für das Unternehmen ein Baustein auf dem Weg zu einer neuen Art des Wirtschaftens, bei dem nicht das momentan allgegenwärtige unbegrenzte Wachstum und die Profitmaximierung im Vordergrund stehen, sondern der Mensch und seine Umwelt. Der Klimanotstand ist die größte Herausforderung der Menschheit und unsere Zeit läuft ab, dass wir die Chancen nutzen können, einen echten Green New Deal umzusetzen. Egal ob als global Player oder als innovatives und zukunftsfähiges Regionalunternehmen, so die Mitteilung von "naturblau".

Wochenblatt @: Oliver Fiedler