Eine Modeschlacht auf der Bühne mit "Das Licht im Kasten"
Das nächste "Neue" ist immer schon da

Licht im Kasten
  • Licht im Kasten
  • Foto: Maëlle Giovanetti und Dominik Puhl auf der Bühne im Karussel immer neuer Mode und immer neuer Angebote auf der Bühne des Theater Konstanz. Und doch bleiben sie irgendwie nackt. swb-Bild: Ilja Mess
  • hochgeladen von Oliver Fiedler

Konstanz. "Wo gehen wir hin" ist die diesjährige Spielzeit des Theater Konstanz angesichts der derzeitigen Umstände überschrieben. die seit bald zwei Jahren einen heftigen Einschnitt in die Kulturlandschaft bedeuten. Kaum besser als mit "Das Licht im Kasten" von Elfriede Jelinek in einer Inszenierung von Susanne Schmelcher hatte das zum Thema Konsum und Mode in Szene gesetzt werden können. Das Stück mit Hanna Eichel,Maëlle Giovanetti und Dominik Puhl auf der Bühne hat am Freitagabend vor einem reduzierten Publikum seine gefeierte Premiere feiern können.

Marion Hauer hat die Bühne in ein Karussell verwandelt, das sich immer wieder von neuem Dreht.Konsum macht nicht glücklich – und unsterblich schon gar nicht, das wissen wird nur zu gut. Aber das heißt noch lange nicht, dass wir davon lassen können. Wenn Elfriede Jelinek über das Phänomen Mode schreibt, dann schreibt sie über Faszination und Abscheu zugleich. Heraus kommt ein durchaus heiterer Text, eine verschrobene Liebeserklärung und auch bitterböse Abrechnung: mit den menschenunwürdigen Produktionsbedingungen, der absurden Preispolitik und der Diskrepanz zwischen dem, was wir darstellen und dem, was wir sind – sprich dem, was die teuren Stoffe verdecken sollen. Schließlich wäre man so gerne etwas besonderes oder zumindest nicht so wie die anderen Leute.

Das Stück befeuert das Publikum für eineinhalb Stunden mit immer neuen Erkenntnissen über einen selbst. Immer neue Mode, die doch die alte ist. Immer wenn man etwas neues Kauft, ist das nächste neue schon längst wieder da. Die Schauspieler verwandeln sich ständig, wirken zuweilen wie lebendig Schaufensterpuppen mit immer wieder anderen Perücken verkörpern sie diese Konsumgesellschaft und bleiben irgendwie noch nur nackt. Die Kreditkarten sollen glücklich machen, nie endenden Geldquellen. Doch die Kleider machen nichts aus ihnen müssen sie bemerken, den die großen Anbieter, die das verballhornt mit ihren Namen auf der Bühne auftauchen, sorgen immer wieder für eine neue Illusion. Ja, wieder kaufen. Ja, sich wieder fragen, was das denn wohl kosten würde, wenn es hier gemacht worden wäre, wenn nicht anderswo Menschen sterben würden, dafür dass es uns so billig leicht gemacht würde, immer wieder neues zu kaufen, das doch wieder das immer gleiche ist. Da bleibt einem schon immer wieder was im Hals stecken in diesem Jelinekschen Dauerfeuer immer wieder neue Weisheiten ohne die Erkenntnis, etwas verändern zu können. Wie auch alle Schaufensterpuppen, die da durch billig Reize mit animiert werden? Nur Form von aussen und innen keine Zufriedenheit, Einsamkeit im Gefühl doch wieder zugreifen zu müssen, weil es ja Ausverkauf ist und nicht mehr alle Größen da. Das Augenzwinkern der berühmten Autorin gehört dazu, auf der Bühne führen uns die drei Schauspieler uns selbst vor. Eben: "Wo gehen wir hin?" Denn die Fragen bleiben stehen, nach dem höchst verdienten Schlussapplaus.

Autor:

Oliver Fiedler aus Gottmadingen

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