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Die Nähe fehlt eben einfach doch

Schule zu
Daniel Badraun in seinem leeren Schulzimmer. Hier unterrichtet er normalerweise in Kleinklassen Kinder mit besonderem Bildungsbedarf. swb-Bild: Ritter

Digitaler Unterricht zur Zeit der Schulschließung in Diessenhofen

Diessenhofen. Alle Schulzimmer in der Schweiz sind bis mindestens 19. April geschlossen. Das entschied der Bundesrat. Trotzdem geht der Unterricht weiter.

Seit dem 16. März herrscht gespenstige Leere in den Schulhäusern der Region Diessenhofen. Die Volksschulgemeinde VSGDH musste kreative Lösungen entwickeln, damit der Unterricht weiter gehen kann. Sie organisiert für ihre rund 800 Schülerinnen und Schüler Fernunterricht und Fernbetreuung. Es ist kein vollwertiger Ersatz für den Präsenz-Unterricht und die Lehrplan-Ziele müssen nicht erreicht werden. Offen ist derzeit, wie in Bezug auf Schulzeugnisse und Aufnahmeprüfungen verfahren wird. In den Frühlingsferien vom 28. März bis 13. April entfällt der Fernunterricht.

Fleissige Schüler, auch zu Hause

"Die Krise ist schleichend gekommen. Anfänglich haben die Kinder noch Witze gemacht, später kam die Verunsicherung" erklärte Daniel Badraun. Er unterrichtet in Kleinklassen der Sekundarschule Kinder mit besonderem Bildungsbedarf. Bei seiner Klasse kommt der Heimunterricht gut an. Dank regem Mail-Austausch konnte Badraun feststellen, dass fleissig gearbeitet wird. Schon morgens um halb acht kamen erste Anfragen. "Die Kinder zeigen erstaunliche Selbständigkeit und Disziplin" rühmte er.

Durch die Ausnahme-Situation lernen sie auch Neues. Zusätzlich zu ihren Kenntnissen in Textbearbeitung am Computer lernen sie, eigene Fotoaufnahmen zu bearbeiten und in Dokumente einzufügen. Die Schul-Computer sind der zusätzlichen Belastung durch den Heimunterricht gewachsen. "Es ist ein Glück, dass die Schule im letzten Jahr die elektronische Datenverarbeitung aufrüstete" erklärte Badraun.

Schwer trifft es jene, die noch keine Lehrstelle haben. Es herrsche Stillstand, denn niemand wolle jetzt einen Schnupperstift, sagte er. Für die Schulleitung und Lehrpersonen bedeutet der Ausnahmezustand keine zusätzlichen Ferien. Während den normalen Unterrichtsstunden sind die Lehrerinnen und Lehrer für die Kinder immer erreichbar, sowohl per E-Mail als auch telefonisch.

Intensiv, aber positiv

Lehrpersonen vermitteln die Lektionen per E-Mail, auf dem gleichen Weg schicken die Kinder ihre Lösungen zurück. "Seit Tagen sind wir am Eintippen von Mailadressen" erklärte Franziska Benz, Leiterin der VSGDH-Administration. Familien, die kein E-Mail haben, dürfen den ausgedruckten Lernstoff in der Schule abholen. "Intensiv aber positiv" beschreibt Benz den Ausnahme-Zustand. Die Reaktionen seien bis auf wenige Ausnahmen positiv. Besonders rühmte sie den Einsatz des Elternrates, unter anderem beim Weiterleiten von Nachrichten. "Sie haben sogar Infos der Schule übersetzt und auf Albanisch verbreitet" sagte sie.

Natalie Mokalis, Schulleiterin Schlatt und Schlattingen, beschreibt, was die Corona-Krise für sie bedeutet. "Ich erlebe den Ausnahmezustand sehr nachdenklich, konzentriert und arbeitsintensiv. Wir haben geordnete Verhältnisse und keine Panik" sagte sie. Von Seiten der Eltern, der Kinder und des Elternrates erlebt sie viel Solidarität und sie konnte feststellen, dass die Lehrpersonen sehr kreativ mit der neuen Situation umgehen.

Ihr fehlen die direkten Begegnungen. Noch hängige Elterngespräche mussten abgesagt werden und als der Bund am Freitagabend die Schulschliessung bekannt gab, war es zu spät, um mit den Kindern zu reden. "Wir hatten nicht mehr die Möglichkeit, unseren Schülerinnen und Schülern Mut zu machen und zu erklären, was mit der Welt Verrücktes passiert" sagte Mokalis.

Privat sorgt sie sich um Angehörige. "Freunde verloren Elternteile und jetzt kann ich sie nur elektronisch trösten. Das ist mir zu unpersönlich" sagte sie. Mut macht ihr, wenn ältere Verwandte erzählen, wie sie vergangene Krisen damals gemeinsam anpackten und meisterten. So wie die Meisten vertraut auch Mokalis darauf, dass die angeordneten Massnahmen den erwarteten Effekt zeigen und der gewohnte Alltag wieder einkehrt.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler