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Mehr Blues, mehr Fett und viel weniger Vorsorge
Jugendreport: Corona-Lockdown mit dramatischen Folgen

Foto: Pressebild DAK Gesundheit
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Singen/ Stuttgart. Während der Corona-Pandemie sind Kinder in Baden-Württemberg deutlich stärker psychisch belastet. So wurden 2020 22 Prozent mehr Mädchen und Jungen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren erstmals mit einer Depression ärztlich behandelt als im Vorjahr. Anders als im Bundesschnitt erhöhten sich im Ländle auch die Neuerkrankungen in allen anderen Altersgruppen. So betrug die Steigerung in der Altersklasse der Zehn- bis 14-Jährigen 15 Prozent und in der Gruppe der Fünf- bis Neunjährigen 17 Prozent. Das ist das Ergebnis des aktuellen Kinder- und Jugendreports der DAK-Gesundheit für Baden-Württemberg.

Auch im Bereich Adipositas ist ein negativer Einfluss der Corona-Pandemie auf die Kinder- und Jugendgesundheit zu erkennen. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse sieht der DAK-Landeschef Siegfried Euerle die Notwendigkeit eines gemeinsamen und entschlossenen Handelns.

„Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dazu bedarf es auch einer ressortübergreifenden Strategie für eine Gesundheitsförderung, die bereits im Kindesalter ansetzt. Es ist daher richtig und wichtig, dass die Landesregierung im Koalitionsvertrag den Health in Policies-Ansatz verankert hat.“, so Siegfried Euerle, Leiter der Landesvertretung Baden-Württemberg der DAK-Gesundheit. „Unser Report macht in Hinblick auf die deutliche Zunahme von psychischen Erkrankungen und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen die Notwendigkeit eines gemeinsamen und entschlossenen Handelns deutlich.“

Im Rahmen des Reports untersuchten Wissenschaftler von Vandage und der Universität Bielefeld anonymisierte Abrechnungsdaten von rund 84.000 Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Baden-Württemberg versichert sind. Analysiert wurden die Jahre 2019 und 2020. Der Report basiert damit auf Daten von 4,7 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg und ist hinsichtlich der Alters- und Geschlechtsverteilung repräsentativ.

Insbesondere 15- bis 17-Jährige von Depressionen betroffen

Die Zahlen zeigen, dass die Corona-Pandemie vor allem Kinder im Alter von 15 bis 17 Jahren in Baden-Württemberg psychisch belastet. So stieg die Zahl der Kinder in dieser Altersklasse, die erstmals mit einer Depression behandelt werden mussten, um über 22 Prozent. Bei den Zehn- bis 14-Jährigen war es ein Plus von 15 Prozent, bei den Fünf- bis Neunjährigen ein Anstieg um 17 Prozent. Damit erhöhten sich im Ländle die Neuerkrankungen in allen anderen Altersgruppen. Im Bund waren bei Kindern unter 15 Jahren rückläufige Zahlen beobachtet worden. Im späten Jugendalter waren Mädchen in Baden-Württemberg nahezu zweimal so häufig aufgrund von Depressionen in ärztlicher Behandlung wie gleichaltrige Jungen. Im Bundesdurchschnitt war der Unterschied etwas stärker ausgeprägt.

Adipositas-Neuerkrankungen bei Grundschulkindern gestiegen

2020 wurden neun Prozent mehr baden-württembergische Grundschulkinder erstmals wegen einer Adipositas ärztlich behandelt. Damit liegt der Südwesten unterhalb des Bundesdurchschnitts von 16 Prozent. Mädchen und Jungen fanden dabei gleichhäufig den Weg ins Krankenhaus und in die Arztpraxen. Lediglich im Alter zwischen zehn und 14 Jahren wurden adipöse Jungen häufiger behandelt als Mädchen. In dieser Altersklasse gingen die Zahlen in Baden-Württemberg aber um fünf Prozent zurück.

Weniger Alkoholmissbrauch als im Bund

In der Corona-Pandemie kamen weniger Schulkinder in Baden-Württemberg wegen Alkoholmissbrauchs ins Krankenhaus oder die Arztpraxis. 2020 mussten 15 Prozent weniger Jugendliche ärztlich behandelt werden. Im Bundesdurchschnitt betrug der Rückgang 28 Prozent. Auch bei Cannabis (minus 20 Prozent) und gingen Tabak (minus 14 Prozent) gingen die Behandlungen im Ländle zurück. Allerdings gab es ja auch viel weniger Gelegenheit, um überhaupt in die Schule zu gehen.

Ein Drittel weniger Antibiotika-Verschreibungen

Im Pandemie-Jahr 2020 sank der Anteil der Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg, denen Antibiotika verschrieben wurde, um mehr als ein Drittel (minus 35 Prozent). Damit liegt der Südwesten annähernd auf Bundesniveau (33 Prozent). Insgesamt wurden 21 Prozent weniger Arzneimittel für baden-württembergische Kinder und Jugendliche verordnet als noch im Jahr zuvor. Im Bund waren es 20 Prozent. Ein wichtiger Faktor hierbei ist die geringere Zahl an Infektionskrankheiten. Bei diesen meist durch Kontakt übertragende Erkrankungen wurde in Baden-Württemberg 2020 ein Rückgang von 21 Prozent beobachtet.

Gefährlicher Trend: Weniger Vorsorgeuntersuchungen in Städten

Der Kinder- und Jugendreport zeigt darüber hinaus, dass Vorsorgeuntersuchungen im Ländle rückläufig sind. So gingen die durchgeführten U-Untersuchungen im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um gut ein Prozent zurück. Auf Bundesebene wurden im Jahresmittel konstante Fallzahlen beobachtet. Auffallend ist, dass die Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen 2020 in städtisch-geprägten Regionen, also Landkreisen und Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern, um fast zwei Prozent zurückging, während sie in ländlichen Gegenden um knapp drei Prozent zunahm.

„Vorsorgeuntersuchungen sind in der gesundheitlichen Entwicklung von Kindern wichtige Gradmesser“, sagt Euerle. „Es erfüllt uns mit Sorge, dass diese aktuell in unseren Städten weniger in Anspruch genommen werden.“

Autor:

Presseinfo aus Singen

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