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Vorurteile und Ängste abbauen

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Türe zur Integration in die Arbeitswelt
Ein Paradebeispiel in der Zusammenarbeit zwischen Menschen mit und ohne Behinderung ist das integrative Restaurant und Hotel »Seehörnle« in Horn. Das Bild zeigt Geschäftsführer Thomas Kopacevic und Lisa Bonacker.swb-Bild: dh

Wochenblatt-Initiative will auch Menschen mit Behinderungen helfen

Radolfzell/Stockach. Integration ist in aller Munde: Viele reden davon, doch nur die wenigsten packen ernsthaft mit an, dass sie auch funktionieren kann. Die Initiative »Türe zur Integration in die Arbeitswelt«, die 2016 von Bernhard Bihler, Geschäftsführer des »RIZ«, und Anatol Hennig, Verlagsleiter des WOCHENBLATTES, ins Leben gerufen wurde, will dies ändern. Seit Beginn der Initiative, die arbeitssuchende Flüchtlinge und Firmen, die auf der Suche nach Verstärkung sind, einfach und unkompliziert zusammenbringt, konnten 14 Flüchtlinge in eine Festanstellung vermittelt werden, sieben haben einen Ausbildungsplatz gefunden und 38 Flüchtlinge wurden in ein Praktikum durch die alle zwei Wochen im WOCHENBLATT erscheinende Sonderseite vermittelt. Insgesamt seien nach Angaben Bihlers über 100 Bewerbungen bei der Beschäftigungsgesellschaft eingegangen.
Doch gute Initiativen kann man immer noch etwas besser machen. So haben sich die Verantwortlichen des RIZ‘, der Beschäftigungsgesellschaft des Landkreises‘ und des WOCHENBLATTES überlegt, die Initiative auf Menschen mit Behinderungen auszuweiten. Denn auch hier schlummert die Integration im WOCHENBLATT-Land in einer Art Dornröschenschlaf. Wenn alle Partner, die es dafür zusätzlich braucht, dabei sind, dann startet die Initiative bald in die nächste Runde.
Darüber sprach das WOCHENBLATT mit Axel Goßner, Sozialdezernent des Landkreises, wie die Integration von Menschen mit einem Handicap auf dem Arbeitsmarkt funktionieren kann.

WOCHENBLATT: Warum haben es Menschen mit einer Behinderung nach wie vor schwer auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen?
Goßner: »Situationsbedingt sind Menschen mit Behinderung durch diese Behinderung oftmals in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Ich betone dabei aber ausdrücklich oftmals und nicht immer. Es ist deshalb sehr wichtig, Arbeitseinsätze zu finden, deren Ausübung durch die Behinderung nicht beeinträchtigt werden. Viel mehr wiegen meines Erachtens Vorurteile und Ängste auf Seiten der Arbeitgeber. Diese gilt es durch Informationen und Unterstützungsleistungen abzubauen und auszugleichen.«

WOCHENBLATT: Viele Betriebe haben Sorge, Menschen mit einem Handicap einzustellen. Fehltage und verminderte Leistungsfähigkeit werden befürchtet. Sind diese Bedenken Ihrer Meinung nach gerechtfertigt beziehungsweise wie begegnen Sie diesen Vorurteilen?
Goßner: »Menschen mit Behinderungen sind so individuell und unterschiedlich wie Menschen ohne Behinderung. Verallgemeinerungen helfen da also nicht. Es ist immer auf den Einzelnen abzustellen. Natürlich gibt es Behinderungen, die eine geringere Leistungsfähigkeit bedingen und ebenso höhere Fehltage. Diese Situation muss aber bei Beginn eines Beschäftigungsverhältnisses angesprochen und entsprechend geregelt werden. Dies kann zwischen den Vertragsparteien erfolgen, aber auch durch Unterstützungsleistungen der hierfür zuständigen Stellen (z.B. Arbeitsagentur, Fachdienst für Integration, Eingliederungshilfe). Oftmals werden Ängste auch durch besondere gesetzliche Regelungen zum Schutze von Menschen mit Behinderung untermauert. Was also gut gedacht ist, wirkt sich manchmal nachteilig aus. Auch hier gilt es Aufklärung zu betreiben. Ein Mensch mit Behinderung ist nicht unkündbar.«

WOCHENBLATT: Wie kann die Initiative des RIZ, der Beschäftigungsgesellschaft und des Wochenblattes bei der Integration helfen?
Goßner: »Die Initiative Tür zur Integration kann hier insoweit helfen, indem sie informiert und Vorurteile abbaut, aber auch dadurch, dass sie die Menschen – hier Arbeitgeber und Arbeitnehmer – zusammenbringt und Verständnis aufbaut. Es ist hierbei wichtig, solche Partner zusammenzubringen, die zueinander passen, damit Enttäuschungen weitgehend ausgeschlossen werden können.«

WOCHENBLATT: Wie können weitere Unterstützer ins Boot geholt werden?
Goßner: »Weitere Unterstützer können durch positive Ergebnisse gewonnen werden. Die Initiative hat bereits bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt viele positiven Ergebnisse erzielt. Diese sollen als Erfolgsmodelle bekannt gemacht werden, um mit Erfolgsmodellen zu werben. Tue Gutes und sprich darüber - so können weitere Teilnehmer überzeugt und gewonnen werden. Die Integration von Flüchtlingen aber auch von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt ist eine »Win-Win-Situation« für alle Beteiligten und für die Gesellschaft insgesamt.«

Wochenblatt Redakteur @: Matthias Güntert

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