Wie Kindern im Hegau-Museum Lust auf's Lernen gemacht werden soll
»Steinzeit meets Kindergarten«

Feuermachen wie in der Steinzeit
  • Feuermachen wie in der Steinzeit
  • Foto: Ralph Stephan macht vor den Kindern der Kita »Hoppetosse« Feuer wie damals in der Steinzeit // swb-Bild: ak
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Singen. »Steinzeit trifft Kindergarten« - unter diesem Motto wollen Ralph Stephan und Sabine Kuhlmann im Singener Hegau-Museum archäologisches und anderes Wissen spielerisch an Kindergartenkinder vermitteln. Dadurch soll vor allem die Lust am Lernen bei den Jüngsten geweckt werden. Bis Ende des Jahres wird das Projekt vom Landesministerium für Kunst gefördert und ist dadurch für interessierte Kindergärten kostenlos.

Am Freitag, 28. Januar kamen mit der AWO Kitagruppe »Hoppetosse« acht Kinder zwischen drei und sechs Jahren zur Premiere des Projekts in das Hegau-Museum. Hier wurden die Kinder zunächst Schritt für Schritt an die Themen Archäologie und Steinzeit herangeführt. So wurde vor der Nachbildung einer Ausgrabung erklärt, woher unser Wissen über die Steinzeit eigentlich stammt. Anschließend gab es für die Kinder Steinzeit zum erleben mit allen Sinnen, zum anfassen und ausprobieren. In einem Sitzkreis wurden Felle gestreichelt, Feuersteine betastet und ausprobiert und viele Fragen gestellt, die auch einige der Kinder fleißig beantworten konnten. Es wurde gezeigt und erklärt, wie mit Teer Werkzeuge gefertigt und Speere zur Jagd eingesetzt wurden, außerdem konnten die Kinder beobachten, wie zu damaligen Zeiten Feuer gemacht wurde. Dabei folgte auf Ralph Stephans Frage »Wollen wir das mal ausprobieren?« stets ein lautes »Ja!« aus dem Kreis der Kinder. Zum Abschluss durften die Kids dann noch an Sandsteinen eigene Glücksbringer aus Knochenteilen schleifen und mit nach Hause nehmen. Auch hier wurde durch das Anschauen, sowie Fühlen und Riechen an den Knochenteilen möglichst viele Sinne miteinbezogen.

Aber warum gerade die Steinzeit als Thema? Diese Epoche steht für die Leitung des Museums für so viel mehr, als nur Geschichte. Sich damit auseinanderzusetzen ermögliche gerade Kindern ein Verständnis für ihre Umwelt und technischen Fortschritt. So erfahren sie kindgerecht aufbereitet, nachhaltig und direkt, dass und auch wie sie selbst Einfluss nehmen können. Die vielschichtige Umsetzung der Themen, diese erlebbar zu machen und das direkte Einbeziehen der Kinder und aller ihrer Sinne, vermittele den Kindern nicht nur das reine Wissen. Sie entwickeln, wie Museumsleiter Ralph Stephan es beschreibt, »eine grundsätzliche Lust am Wissen«. So könne frühzeitig eine positive Einstellung zu Bildung und Lernen entstehen. Dazu sei es wichtig, nicht nur »Vitrinenführungen« zu machen. »So etwas gibt es bei uns nicht«, so Sabine Kuhlmann, die Museumspädagogin. Sie bildet zusammen mit Ralph Stephan das Entwicklungsteam des Projekts.

Die ErzieherInnen der Kindertagesstätte »Hoppetosse« waren durch einen Zeitungsartikel auf das Projekt aufmerksam geworden und hatten dann sofort Kontakt aufgenommen. Durch die räumliche Nähe sind Besuche der Vorschulkinder im Archäologischen Museum sowieso gelegentlich geplant und die BetreuerInnen sind sehr offen für die neuen Ideen und Lernansätze der Museumsleitung. Die Kinder blieben während ihres Aufenthalts stets aufmerksam und begeisterten damit die BetreuerInnen und Veranstalter gleichermaßen. Wie die Kinder mitgemacht hätten sei »zum Niederknien« gewesen, so Ralph Stephan. Und auch die ErzieherInnen sind sich sicher: Wenn die Kids Zuhause so begeistert davon erzählen, wäre das »eine Motivation für die Familie, auch mal mit in das Museum zu gehen«, vielleicht sogar im Rahmen des angebotenen »Eltern-Kind-Museums.«

»Steinzeit trifft Kindergarten« richtet sich primär an Vorschulkinder und wird bis Ende 2022 durch Fördergelder finanziert. So haben die besuchenden Kindertagesstätten keine Kosten, die über die Anreise hinausgehen. Das Projekt soll jedoch auch über das Ende des Förderzeitraums Bestand haben. Bereits vor 13 Jahren entstand die Idee, allerdings gab es zunächst durch einen Umbau des Museums und die Corona-Pandemie nicht genug Kapazitäten zur Umsetzung. Trotzdem war es den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern des Museum stets wichtig, das dortige archäologische Wissen auch möglichst kindgerecht zu vermitteln.

Durch Corona wurden nun jedoch viele Förderprogramme angekündigt und ermöglicht. Lange war keines dabei, dass zu der Idee des Entwicklerteams gepasst habe. Erst das Programm »Junge Perspektiven« als einer von sechs Bausteinen, über die das Land Baden-Württemberg Kunst und Kultur fördern möchte, habe sehr gut zu ihren Zielen und Vorstellungen gepasst. Das Archäologische Hegau-Museum wird so mit ihrem Projekt »Steinzeit trifft Kindergarten« als eine von 35 Einrichtungen im Land gefördert. Lediglich für durchführendes Personal muss das Museum noch selbst aufkommen.

Ralph Stephan macht die Arbeit mit den Kindern eine Riesenfreude: »Das könnte ich jeden Tag machen und reicht mir bis in’s Wochenende.« Er bedauert jedoch, dass viele Museen sich leider noch nicht an Kindergärten als pädagogische Zielgruppe herantrauen würden: »Ich bin aber sehr optimistisch, dass es mehr werden, wenn wir von unseren guten Erfahrungen berichten«. So dient das Hegau-Museum als Modellprojekt für archäologische oder anderweitige Museen, denen die Grundsteine des Projekts »Steinzeit trifft Kindergarten« gerne zur Verfügung gestellt werden. So könne man sich gegenseitig über Ideen und neue Ansätze austauschen, freut sich Ralph Stephan. Und auch hier im Hegau Museum schlummern noch viele Ideen.

Doch zunächst soll das Projekt zusammen mit Singener Kindertagesstätten erprobt werden. Anschließend steht es auch Kitas über die Stadtgrenzen hinaus frei, einen archäologischen Vormittag im Hegau-Museum zu verbringen.

- Anja Kurz

Autor:

Redaktion aus Singen

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