Leserbrief zur viel diskutierten Seetorquerung in Radolfzell
Phantomfinanzierung für geplantes Jahrhundertbauwerk

  • Foto: Die Seetorquerung erhitzt in Radolfzell weiter die Gemüter.
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Radolfzell (gü). Zur Artikel »Die Bahn stellt sich quer« erreichte die Redaktion folgender Leserbrief:
»Das Finanzierungskartenhaus der Seetorquerung ist durch die von der DB erteilten Abfuhr zusammengefallen, sodass zirka 20 Prozent der Baukosten bei der Finanzierungsdeckung fehlen. Offenbar sieht die DB keinen Handlungsbedarf sondern ein unnötiges Größenwahngebilde, für welches ihr jeder Cent zu schade ist. Es stellt sich nunmehr die Frage, wer das jahrelange Vorantreiben der Planung bis zu dem inzwischen aufgelaufenen Kostenstand von 2,5 Millionen auf der Grundlage einer »Phantomfinanzierung« zu verantworten hat. Die jetzige vielseits idealisierte Positionierung von OB Staab macht seinen Wortbruch nach der von Qualiti Gate festgestellten Kostenfehleinschätzung nicht ungeschehen. Die seinerzeit nicht eingehaltene Festlegung auf 20 Millionen Baukosten nach zuvor vorgegaukelten 17 Millionen ist noch in guter Erinnerung. Das Ganze ist verkorkst, unerfreulich und höchst widersprüchlich, zumal sich viele Bürger durch den frühen Wahltermin der Bürgerbefragung ausgetrixt fühlen. Kurzzeitig später wurde die Querung zu Gunsten der Mehrheit der Wählerstimmen der Baugegner geändert, was zum Ablehnungserfolg geführt hätte. Bei „»christlicher« Auslegung wäre eine Anerkennung der Stimmenmehrheit der Baugegner möglich gewesen und hätte uns ein Gurkentheater erspart, ebenso die peinliche Verleihung des Negativpreises der Antidemokratiegurke an die Stadtvertreter durch den Landesverband »Mehr Demokratie«. Nun bleibt abzuwarten, ob Entscheidungsträger vom Bauvirus unheilbar fanatisiert und nicht imstande sind, sich dem veränderten Sachstand entsprechend der von OB Staab angestrebten finanzierbaren Kompromisslösung anzuschließen. An das nunmehr vorgegebene Baukostenlimit mit 23 Millionen zu glauben, gehört ebenso in den Bereich des Wunschdenkens wie die geplatzte Finanzierungsblase. »Stuttgart 21« lässt grüßen.«
Wilfried Kromer, Radolfzell

- Matthias Güntert

Autor:

Redaktion aus Singen

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