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Viel Luft nach oben bei der Sonnenenergie

Solarpark
Der Solarpark in Steißlingen ist der bisher größte im Landkreis. Er wurde nach vielen Jahren Vorlauf im Oktober eingeweiht. swb-Bild: mu

Expertenforum im Wahlkampf über Potenzial im Landkreis

Radolfzell. Den Ausbau der Erneuerbaren Energie in unserer Region systematisch und mit deutlich mehr Schwung voranzubringen – dies eint die beiden CDU-Landtagskandidaten der benachbarten Wahlkreise, Levin Eisenmann (WK 56 - Konstanz) und Tobias Herrmann (WK 57 – Singen/Stockach).

Dem Wunsch der Kandidaten nach solider Expertise folgte Markus Bihler, Sprecher des Forums Erneuerbare Energien Hegau-Bodensee, und lud im September die beiden umgehend zu einer gemeinsamen Expertenrunde mit Werner Adrion, Dr. Robert Conradt (beide im Fachbeirat Forum Erneuerbare Energien Hegau-Bodensee), Stephan Einsiedler (Netzte BW GmbH, Kommunalberater Regionalzentrum Heuberg Bodensee) und Jörg Dürr-Pucher (Präsident der Bodensee-Stiftung) ins Radolfzeller Innovationszentrum ein.

Welche Form der Erneuerbaren Energie bietet sich nun besonders an – Biogas, Wind Wasser oder Sonne? Beim angeregten, teils kontroversen Austausch auch unter den Experten, wie sinnvoll die Förderung der jeweiligen Form der erneuerbaren Energiegewinnung sei, gab es doch einen deutlichen gemeinsamen Nenner: Gerade in unserer Region, die deutschlandweit an der Spitze der Regionen mit der höchsten Sonneneinstrahlung steht, lohne sich der weitere Ausbau der Photovoltaik in besonderer Weise. Dabei ist die dezentrale Energiegewinnung und -Nutzung sowohl im privaten als auch im gewerblichen Sektor besonders attraktiv. „Die mittel- bis langfristige Perspektive muss allerdings dahin gehen, mit effizienten Formen der Speicherung die Energie dann verfügbar zu machen, wenn sie entsprechend gebraucht wird“, so Dr. Conradt. Nur so lasse sich der Strompreis auch wieder senken, der sonst durch Abverkauf bei Spitzenproduktion und Zukauf bei Bedarf unnötig verteuert werde. Die Erkenntnisse aus der Expertenrunde flossen bereits in den Antrag ein, den die beiden Landtagskandidaten am  kürzlich auf dem Kreisparteitag der CDU in Böhringen vorstellten – mit Erfolg. Er wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen.

Das sind die Statements der Teilnehmer:

Werner Adrion: „Die Solarenergie hat mittlerweile Netzparität erreicht, die notwendige Speicherung wird allerdings in absehbarer Zeit im notwendigen Umfang nicht lösbar sein. Deshalb benötigen wir weiterhin einen konventionellen Kraftwerkspark, wobei die Nutzung der Abwärme hier eine Substituierung der fossilen Wärmeerzeugung ermöglicht.“

Markus Bihler: „Es bräuchte keinen Klimawandel, um die Sinnhaftigkeit von Erneuerbaren Energien zu erkennen. Jede Region hat passende Ressourcen, bei uns ist es die Sonne.“

Dr. Robert Conradt: „Ohne Speicherkonzepte, die möglichst das vielseitige Element Wasserstoff einschließen, bleibt die Idee der Energiewende in der derzeit praktizierten „Leistungswende“ stecken.“

Jörg Dürr-Pucher: „Wenn wir den Ausbau erneuerbarer Energien wegen der Klimaschäden massiv beschleunigen wollen, müssen wir den Dialog mit der breiten Bevölkerung und gerade auch mit den sehr unterschiedlichen Gegnern suchen. Aus unserer Sicht wird die Solarenergie bei Strom und Wärme die Hauptlast der Energiewende in der Region tragen, wir fordern aber auch einen naturverträglichen Ausbau von Wind- und Bioenergie, Wasserkraft und Geothermie“.

Stephan Einsiedler: „Beim Thema „Photovoltaik“, besonders im Bereich der Freiflächen-Anlagen, müssen wir die Landwirte frühzeitig mit ins Boot nehmen. Photovoltaik bietet den Landwirten eine relativ sichere Einnahmenquelle. Solarmodule widerstehen den klimabedingten Wetterkapriolen, somit versprechen sie eine sichere und kalkulierbare Vergütung. Stellt es sich nach zwanzig oder dreißig Jahren heraus, dass eine landwirtschaftliche Nutzung rentabler sein wird, so kann die Fläche ohne großen Aufwand der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden.“

Levin Eisenmann: „Große Parkplatzflächen bieten ein erhebliches Potential für Photovoltaik. Wir sollten uns daran machen, diese mit Photovoltaik zu überdachen.“

Tobias Herrmann: Es leuchtet im wahrsten Sinn des Wortes ein: Der weitere Ausbau der Photovoltaik ist gerade in unserer Region nun verstärkt geboten. Dies wird man, privat oder gewerblich, nur umsetzen, wenn man es will oder wenn man es muss. Wir sollten politisch alle Hebel in Bewegung setzen, die Neigung hierfür deutlich zu befördern. Runter mit bürokratischen Hürden, rauf mit unterstützenden Anreizen!“

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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