Einzelhandel kann mit 3G wieder etwas aufatmen
Die Alarmstufe wird aufgetaut

2g gestrichen
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  • Foto: Die Hinweise auf 2G- im Einzelhandel können schon am Mittwoch wieder durch "3G" ersetzt werden. Das Signal setzte der Verwaltungsgerichtshof Mannheim. swb-Bild: A. Kurz
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Kreis Konstanz. Der Einzelhandel atmet auf - in einem Beschluss erklärt der Verwaltungsgerichtshof, dass ab sofort auch wieder getestete Ungeimpfte shoppen gehen dürfen. Schon kurz nach der bundesweiten Einführung der 2G-Kontrollen im Einzelhandel kam es immer wieder zu Klagen der Händler, zu Unklarheiten und Streitigkeiten.

So wurde diese Beschränkung in Niedersachsen am 12. Dezember eingeführt und bereits vier Tage später vom Oberverwaltungsgericht Lüneburg wieder gekippt.
Auch in Bayern wurde 2G zunächst für einzelne Branchen und dann in Folge einer Klage durch den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof am 19. Januar komplett ausgesetzt.
Für Baden-Württemberg wurde nun geprüft, inwiefern die Aufrechterhaltung der »Alarmstufe II« trotz rückläufiger Hospitalisierungsinzidenz durch die Landesregierung rechtens war. Bereits am 21. Januar wurde der Ausschluss von nichtgeimpften Studierenden von Präsenzveranstaltungen ausgesetzt, am Dienstagnachmittag folgte die Erklärung des Verwaltungsgerichtshofs, dass das sogenannte Einfrieren der »Alarmstufe II« und damit die weiterhin geltende 2G-Beschränkung für den Einzelhandel nicht rechtens ist. Dies überschneidet sich mit der von Ministerpräsident Winfried Kretschmann noch zuvor am Dienstag gehaltenen Pressekonferenz, in der er die Rückkehr zu dem regulären Stufensystem für Corona-Maßnahmen in Aussicht stellte. Ohne konkreter zu werden, kündigte er außerdem an, innerhalb der Stufen »entsprechend der Omikron-Variante etwas anpassen« zu wollen.
Um das Bummeln unter Corona-Auflagen für die Kunden etwas entspannter zu gestalten, wurden in einigen Städten, wie beispielsweise Villingen-Schwenningen und Konstanz, sogenannte »Shopping-Bändel« eingeführt. So konnte man dort nach einmaliger Nachweis-Kontrolle ein 2G-Bändchen bekommen, welches einem das Kontroll-Prozedere in weiteren Geschäften erspart.
Doch die Frage des »Bändel-Handlings« spaltet. So habe man für eine Einführung der »Shopping-Bändel« in Radolfzell laut Andreas Joos, Inhaber von Zweirad Joos, keine Notwendigkeit gesehen. Die Wartezeiten wären auch bei den Kontrollen pro Geschäft akzeptabel geblieben.
Für die Stadt Singen haben sich in einer Mitteilung Alexander Kupprion vom City Ring Singen, Dirk Oehle von der iG Singen Süd, Hans Wöhrle vom Handelsverband Ortsstelle Singen, Dr. Gerd Springe und Claudia Kessler-Franzen von Singen aktiv, sowie Singens OB Bernd Häusler nach ausführlicher Abwägung und unter Berücksichtigung der »aktuellen Erfahrungen der Einzelhändler« derzeit dagegen ausgesprochen, ein solches Bändchen einzuführen. Aus dem Schreiben wird deutlich, dass zwar das Anlegen sowie Kontrolle und Einlass über das Bändchen relativ schnell und unkompliziert möglich ist, jedoch anderweitige Nachteile schwerer wiegen.
So sei zum Beispiel in Villingen-Schwenningen und anderen Städten die Nutzung der Bändel seit Weihnachten deutlich zurückgegangen. Aber auch, dass viele der Kunden inzwischen sehr gut auf die 2G-Kontrollen eingestellt sind und der Einlassprozess dadurch an sich schon sehr schnell von Statten geht, wird angeführt und dass sich die Kunden durch die Kontrollen pro Geschäft beim Einkaufen sicherer fühlen würden.
Das Thema »Bändel« sei damit nicht endgültig aus der Welt, für den Moment würden jedoch andere Aktionen für KundInnen geplant. Denn der Singener Einzelhandel war durch 2G laut Alexander Kupprion »stark bis sehr stark« eingeschränkt. So gebe es zwar weiterhin Kunden, die gezielt losgehen, um eine bestimmte Sache zu besorgen, doch die niedrige Frequenz an kaufstarken Bummlern gehe Woche für Woche noch weiter zurück. Das Flanieren durch Innenstädte, von Laden zu Laden zu schlendern und dabei den ein oder anderen Artikel zu kaufen und anschließend noch in einem Restaurant oder Café zu verweilen, wurde durch 2G und 2G+ unattraktiv.

Konkurrent Onlinehandel

Auch der große Konkurrent »Onlinehandel« macht den Innenstädten sehr zu schaffen. »Aber der größte Ärger ist die Politik«, so Alexander Kupprion, selbst Geschäftsleiter von »Sport Müller« in Singen. Denn von dort gebe es zu viel Panikmache und zu wenig Weitsicht. Zudem sei es ungerechtfertigt, dass der Einzelhandel mit Auflagen eingeschränkt werde, der Lebensmitteleinzelhandel mit seiner deutlich höheren Kundenfrequenz jedoch uneingeschränkt öffnen dürfe.
Er habe große Sorge, dass die bisher ausgebliebene große Welle an Ladenschließungen im Verlauf des Jahres 2022 hereinbrechen könnte. Für ihn steht fest: »Der Einzelhandel braucht eine klare Öffnungsstrategie ohne Zugangskontrollen, die auf einem Niveau ist mit dem Lebensmitteleinzelhandel, zum Beispiel mit einer Maskenpflicht.« So müssten sich auch »die großen Player« an die selben Regeln halten.
Um die Innenstadt zu beleben, plane der City Ring zwar einige Aktionen, diese Planungen gestalten sich jedoch durch die große Unsicherheit, was für politische Entscheidungen noch kommen könnten, sehr schwierig.
Besonders das Vorgehen rund um die Weihnachtsmärkte Ende letzten Jahres wiegt hier schwer. Trotzdem wird in Singen aktuell eine Fasnetsaktion vorbereitet (siehe Seite 13), zudem soll das Neustart-Programm rund um die neu gestaltete Innenstadt aus dem letzten Jahr fortgeführt werden und auch im Sommer wird mit Aktionen zum Bummeln und Einkaufen eingeladen.

Einkaufs-Erlebnis blieb aus

Auch für die Radolfzeller Einzelhändler sei spürbar, dass Stöber- und Flanierkunden ausbleiben. »Das Einkaufserlebnis bleibt komplett auf der Strecke«, äußerte sich Andreas Joos, Inhaber von Zweirad Joos in Radolfzell. Auch mit 3G in der nun geltenden »Alarmstufe« sei der Betrieb bei Weitem nicht normal, der Einzelhandel sei »kein Infektionstreiber. Wir hätten gern die Tür auf und wer rein will, kann rein.« Man wolle nicht länger »der Spielball von dem Ganzen sein, das sind wir auch leid.«

Radolfzell plant wieder »Seereise«

Doch wie können die Innenstädte den Vorsprung, den die Pandemie dem Onlinehandel beschert hat, wieder aufholen? Dazu müsse man »das Einkaufserlebnis in den Vordergrund stellen«, so Andreas Joos. Es brauche »jegliche Anstrengung mit Kultur, Handel und Stadtverwaltung, um Innenstädte zu beleben und sie zum Blühen zu bringen«. Diese Überlegungen sollen auch in der aktuellen Planung der verkaufsoffenen Sonntage in Radolfzell zum Tragen kommen.

Autor:

Oliver Fiedler aus Gottmadingen

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