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»Zimmer auf der Straße« als Ausrufezeichen

Zimmer auf der Straße
Wolfgang Heintschel (Caritas), Christian Bölli (Stadt Singen), Susanne Graf (AGJ) und Gabriele Eckert (Caritas/ Faikauf) inszenierten das »Zimmer auf der Straße« um auf die Wohnungsnot in den Städten aufmerksam zu machen. swb-Bild: of

Caritas weist auf große Wohnungsnot hin

Singen (of).  Ein »Zimmer auf der Straße« hat der Caritasverband Singen Hegau zusammen mit vielen Betroffenen am letzten Freitag auf der August-Ruf-Straße eingerichtet. Die Aktion fand im Rahmen einer bundesweiten Kampagne „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ statt, mit der auf die große Wohnungsnot gerade der schwächeren Mitglieder unserer Gesellschaft hingewiesen werden soll.

Im Zuge der Flüchtlingskrise wurde in Dingen zwar durch die Stadtverwaltung eine Wohnraumakquise gestartet, um günstigen Wohnraum akquirieren zu können, bislang jedoch mit einem recht überschaubaren Erfolg. „Gerade Menschen mit Behinderungen, mit psychischen Problemen, nach einer Haftstrafe, selbst alleinstehende Elternteile, Rentnerinnen oder Rentner mit schmalen Geldbeutel hätten angesichts des aktuell besonders in den Städten sehr knappen Wohnraums kaum eine Chance, Wohnungen zu finden und ihnen drohe nicht selten sogar die Obdachlosigkeit, klagte beim Medientermin Wolfgang Heintschel vom Caritasverband. Im September seien im Landkreis 233 Menschen ganz ohne Unterkunft gewesen, mit einer wahrscheinlich hohen Dunkelziffer“, ergänzt dazu Susanne Graf von der AGJ der Erzdiözese Freiburg, die unter anderem den Jakobushof für Männer und den „FreiRaum“ in Singen für Frauen betreibt, was aber eigentlich immer nur Übergangslösung sein sollte.

Das Problem werde sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen, denn die Gesellschaft spalte sich trotz Wohlstands immer weiter auf und die frühere Mittelsicht breche immer mehr weg, drohe in Armut zu versinken, warnt Wolfgang Heintschel. Zwar würden in Singen derzeit viele Wohnungen neu gebaut, doch die Preise für den Wohnraum seien für die oben genannten Gruppen schlichtweg unbezahlbar. Deshalb sei man im besehenden Wohnungsmarkt intensiv auf der Such nach günstigen Angeboten, denn die Erfahrung zeige, dass es solche Wohnungen sehr wohl gebe, oder auch Möglichkeiten zu Untermiete. „Singen bräuchte eigentlich wieder eine eigene Wohnbaugesellschaft“, unterstrich Wolfgang Heintschel im Mediengespräch. Denn diese Aufgabe könnten nur Unternehmen leisten, die nicht gewinnorientiert sind. In anderen Städten die Konstanz, inzwischen auch in Rielasingen-Worblingen, wurde für Bauträger (beim Ankauf kommunaler Grundstücke)  im Geschosswohnungsbau inzwischen eine Quote von 20 Prozent geschaffen, die für Menschen mit Wohnbedarfsschein angeboten werden sollen. Die Bauprojekte dafür sind allerding zumeist noch gar nicht im Bau. Deshalb haben die Initiatoren ihre Aktion mit dem Aufruf an alle Wohnungseigentümer verbunden, den schwächeren Menschen dieser Gesellschaft Wohnraum anzubieten. „Wir als Caritas mussten in vielen Fällen hier schon als Mieter einspringen, weil die Vermieter hier ein Risiko sahen“, so Heintschel. Dass aber könne nicht die Zukunft sein.

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler