Grandioser Abschluss des Meisterkurs Dirigieren
Befreit aufspielen, wie beim Fußball

Meisterkurs Dirigieren
  • Meisterkurs Dirigieren
  • Foto: Die Teilnehmer der Meisterklasse Dirigieren an der Sommerakademie Radolfzell 2018: Teresa Riveiro Böhm, Nil Venditti, Hyeju Jung, Rebecca Smithorn, Felipe Tristan, I-Han Fu, David Bui und Ustina Dubitsky.swb-Bild: eck
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Radolfzell. Professor Johannes Schlaefli sei ein guter Lehrer, lobt Nil Venditti, Teilnehmerin am Meisterkurs Dirigieren der internationalen Sommerakademie. Er hole das Letzte aus seinen Studenten heraus. Beim Abschlusskonzert im Milchwerk überzeugten die acht Nachwuchsdirigenten aus Deutschland, USA, Taiwan, Südkorea, Italien und Österreich sowohl ihren Lehrer, als auch das begeisterte Publikum. Professor Schlaefli selbst sieht sich eher als Coach. Dabei versuche er die künstlerische Eigenart der Studenten und deren Selbstvertrauen zu stärken. Er animiere die Teilnehmer ihre individuelle musikalische Interpretation zu finden. Manchmal gehe es gut. Es sei wie beim Fußballspiel: befreit aufspielen sei das A und O. Während des Konzerts ließ sich beobachten, wie differenziert die acht Dirigenten den Taktstock schwingen: unterschiedlich in Mimik, Gestik, Dynamik und der visuellen Kommunikation mit dem Orchester, der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz. Besonders auffallend war die intensive direkte Ansprache der einzelnen Musikergruppen bei der Dirigentin Rebecca Smithorn. Durch das relativ lange Spiel einer Instrumentengruppe erlaube die Komposition von Nicolai Rimski-Korsakow eine intensive Interaktion zwischen Dirigent und zum Beispiel den Violinisten oder Bläsern. Bei Musikstücken mit schnellen oder gar rasanten Wechseln zwischen den Instrumenten sei diese Intensität in der Ansprache nicht möglich, meint Schlaefli.

Ob es den Dirigenten während des Konzerts überhaupt brauche, ist eine vielleicht berechtigte Frage. Nach Abschluss der Proben könne man ein Orchester auch alleine spielen lassen, sagt der Hochschullehrer und Orchesterleiter. Jedoch könne ein Dirigent während des Konzerts mit seiner Gestik, seinem Stil, das Feintuning erheblich beeinflussen und damit sehr viel aus dem Orchester zusätzlich heraus holen. Auch während des Meisterkurses hätten die einzelnen Nachwuchsdirigenten das Musikstück individuell interpretiert und dem Orchester bei der Probearbeit ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Die Dirigenten hätten nach ihren eigenen Vorstellungen agiert. Er halte sie dabei auf Kurs, so Schlaefli. Dabei gäbe er ausreichend Freiraum für eigene Impulse der Studenten.
Insgesamt 60 Anmeldungen aus der ganzen Welt hätte es für den Meisterkurs Dirigieren gegeben. Die Auswahl über ein Video sei keine einfache Entscheidung, sagt Professor Schlaefli. International gäbe es viele Dirigierkurse. Ein Pluspunkt für die Sommerakademie sei das Konzept: Jeder Teilnehmer hat ausreichend Gelegenheit zu dirigieren und ein Konzert zu geben. Die Teilnehmer im Alter zwischen 23 und 35 Jahren verfügen bereits über Erfahrung als Dirigent oder sind auf dem Weg dorthin. Jüngere wollten Erfahrung sammeln, ältere wollten ihr Können durchleuchten lassen, neue Impulse und Feedback erhalten. Für ihn sei die fünftägige Sommerakademie eine schöne Abwechslung zum Hochschulbetrieb und auch die Gelegenheit, neue Talente kennen zu lernen. Eines ist Teresa Riveiro Böhm. Die Abstimmung des Orchesters über den Sonderpreis der Sommerakademie für herausragende künstlerische Leistungen fiel auf die Violinistin und Dirigier-Studentin aus Wien. Mit der Entscheidung kann sich Schlaefli gut anfreunden. Alle hätten ihre Qualitäten, aber Böhms Arbeit habe etwas Besonderes: »Erstaunlich, wie viel Sicherheit und Begabung sie zeigt, obwohl sie noch nicht lange dirigiere«. Optimistisch ist Schlaefli für die Fortführung der Meisterklasse Dirigieren mit der Südwestdeutschen Philharmonie unter der neuen Intendantin: Insa Pijanka war am Abschlusskonzert anwesend, es hätte ihr gefallen und sie habe signalisiert, das Ausbildungsengagement in der Sommerakademie fortzuführen.

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- Matthias Güntert

Autor:

Redaktion aus Singen

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