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Zahl der Straftaten geht im Corona-Jahr deutlich nach unten

Kripo-Bilanz
Symbolbild Polizei

Cybercrime-Delikte haben dagegen Hochkonjunktur gehabt

Kreis Konstanz. Die Kriminalitätsbelastung im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz ist im Jahr 2020 insgesamt deutlich zurückgegangen. Durch den neuen geografischen Zuschnitt des Präsidiums ab Januar 2020 ist zwar kein tatsächlicher Vergleich mit den Vorjahren möglich. Im Vergleich der Gesamtbetrachtung der einzelnen Landkreise sind die registrierten Fallzahlen der meisten Kriminalitätsbereiche zum Vorjahr deutlich niedriger.

Mit 29.195 registrierten Straftaten (ohne das Ausländerrecht, da diese ohnehin nur von Ausländern begangen werden können) sind die Zahlen nun unter die 30-tausender-Marke gefallen und die Summe der Straftaten einzelner Landkreise ebenfalls auf dem niedrigsten Stand seit Langem. "Diese Entwicklung ist ohne Zweifel auch den Auswirkungen der Corona-Pandemie zuzuschreiben," erklärte der Leiter des Präsidiums Konstanz, Polizeipräsident Gerold Sigg bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2020. Erfreulich für ihn ist der Rückgang der Fallzahlen durchweg in allen Landkreisen.

Am stärksten sind die Fallzahlen im Landkreis Konstanz zurückgegangen. Wurden 2019 dort noch 17.267 Straftaten registriert, waren es im Jahr 2020 lediglich noch 13.726. Dies sind aber immerhin noch mehr als dreimal so viele als im Landkreis Rottweil, in dem 2020 nur noch 3936 Straftaten registriert sind und dieser damit einer der Landkreise in Baden-Württemberg ist, der mit Kriminalität am wenigsten belastet ist.

Eine besonders erfreuliche Entwicklung für den Polizeipräsidenten ist die Aufklärungsquote. Sie stieg nun abermals auf 65,7 Prozent an und stellt im noch neuen Polizeipräsidium Konstanz einen überdurchschnittlichen Wert und ein Zeugnis für sehr gute Ermittlungsarbeit der Schutz- und Kriminalpolizisten dar.

Ein Drittel weniger Wohnungseinbrüche

Wo die Auswirkungen rückläufiger Kriminalität am deutlichsten sind, zeigt das Ergebnis der Wohnungseinbrüche. Hier sind die Fallzahlen um ein Drittel zurückgegangen. Waren 2019 noch 339 Einbrüche gemeldet worden, sind im Jahr 2020 lediglich 222 Wohnungseinbrüche in allen vier Landkreisen registriert worden. Das ist im Vergleich zum Durchschnitt der letzten zehn Jahre (468) in den einzelnen Landkreisen weniger als die Hälfte der Fallzahlen. "Hier ist ein deutlicher Sicherheitsgewinn eingetreten, zumal Wohnungseinbrüche den engsten persönlichen Lebensraum tangieren und somit am stärksten wahrgenommen werden," resümiert Sigg.

Für ihn ebenfalls erfreulich ist ein Rückgang der Gewalt gegen Polizeibeamte, wenngleich mit 307 Übergriffen (Vorjahr 330) auf seine Polizeibeamte immer noch ein zu hoher Wert vorliegt.

Wo einerseits die Fallzahlen zurückgehen, sind andererseits in wenigen Einzelbereichen auch deutliche Anstiege sichtbar. Unstreitig ist dies auch eine Auswirkung der Pandemie, da sich vieles nicht mehr im öffentlichen Leben, sondern wie im Einkaufs- und Geschäftsverhalten in die virtuelle Ebene im Internet verlagert hat. Entgegen dem allgemeinen Rückgang der Straftaten hatten Cybercrime-Delikte im Jahr 2020 "Konjunktur". Sie stiegen um 376 Fälle auf nunmehr 1806 Straftaten, was einem Zuwachs von 26 Prozent entspricht. Allein der Anteil der Betrugsdelikte liegt bei 60 Prozent.

Grund sind zahlreiche gefälschte Online-Shops, Betrügereien mit E-Mails und manipulierten IT-Systemen. Nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv zugenommen haben auch Betrügereien mit "Falschen Polizeibeamten". Diese sind gegenüber dem Vorjahr um 7 Prozent auf nunmehr 696 Fälle geklettert. Dank guter Präventionsarbeit blieb es aber in 682 Fällen beim Versuch.

Das Erfolgsrezept, um solche Straftaten einzudämmen, liegt ganz klar bei der Prävention. "Nur durch intensive Aufklärung und Warnung vor Betrügern kann den meist aus dem Ausland stammenden Tätern das perfide "Handwerk" zum Nachteil oft älterer Menschen gelegt werden," ist sich Gerold Sigg sicher.  Die Statistik gibt ihm Recht. 92 Prozent aller angezeigten "Call-Center"-Betrugsfälle blieben im Versuchsfall stecken.

Ein anderes Kapitel ist die Aufklärung solcher Fälle. Die Ermittlungen gestalten sich überhaupt sehr schwierig, da sie über Grenzen gehen. Nur zehn solcher Fälle konnte die Polizei letztendlich auch klären.

Befürchtungen, dass es wegen Quarantäne, Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen vermehrt zu Übergriffen innerhalb der eigenen vier Wände kommt, untermauert das Ergebnis der Statistik nicht. Das Deliktsfeld "häusliche Gewalt" weist lediglich einen geringen Anstieg um 3 Prozent auf 557 Fälle aus. Die Polizei geht freilich auch von einer erhöhten Dunkelziffer aus.

Welche Auswirkungen die Aufhellung des Dunkelfeldes haben kann, zeigt sich bei den Sexualdelikten. So stiegen die Zahlen der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von 532 auf 590 Fälle an, was einen Zuwachs von 58 Fällen bedeutet. Im Wesentlichen sind hierfür jedoch nicht sexuelle Übergriffe maßgeblich, denn diese gingen um 32,9 Prozent auf 51 Fälle zurück, sondern der Besitz und die Verbreitung von Pornographie und sexueller Missbrauch ursächlich.

Wie im ganzen Land Baden-Württemberg hat auch das Polizeipräsidium Konstanz und die dazugehörige Kri-minalpolizei Rottweil im letzten Jahr wieder zahlreiche Hinweise von der US-amerikanischen Organisation "National Center for Missing & Exploited Children" (NCMEC) auf kinderpornographische Inhalte im Internet bekommen, die zu einem Fallzahlenanstieg führten. Diese werden bei der Kripo schwerpunktmäßig bearbeitet, weshalb auch in den nächsten Monaten mit weiteren Anstiegen zu rechnen ist.

Bei den besonders schweren Fällen der Straftaten gegen das Leben, wie zum Beispiel Totschlag und Mord, gab es drei Fälle mehr als im Vorjahr. Von den 27 meist in Sonderkommissionen und Ermittlungsgruppen bearbeiteten Straftaten waren 20 Versuche. Alle Fälle wurden statistisch als geklärt erfasst.

Die Politisch motivierte Kriminalität, also Straftaten mit extremistischem Hintergrund, ist im vergangenen Jahr um 22 Prozent auf insgesamt 152 Fälle zurückgegangen. Allerdings nahmen wie im ganzen Land auch, sogenannte "Hasspostings" im Internet und über Messenger-Dienste zu. Darunter häufig auch die Verunglimpfung von Kandidaten für öffentliche Ämter und politische Mandatsträger.

Die Entwicklung im Landkreis Konstanz

Insgesamt gingen im Landkreis Konstanz die Fallzahlen um mehr als 20 Prozent auf 14.470 Straftaten zurück. Ohne Verstöße gegen das Ausländergesetz sind es noch 13.726 Straftaten. Die auffälligsten Rückgänge sind beim Wohnungseinbruch (minus 43,3 Prozent), bei Vermögens und Fälschungsdelikten (minus 42,1 Prozent), sowie Diebstahlsdelikten (minus 22,8 Prozent) zu verzeichnen.

Auffallend ist der Rückgang der Fallzahlen auch in der Stadt Konstanz selbst. Hier wurden 1920 Straftaten weniger als noch im Vorjahr (7053) erfasst.

Die Rohheitsdelikte, wozu unter anderem auch Raub und Körperverletzung zählen, gingen ebenfalls deutlich zurück. Waren 2019 noch 2132 Straftaten registriert, kamen ein Jahr später noch 1880 zur Anzeige. Auch Fälle des Ladendiebstahls gingen von 1367 auf 1106 stark zurück.

Angestiegen sind dagegen Fälle, die zur Fallgruppe "Cybercrime" zählen. Sie stiegen von 640 Straftaten auf 732 im Jahr 2020. Wie woanders auch, stiegen auch im Landkreis Konstanz Straftaten über das Internet an und zwar von 600 auf 718 Fälle.

Im Gegensatz zu den anderen Landkreisen, die zum Polizeipräsidium Konstanz gehören, hat die Zahl der angezeigten Sexualdelikte im Jahr 2020 von 235 auf 213 abgenommen.

Die Rauschgiftkriminalität ist im Landkreis Konstanz immer noch präsent. Sie ist aber ebenfalls von 1455 auf 1240 Fälle zurückgegangen, was dem nominalen 10-Jahres-Jahresdurchschnitt entspricht. Der Schwerpunkt liegt in dieser Straftatengruppe nach wie vor bei den Cannabis-Produkten. Nicht unbedeutend sind die 471 Delikte, bei denen Amphetamin und Ecstasy eine Rolle gespielt haben, zwei jeweils gefährliche synthetische Drogen.

Mit dem Rückgang in den Fallzahlen gingen auch die ermittelten Tatverdächtige zurück. Wurden 2019 noch 7949 Tatverdächtige ermittelt, waren dies ein Jahr später 6928 Personen. 2186 davon hatten keinen deutschen Pass. Gegen 1450 Jugendliche und Heranwachsende haben die Beamten der Schutz- und Kriminalpolizei Anzeigen gefertigt. Das sind 376 weniger als noch im Vorjahr.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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