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„Vom Glück des Stolperns“

Nix Theater Konstanz
Christoph Nix eröffnete lediglich die Medienkonferenz am Mittwoch. Die weitere Vorschau konnte er seinem erstklassigen Team überlassen. swb-Bild: of

Stadttheater geht in 2019 ins Zirkuszelt – und im Oktober 2018 in die Singener Scheffelhalle

Konstanz. Der Titel „Vom Glück des Stolperns“ klingt angesichts der Dissensen der letzten Wochen um Vertragsverlängerung und Baden-Württembergische Theatertage aktuell gewählt, doch er habe schon lange vorher fest gestanden, weil das der „Rote Faden“ des neuen Programms für die Saison 2018/19 sein soll, wurde auf der Programmkonferenz am Mittwoch im neuen Probedomizil des Theaters, das seit sechs Wochen im Ex-Transco Areal mit zwei Probebühnen genutzt werden kann, von allen Akteuren rund um Prof. Christoph Nix betont.

Und es ist noch nicht die finale Theatersaison des Intendanten (der die Medienkonferenz wegen  eines anderen Termins nur eröffnete), denn bis zum Sommer 2020 wird er hier am See noch für seine Marke Theater aktiv kreativ sein. Trotzdem schließen sich schon gewisse Bögen, wie bei der Übersicht der geplanten Premieren deutlich wurde. Vorneweg gesagt: das Konstanzer Theater wird ins Zirkuszelt umziehen, für drei Produktionen ab dem 15. Juni. Und das gleich zum Start mit der Theater-Uraufführung von „Froottit und Chocolat“ über den ersten schwarzen Clown, und mit dem genialsten Schweizer Clown Olli Hauenstein und Christoph Nix darselbst am Regiepult. Dafür wird es in diesem Jahr kein Theater auf dem Münsterplatz geben und ein Ersatz für das Zeltfestival sei das auch ganz und gar nicht wurde vom Podium der Medienkonferenz unterstrichen. Und das Theater Konstanz wird auch in die Singener Scheffelhalle kommen: Gerd Zahner ist derzeit sehr emsig am schreiben. Mit „Die Reis“ hat er ein Stück über die Jenischen in Singen verfasst, das unter anderem auch vom Chor der Wessenbergschule begleitet werden soll, der aus dem Teil Singens kommt, der vom „fahrenden Volk“ geprägt ist. Am 5. Oktober soll in der Scheffelhalle Premiere gefeiert werden, 10 Aufführungen sind geplant, gab es auf Anfrage zu erfahren.

Die guten alten Klassiker wird man im kommenden Programm vergeblich suchen. Diese wird es – unter anderem mit „Hamlet“ erst ein Jahr später zum Finale der Nix’schen Intendanz geben, wurde vage angekündigt. Dafür sind jedoch einige der Schüsselstücke des 20. Jahrhunderts mit dabei, und das durchaus als „Stolpersteine“: Der Spielzeitstart ist mit Beckets „Warten auf Godot“ absolut erstklassig und prominent besetzt, unter der Regie von Christoph Nix. Das kann noch mit Borcherts „Draussen vor der Tür“ ab 18. Januar gesteigert werden und „Der brave Soldat Schweijk“ wird als Mischung aus „Forest Gump“ und Till Eulenspiegel ab dem 15 März angekündigt. In der Spiegelhalle wird ebenfalls stolpertechnisch spektakulär mit Bulgakows „Hundeherz“ am 29. September gestartet. Gespannt darf man auf Ingo Putz  als Regieeur sein, der „King A“ (10. Februar) und Aristophanes „Die Vögel“ (22. Juni) auf die Bühne bringen wird – mit Jugendbeteiligung. Das Konstanzer Theater wird im kommenden Herbst für manche Schlagzeile sorgen: sicher mit „Der Reichsbürger“ vom Ehepaar Küspert in der Werkstatt ab 27. Oktober, denn das ist ein wirklich streitbares Thema zum Motto, ob die zu Deutschland genauso gehören wie die Muslime.

Eine Menge übers Stolpern haben auch die diesjährigen Weihnachtsstücke in sich. „Die Brüder Löwenherz“ von Astrid Lindgren unter der Regie der in Österreich gefeierten Sara Ostertag startet ausgerechnet an Martini (11. November), wenn die Narren noch ihren Machansprüche definieren. Für die ganz Kleinen (ab 3 Jahre) kommt ab 25. November „Vom Fischer und seiner Frau“ von den Gebrüdern Grimm.

Insgesamt 28 Premieren kann das Publikum in der kommenden Spielzeit erwarten und das mit durchaus verjüngtem Publikum, denn mit gratis Stand-by-Tickets für Studenten und einer wirklich bemerkenswerten Jugendarbeit inklusive Schultheaterkooperationen kommt das Publikum von Morgen tatsächlich schon ins Theater.

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler