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Frühlingsgefühle

| Der Bunte Hund

Haben Sie es auch gemerkt? Frühlingsduft liegt in der Luft, liebe Leserinnen und Leser.

Die Bäume schlagen aus, das Gras wird grün und die Blumen blühen um die Wette. Natürlich sind mein Frauchen und ich dann am letzten Wochenende auch losgezogen, um uns am See den anderen Menschen zu zeigen. So saßen wir dann in einem Loungesessel. Mein Frauchen mit einem Aperol bewaffnet und ich, meinen Job als Schoßhund sehr ernst nehmend, in Beobachtungsposition auf ihren Knien. Was ich da so alles zu sehen bekam …

Genau wie bei uns Vierbeinern und den piependen Zweibeinern sind die Frühlingsgefühle in vollem Ausmaß zu beobachten. Da wird geflirtet und gebalzt was das Zeug hält. Der Winterspeck wird unter fröhlichen Klamotten zu farbigen Frühlingsrollen deklariert. Manch ein Weibchen versucht mit farbenfroher Kriegsbemalung die Aufmerksamkeit attraktiver Männchen auf sich zu lenken. Und manch ein Männchen hatte sich wohl durch ein Bad im feinen Duftwässerchen eine Verjüngung erhofft. Ich kam aus dem Staunen kaum heraus über die Flirt- und Annährungsversuche der Zweibeiner.

Wobei er doch inzwischen schwierig ist, so ein Frühlingsflirt. Also bei den Vierbeinern läuft alles noch wie es die Evolution in Jahrmillionen entwickelt hat. Aber bei den Menschen wird das immer komplizierter. Manchmal erkennt nur eine gute Hundenase, wer sich eigentlich hinter der perfekten Maskerade versteckt. Wird ein Flirt offensichtlicher, muss Männchen oder Weibchen höllisch aufpassen, dass Gesten oder Aussagen nicht gleich falsch verstanden werden. Zweideutige Komplimente können die Arbeit eines ganzen Nachmittags kaputt machen. Ein vorschnelles Lospreschen, was den Körperkontakt angeht, kann ganz schön ins Gegenteil ausschlagen. #Metoo hat hier einige Schneisen geschlagen im unbefangenen Flirtmechanismus der Zweibeiner. Wobei, mit Charme und dem entsprechenden Feingefühl dürfte doch da nichts schiefgehen. Es ging bei #Metoo um abwertende Gesten. Da bräuchte sich ein willentlich Flirtender oder eine willentlich Flirtende eigentlich keine Sorgen machen. Doch sie ist da, die Unsicherheit, die viele über Internetplattformen zuerst einmal umgehen möchten. Um den Abstand zu wahren, erst einmal abchecken, wer einem gegenübersitzt. Wobei, kann man einem virtuellen Zweibeiner wirklich trauen? Zeigt man im anonymen WWW nicht instinktiv nur seine Vorzüge oder gibt nur die positiven Eigenschaften an? Oder schlimmer noch, gibt sich als jemand aus, der man gerne wäre – und gar nicht ist. Überhaupt ist es sehr schwer in einen Menschen zu schauen, welchen man doch nur »online« kennenlernt – oder nicht? Beschnüffeln und in die Augen schauen gehört doch zu einem Kennenlernen dazu. Umgangsformen und das Miteinander zeigen einem doch bereits beim ersten Zusammentreffen, ob der andere für einen interessant ist oder nicht. Traut euch einfach wieder etwas mehr Eigenständigkeit in der Beurteilung von anderen Zweibeinern zu und verlasst euch beim Frühlingsflirt nicht auf das Ergebnis von Algorithmen oder gefakten Profilen.

Geht in die Sonne und genießt den Frühling in vollen Zügen. Eure Priscilla.

Wochenblatt Redakteur @: Der Bunte Hund

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