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Zeitreise auf dem grünen Bänkle

Bänkle Güttingen
Stefan Hirt bei seiner Moderation über die »Neue Heimat« Güttingen der 1950er Jahre genau in der Siedlungszone von damals. Wie viele sich mit erinnerten war ein Zeichen, dass das »Bänkle« hier an einen besonders bedeutungsvollen Ort platziert wurde.swb-Bild: of

Reges Interesse an der Aktion zur »Neuen Heimat« und den Siedlungshäusern aus den 1950er Jahren

Radolfzell-Güttingen. Heimat ist immer in Bewegung. Das macht besonders auch die sinnige Idee des Güttiger »Bänkle« deutlich, das sich immer wieder neu auf die Reise macht, um Geschichten aus dem Ort aufzuspüren.
Am Samstag machte es Station in der Franz-Enz-Straße, wo eine einst »grüne Insel« in der Nachkriegszeit war, als eben die ganzen Flüchtlinge aus Osteuropa in die junge Bundesrepublik drängten, weil sie ihrer dortigen Heimat vertrieben wurden.

Die »Neue Heimat«, die dann später in die Baugenossenschaft Familienheim Bodensee überging sollte hier in Güttingen die extreme Wohnungsnot dieser Jahre abmildern mit einem Siedlermodell, wie es das auch schon in früheren schlechten Zeiten gegeben hatte. Verglichen mit heute kam man zu einem Spottpreis an das Grundstück, Zuschüsse der Landeskreditanstalt und Baumaterial, zum Teil sogar umsonst aus den kommunalen Kiesgruben. Freilich war dann auch jede Menge Eigenleistung und Nachbarschaftshilfe gefragt, wenn man in dem Auswahlverfahren Glück hatte.

Und: wer sich dass das Dach über dem Kopf geschaffen hatte, musste es auch anderen Geflüchteten und Heimatsuchenden gewähren, wie die Moderatoren des überraschend gut besuchten Sonntagnachmittags, Stefan Hirt und Hans-Ulrich Pfeilsticker aus vielen Zeitungsartikeln von damals erzählten. Daraus entspannen sich ganz viele schöne Geschichten hier, denn nicht wenige wohnen nach 70 Jahren eben noch immer in ihren Siedlerhäusern der »Neuen Heimat«, auch wenn die meisten inzwischen Anbauten erhalten haben um mehr Platz zu bekommen, oder ein Bad, was eben auch nicht selbstverständlich sei. Da gab es die Geschichte einer Mutter, die damals allein mit ihren Kindern neu anfangen musste, aber in den aufgenommenen Flüchtlingen Unterstützung fand.

Da gab es die Geschichte eines Bauherrn, der die weitere Familie engagierte, um das Haus gerade mal in zehn Tagen hochzuziehen, und den Gerüstbauer so in Zeitdruck versetzte, dass er über Nacht seine Stangen aufstellen musste um den Bau nicht aufzuhalten. Bis die Schlossbergmusikanten aufspielen konnten, natürlich mit böhmisch-mährischer Blasmusik, wurde in vielen dieser kleinen Geschichtchen, zu denen es manchmal noch Fotos gab, klar, wie Menschen sich hier im wahrsten Sinne des Wortes eine »Neue Heimat« erschufen. Ein ganz besonderer Part der Güttinger Ortsgeschichte.
Mehr Bilder dazu gibt es in unserer Galerie unter wochenblatt.link/baenkle 

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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