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Diessenhofen, ein Mekka für die Kunst

Offene Ateliers
Im Turm des Unterhofs war das Bild "Bianca" von Michael Albisser ausgestellt. Es zeigt eine einsame Frau, die nur noch mit Puppen kommuniziert. swb-Bild: Ritter

21 Kunstschaffende bei den "Offenen Ateliers" am Samstag und Sonntag

Diessenhofen (ri). Am vergangenen Wochenende präsentierte sich Diessenhofen als Mekka für die Kunst. An zwei Tagen der offenen Ateliers zeigten 21 Kunstschaffende ihre Werke.

An acht Standorten in Diessenhofen und in einem Atelier in Gailingen (D) waren die Künstlerinnen und Künstler persönlich anzutreffen. Sie diskutierten mit den Besuchern über ihr Schaffen und bewirteten sie mit Getränken und Knabbereien. Es war ein geselliger Anlass und überall konnte man Gruppen bei gemütlichem Plausch sehen.

Im Rathauskeller zeigte Erich Milz aus Diessenhofen Skulpturen und Bilder. Er ist Initiator des jährlichen Anlasses "offene Ateliers". Im gleichen Raum konnten Werke von Monika Sommerhalder aus Feuerthalen und Rolf Neuweiler aus Büsingen (D) bewundert werden. Sommerhalder ist Kunstmalerin und Neuweiler stellt bunte Fantasie-Gebilde aus Keramik her. Im Rathaus-Saal zeigte Joachim Mierisch aus Steckborn gemalte Geschichten. Mit ihren klaren Farben sind seine Werke äusserst dekorativ. "Meine Bilder regen zu Diskussionen an. Das gibt mir Inputs für neue Interpretationen" sagte er. Im Foyer zum Rathaussaal waren nebst Bildern auch Drechslerarbeiten von Erhard Kieper aus Gailingen (D) ausgestellt. Seine Schöpfungen sind schön und praktisch. Er stellt Gewürzmühlen aus Olivenholz her, das er selbst aus Süditalien importiert und aus einheimischen Hölzern wie Nussbaum oder schneeweissem Ahorn. Kay Christinger lud in ihr Einfamilienhaus an der Höhenstrasse ein. Sie malt Tiere und Landschaften aus Südafrika. "Obwohl ich seit vielen Jahren in Diessenhofen wohne, sind meine Bilder von meiner Heimat Südafrika inspiriert" erklärt sie. Thema in der ehemaligen Tigerfinkli-Fabrik an der Steinerstrasse war der Mond. Die Ausstellung "Leonardo Lunatic" von Andrea Buck und ihrem Lebenspartner Fritz Franz Vogel zeigt Darstellungen des Mondes im Zusammenhang mit Leonardo da Vinci. Hinter einer mit Goldpapier überzogenen Wand war ein kleines Kino eingerichtet. Dort zeigte Buck, dass sie auch Videokünstlerin ist. Ihr Film mit Szenen von Mond und da Vinci war sehr lustig anzusehen. Im Foyer des Unterhofs stellte die Kunstmalerin Susanne Wanner aus. Sujets ihrer Bilder sind Altstadt-Impressionen. "Durch meinen Wohnortwechsel haben sich auch meine Bilder verändert" erklärte sie. Ganz oben im Turm des Unterhofs waren die Bilder des Kunstmalers Michael Albisser zu sehen. "In meinem Kopf entsteht eine Geschichte, dann muss ich sie malen" sagte er. Ein Paradebeispiel ist sein neuestes Werk. Es ist eine Vision, wie Diessenhofen und die Nachbargemeinde Gailingen aussehen könnten, wenn die Geschichte ganz anders verlaufen wäre. Auf seinem Bild ist Diessenhofen eine wohlhabende Altstadt, die Architektur mittelalterlich, aber aus Platznot grotesk in die Höhe gezogen. Gailingen hingegen wäre in seiner Parabel kommunistisch mit kühlen Wohntürmen. Beide Orte sind durch den ausgetrockneten Rhein getrennt. Auch seine anderen Werke regen zum Nachdenken an. Beim Bild Bianca, eine schöne Frau umgeben von Puppen, hätte ihn seine Fantasie in eine psychiatrische Klinik versetzt, wo eine einsame Frau nur noch mit Puppen kommuniziert.

Engagierte Künstlergruppe

Erich Milz gründete vor elf Jahren die freie Künstlergruppe "art Diessenhofen ". Sie organisiert seit 2011 jedes Jahr den Tag der offenen Ateliers. Heute vereinigt sie 45 Kunstschaffende aus Diessenhofen und der näheren Umgebung. Viele sind Berufskünstler, einige wirken nebenberuflich. Sie schaffen Gemälde und Grafiken sowie Skulpturen oder Gebilde aus Blumen. Mit dabei ist auch eine Geigenbauer-Familie und eine Festspielautorin. Einige Ateliers können das ganze Jahr über besucht werden, zum Beispiel das Gemeinschaftsatelier im ehemaligen Schützenhaus am südlichen Stadtrand von Diessenhofen. Siehe dazu www.art-diessenhofen.ch

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler