- Anzeige -

Virus im Schlepptau eines Zeppelins

Zeppelin
Erich Milz mit einem der fast zweihundert Bilder, die er im Rahmen seines Kunstprojektes in den letzten fünf Monaten malte. swb-Bild: Ritter

Erich Milz aus Diessenhofen hat in den letzten fünf Monaten fast zweihundert witzige Bilder gemalt

Diessenhofen (ri).  Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit wegen Corona war für Viele Ansporn für Unternehmungen, für die vorher die Zeit fehlte. Ein gutes Beispiel dafür liefert Erich Milz. Im April startete er ein Kunstprojekt. Jeden Tag malt er ein bis zwei lustige Bilder im A4-Format. Bis heute sind es rund 190, und es geht weiter.

Gemeinsamer Nenner aller Werke ist ein Würmchen, welches den Corona-Virus symbolisiert. Milz schöpft den Spielraum künstlerischer Freiheit grosszügig aus. Mit Humor und Fantasie lässt er das Würmchen täglich neue Abenteuer bestehen. Es fliegt im Schlepptau eines Zeppelins um die Welt, während auf der Erde Ratten am Fundament eines Gebäudes nagen. Würmchen tummeln sich in einer komplizierten Produktionsanlage, in einem Labor oder auf einer Insel. Sie rasen in der Regionalbahn Thurbo über den Viadukt Diessenhofen oder sie musizieren auf der Munot-Zinne. "Es macht mir Riesenspass, der Phantasie freien Lauf zu lassen" sagt Milz. Er fange in einer Ecke an und male dann drauflos. Die Deutung des symbolischen Gehalts überlässt er dem Betrachter.

Was mit den Bildern später geschehen soll, lässt Milz noch offen. "Schön wäre, wenn etwa 20 bis 30 Seiten als Kinderbuch veröffentlicht würden, vielleicht ohne Worte" sagt er. Jedes Bild zeigt viele Ansätze für Geschichten, in die Kinder dank ihrer Unbefangenheit abtauchen können.

Ein Mann mit vielen Interessen

Milz gründete zusammen mit vier weiteren Künstlern vor zwölf Jahren die Gruppe Art Diessenhofen. Heute machen 44 Kunstschaffende und Kunstinteressierte mit. Sie kommen aus Diessenhofen und Umgebung und aus der Deutschen Nachbarschaft und treffen sich einmal pro Monat im Atelier Schützenhaus. "Wir sind kein Verein mit Statuten. Bei unseren Treffen geht es zwanglos zu und her. Deshalb funktioniert es so gut, und es kommen immer zwischen 15 und 20 Leute zu den Treffen" erklärt Milz.

Bis zu seiner Pensionierung vor sieben Jahren war Milz bei der Stadtverwaltung als administrativer Leiter der Werke und als Marktleiter angestellt. Er hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit seiner Frau Frederike in Diessenhofen. In seiner Freizeit besuchte er Kurse für Bildhauerei, Zeichnen und Kunstmalen in Öl, Acryl und Aquarell. Nebst seiner Tätigkeit als Künstler und Kunstförderer ist er auch begeisterter Sportfischer und Tennisspieler, er sammelt Briefmarken sowie Schmuck- und Edelsteine, und wenn bei all dem noch etwas Zeit bleibt, setzt er sich an sein Klavier.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler