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"Wir brauchen wettbewerbsfähige Strtukturen"

Symbolbild Warnstreik
Symbolbild Warnstreik

Süstwestmetall-Arbeitgebeber kritisieren Warnstreiks der IG Metall

Singen/ Villingen. Keinerlei Verständnis für die von der IG Metall organisierten Warnstreiks zeigen die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie (M+E) in der Region. „Unsere Industrie und unser Land befinden sich nach wie vor in der schwersten Wirtschaftskrise der Geschichte der Bundesrepublik“, sagte der Südwestmetall-Geschäftsführer der Bezirksgruppe Schwarzwald-Hegau, Markus Fink, am Dienstag in Villingen-Schwenningen: „Wer in dieser Situation für vier Prozent mehr Geld auf die Straße geht, streikt an der Realität völlig vorbei.“

Immer noch befänden sich Zigtausende Betriebe und Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit, nicht wenige fürchteten um ihre Existenz. In den vom Lockdown direkt betroffenen Branchen würden viele Menschen gerne arbeiten, dürfen es aber nicht. „Welches Signal sendet die IG Metall da aus, wenn sie ihre sehr gut bezahlten und größtenteils abgesicherten Mitglieder dazu auffordert, die Arbeit niederzulegen?“, kritisierte Fink: „Wir müssen in dieser schwierigen Zeit sensibel sein und den sozialen Zusammenhalt im Blick behalten.“

Die M+E-Arbeitgeber seien gerne bereit, mit der IG Metall Lösungen zu finden, die die Betriebe und die Beschäftigten dabei unterstützen, jetzt Arbeitsplätze zu sichern. „Die Betriebe heil aus der Krise herauszubekommen und sie erfolgreich durch den anstehenden Strukturwandel zu lotsen, hat dabei höchste Priorität. Denn nur dann werden sie in der Zukunft überhaupt Arbeitsplätze bieten können. Das aber kann man nicht erstreiken, diese Lösungen findet man nur am Verhandlungstisch“, so Fink. Die Metallerlöhne in Baden-Württemberg lägen mit 65.000 Euro pro Jahr rund 5.000 Euro über dem M+E-Bundesdurchschnitt, sie zählten zu den höchsten weltweit: „Für unsere Firmen ist das eine besondere Herausforderung. Da kann die Antwort doch nicht lauten: Wir machen Arbeit jetzt noch teurer.“

Es sei zwar erfreulich, dass es in einigen Bereichen der Industrie wieder teils kräftig bergauf gehe – trotz weiterhin erheblicher Unsicherheiten angesichts des Pandemiegeschehens. „Aber das ist ja alles noch ein Nachholen. Selbst bei optimalem Verlauf stehen wir am Jahresende noch längst nicht wieder dort, wo wir vor der Krise schon einmal waren. Erst dann aber sehen wir die Möglichkeit für Lohnerhöhungen“, sagte Fink. Realität sei auch, dass im Corona-Jahr 2020 mehr als ein Drittel der M+E-Firmen Verluste gemacht habe, ein weiteres Viertel nur eine magere Rendite von weniger als zwei Prozent: „Der großen Mehrheit der Betriebe geht es also nicht gut. Sie müssen der Maßstab sein. Für sie brauchen wir Kostenentlastung statt weiterer Belastungen.“

Der IG Metall hielt Fink vor, zwar ständig über Strukturwandel und Transformation zu reden, daraus aber nicht die notwendigen tarifpolitischen Schlüsse zu ziehen. Als Beispiel nannte er den Umstieg auf Elektromobilität in der Automobilindustrie: „Da tauchen ganz neue Wettbewerber auf, die weder deutsche Tariflöhne bezahlen, noch vor der Herkulesaufgabe stehen, im künftig rückläufigen Verbrennergeschäft, das uns alle bisher gut genährt hat, Beschäftigung zu sichern. Das ist ein sehr ungleicher Wettbewerb, und die aktuelle Krise hat uns dabei noch zurückgeworfen.“

Zu einer erfolgreichen Transformation gehörten auch wettbewerbsfähige Kostenstrukturen, so Fink: „In dem neuen Industriezeitalter, das gerade anbricht, müssen wir uns die Spitzenposition erst wieder erarbeiten. Uns ist dabei klar, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch weiterhin gut bezahlt werden.“

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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