Hausarztmodell der Zukunft in der Diskussion
Der Arzt vom Bildschirm?

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  • Foto: Da Max Hahn stellte bei Hearing in Konstanz sein privates Medizinisches Versorgungszentrum vor. swb-Bild: of
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Kreis Konstanz (of). Wie sieht das Hausarztmodell der Zukunft für den Landkreis Konstanz aus? Eine spannende Frage, denn schon jetzt ist ein Mangel besonders im ländlichen Raum, aber zum Teil auch schon in den Städten spürbar, besonders wenn bei bestehenden Praxen die Nachfolger gefunden werden müssen. Dem wollte ein dreistündiges Hearing am Donnerstagabend im Konstanzer Landratsamt mit vielen Experten auf die Spur gehen.

Das Problem ist schon länger bekannt und hat viele Facetten. Medizinische Versorgungszentren wie Gemeinschaftspraxen sind ein Ausdruck davon, dass der »Alleinkämpfer« kein Zukunfsmodell mehr ist. Auch im Kreis hat sich da schon einiges getan, wie Dr. Max Hahn aus Tengen zum Start aufzeigte: sein MZV mit fünf Ärzten operiert erfolgreich, aber steht auch schon vor einem Generationenwechsel. Er habe sozusagen »Jura« studieren müssen, um den wirtschaftlichen Anfordernissen gerecht zu werden, bekannte er.

Dr. Heidrun Sturm aus Tübingen machte deutlich, dass gerade durch den demographischen Wandel die Zahl »multimorbider«∑ Patienten, also solcher die durch ihr Alter an mehreren Erkrankungen leiden, und deshalb oft zum Arzt müssen, ansteige: Durch die Erkrankungen braucht es es auch mehrere Fachrichtungen wohnortnah. Dass es viele Projekte gibt, diesem Problem zu begegnen, konnte sie in vielen Beispielen Vorstellen. Dass sich die Strukturen insgesamt verändern steht für sie außer Zweifel, denn 50 Prozent des Ärztenachwuchses sind weiblich, weshalb es auch immer mehr um Teilzeitmodelle gehen müsse. Weil es auch um Familie geht, kommen auch die Faktoren ins Spiel, was Standorte für Familien zu bieten haben.

Die Situation im benachbarten Schwarzwald-Baar-Kreis, die dortigen Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Jochen Früh, ist symptomatisch: nach einer Umfrage vor drei Jahren stellte sich heraus, dass für 20 Prozent der Praxen, in der Mehrzahl Einzelpraxen, eine Übergabe in den nächsten drei Jahren anstehe. Fast 70 Prozent bewerteten die Nachfolgersuche als »sehr schwer«, 27 Prozent meinten es sei »fast unmöglich« einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu finden. Der Raum Donaueschingen/ Hüfingen sei gar von der Kassenärztlichen Vereinigung schon zum Notstadtgebiet erklärt worden. Aktuell finden in den Regionen Zukunftswerkstätten statt um Ideen und Initiativen sammeln, man wolle bis zum Sommer mit einem Modellprojekt erste Konkrete Maßnahmen starten können.

Im Projekt »Gesundes Kinzigtal«, vorgestellt von Dr. Christian Daxer, hat sich ein interdisziplinäres Ärztenetz zu einer GmbH zusammengetan, an der sich rund 60 Prozent der ärztlichen Kollegen in dem Gebiet beteiligten, das rund 33.000 Versicherte umfasse. Zum Netzwerk gehören dann noch sechs Krankenhäuser, Pflegedienste, Apotheken , Pflegeheime, Physiotherapeuten in den 11 Gemeinden im Einzugsgebiet. Das Netzwerk sieht sich als Vermittler von »Gesundheitsmanagement«. Durch Studien habe sich gar die Lebenserwartung der Behandelten um 1,2 Jahre verlängert, warb Daxer für sein Modell, das freilich schon mehr als ein Jahrzehnt am Markt ist.

Dr. Peter Hinz von der Kassenärztlichen Vereinigung infiormierte, das 84 Patienten derzeit der Meinung sind, dass Kommunikation mit dem Arzt via Telemedizin in 10 Jahren Standard sei. Rechtlich gibt es noch ein »Fernbehandlungsverbot«, sogenannten Videoconsultationen würden sich durchsetzen, vertritt Dr. Hinz. In verschiedenen Modellen für Ärzte, zum Beispiel bei Hautärzte schaut der Arzt den Patienten über eine »Google-Brille« an. Unter dem Stichwort „DocDirekt“ ist ab April der Landkreis Tuttlingen eine von zwei Modellregionen. Rezepte gibt’s freilich wie früher nur in der Praxis.

Der Auftaktabend soll seine baldige Fortsetzung in einer Zukunftswerkstatt finden, wie Moderatorin Yvonne Keller-Frank vom Gesundheitsamt und Anja Schulz, die als Studentin das Projekt für ihre Masterarbeit begleitet, informierten.

Autor:

Oliver Fiedler aus Gottmadingen

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