Premiere des Theaterstücks »JEEPS« am Theater Konstanz
Wenn Erben zur Glückssache wird

Hannah Stollmayer, Mona Marie Hartmann und Simone Geyer vor einem »Grabstein« des Bühnenbilds
  • Hannah Stollmayer, Mona Marie Hartmann und Simone Geyer vor einem »Grabstein« des Bühnenbilds
  • Foto: Hannah Stollmayer (Dramaturgie), Mona Marie Hartmann (Bühne und Kostüm) und Simone Geyer (Regie und Video) vor einem »Grabstein« des Bühnenbilds
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Konstanz. Was wäre, wenn das Erbe nicht an den eigenen Stammbaum gebunden wäre?

Mit dieser Frage setzte sich die Autorin Nora Abdel-Maksoud bei der Erarbeitung ihres Stücks »JEEPS« auseinander – und formte eine Welt, in der durch eine Erbrechtsreform pro Fall ein Los entscheidet, wer der Erbe sein wird. Die Premiere von »JEEPS« findet am Samstag 29. Januar um 20 Uhr in der Werkstatt des Theater Konstanz statt.

In dem Theaterstück ist das Jobcenter zuständig für diese Ziehungen und jeder Mensch hat ein Los, das er bei einem Sterbefall seiner Wahl setzen kann. Dann entscheidet der Zufall, ob sein Name gezogen wird... oder er leer ausgeht. Auf diese Weise wiederholt sich hier der »Zufall der Geburt« als zufälliges Erbe, womit die Autorin tiefgreifende Klassenunterschiede offenlegt, mit schwarzem Humor aufarbeitet und in Frage stellt.

Das Ganze geschieht in denkbar schlankem Rahmen mit nur vier Charakteren:Silke, die gerade erst ihren Vater verloren hat und die Hartz IV-Empfängerin Maude, die zusammen in das Büro der Jobcenter-Beamten Armin und Gabor platzen und ihr Recht einfordern wollen – die eine auf ihr Erbe, die andere auf eine Regelsatzerhöhung.

So ergeben sich vier grundverschiedene Figuren, jede mit eigenen Zielen, die im Verlauf des Stücks wissen das Publikum auf unterhaltsame Art und mit unvorhergesehenen Wendungen zu überraschen. Dabei soll jeder Zuschauer abgeholt, angesprochen und zum Nachdenken angeregt werden – wofür das omnipräsente und doch totgeschwiegene Thema Erbe denkbar gut geeignet ist. In Rückblenden und Reflexionsszenen versuchen die einzelnen Figuren, die Aufmerksamkeit und Sympathie des Zuschauers zu gewinnen. Dabei bleibt bis zuletzt unklar, wem man glauben kann. Letztendlich geht es immer um dieselbe Situation – allerdings aus vier teils sehr unterschiedlichen Perspektiven.

Konstanz wird nach der Uraufführung des Stücks in München im November vergangenen Jahres das zweite Theater sein, das das Stück in Szene setzt. Dabei war es der Regisseurin Simone Geyer besonders »wichtig, dass ich aus meinem eigenen Pott an Ideen und Gedanken schöpfe und nicht voreingenommen bin«. Dazu hat sie sich bewusst nur mit dem Drehbuch auseinandergesetzt und die Version des Theaters in München bisher gemieden.

Besonders während der Proben haben sich alle Beteiligten gemeinsam in die begleitenden Themen und die Figuren eingearbeitet. Eines darzustellen war für Simone Geyer besonders wichtig: »Das Erbe ist mit ausschlaggebend für die Chancen und Möglichkeiten, die man hat« und es sei spannend das »nicht als von Natur aus gesetzt zu sehen.«

Schauplatz der Theaterstücks ist zwar ein Jobcenter, doch wer als Bühnenbild eine Komposition von grau in grau erwartet, liegt weit daneben. Stattdessen setzt Mona Marie Hartmann, Verantwortliche für Bühne und Kostüm, auf einen Hintergrund, der abstrakter gedacht ist und die Emotionen und Gedanken einfangen soll. Sie selbst beschreibt es wie »eine geplatzte Kaugummiblase«, einen riesigen Farbklecks aus rot, pink und orange. Für die Dramaturgin Hannah Stollmayer ist das Bühnenbild »wie ein geplatzter Traum, der aber auch zu Hoffnung führt«. Auch die Kostüme sind eher farbenfroh, dabei aber zeitlos gewählt, sodass unklar bleibt, ob das Stück in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft spielt.

Gespielt wird bei halber Besetzung der Zuschauerplätze. Interessenten finden alle weiteren und aktuellen Informationen auf der Homepage des Theaters Konstanz.

Besetzung: Silke - Jana Alexa Rödiger, Maude: Kristina Lotta Kahlert, Gabor – Peter Posniak, Armin – Odo Jergitsch

- Anja Kurz

Autor:

Redaktion aus Singen

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