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Für den Nächsten da sein

| Graziella Verchio | Lifestyle
Lebenshilfe Singen
Auch die Lebenshilfe Singen sucht weiter nach ehrenamtlichen Engagierten. Im Bild die Ehrenamtlichen Sieglinde und Manuela mit Cane und Amadeus (v.l.). swb-Bild: ver

Soziales Engagement

Landkreis. Gerade in Zeiten wie diesen stellen wir fest, wie wichtig soziale Kontakte sind. Vor allem aber wissen wir nun Pflegeberufe und ehrenamtliches Engagement mehr zu schätzen. Ob ErzieherInnen, Pflegefachkräfte, Ärzte oder Pädagogen - sie alle durften in den letzten Wochen und Monate viel Solidarität erfahren. Die Corona-Krise hat dem Pflegeberuf gut getan. Es gab viel Anerkennung für einen Beruf, der zu Unrecht lange nur schlecht geredet wurde.

Das plötzliche Rampenlicht hat dem Berufsbild Pflege zu neuem Glanz verholfen. Viele Menschen haben erkannt, wie anspruchsvoll, aber auch wie erfüllend dieser Beruf sein kann. Jedoch wurde in dieser Zeit auch deutlich, dass es einige Defizite im System gibt. So herrscht weiterhin ein Fachkräftemangel und auch im Ehrenamt fehlen engagierte BürgerInnen.

Alle Wege stehen hier offen

Nicht zuletzt hat die Krise gezeigt: In der Gesundheitsbranche ist der Arbeitsplatz sicher. Statt Kurzarbeit oder Jobverlust stehen in der Pflege alle Wege offen – für eine persönliche Weiterentwicklung, der beruflichen Karriere und für individuelle Arbeitszeitmodelle.

Das WOCHENBLATT hat Mitarbeitende des Klinikums Singen gefragt, warum für sie der Pflegeberuf der richtige ist und was sie an ihrer Arbeit lieben.

Domenico Catalluddo, 25 Jahre, kam 2018 aus Italien nach Singen und arbeitet auf der Intensivstation: »Ich liebe meine Arbeit auf der Intensivstation, weil die Arbeit sehr dynamisch und interessant ist. Das Arbeitsklima ist sehr freundlich und ruhig, obwohl wir manchmal Notfälle behandeln müssen. Das Verhältnis zu den Kollegen ist super und die Zusammenarbeit mit den Ärzten ist auch sehr eng. Jeden Tag gibt es immer etwas dazu zu lernen, damit wir das Beste für unsere Patienten geben können.«

Helga Zier, 47 Jahre, zwei Kinder, arbeitet in Teilzeit auf der Station S14/S15: »Ich habe vor einigen Jahren die Fachweiterbildung Intensiv/Anästhesie im Klinikum Singen gemacht. Ein Vorteil meines Jobs ist, dass ich nach einigen Jahren Erziehungspause wieder in den Beruf einsteigen konnte, denn es gibt viele Teilzeitmöglichkeiten um Beruf und Familie zu vereinbaren. An meinem Beruf liebe ich, dass kein Tag wie der andere ist, es gibt viel Abwechslung.«

Ernevad Hero, 43 Jahre, gebürtig aus Bosnien, arbeitet auf der Unfall- und Neurochirurgischen Station als stellvertretender Stationsleiter: »Meine Ausbildung zum Krankenpfleger habe ich 1994 bis 97 im Klinikum Brandenburg absolviert. Nach einigen Jahren in anderer Tätigkeit in meinem Herkunftsland habe ich mich für den Wiedereinstieg in den Pflegeberuf in Deutschland entschieden. Seit 2018 arbeite ich im Hegau-Bodensee-Klinikum Singen auf der S16/17. Einer der Vorteile meiner Beschäftigung im Klinikum sind die vielen Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung, die unser Haus anbietet. Ich habe mich für die Weiterbildung zur pflegerischen Leitung entschieden, diese findet im Herbst 2020 statt und wird vom Arbeitgeber gefördert.«

Sarah Gutt, 17 Jahre, im 1. Ausbildungsjahr Pflegefachfrau an der Krankenpflegeschule Singen: »Ich habe mich für diesen Beruf entschieden, da ich selber lange in medizinischer Behandlung war. Mir ist in diesen vielen Jahren bewusst geworden, dass ich genau so helfen möchte, wie mir geholfen worden ist. In meiner Schulzeit habe ich verschiedene Praktika absolviert - Zahnarzt, Kindergarten, Tagesstätte und Krankenhaus. Diese Praktikas haben mich darin bestärkt, das Pflegefachfrau für mich das Richtige ist. Ich bereue es nicht diesen Weg genommen zu haben, denn ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit.«

Nadja Ecker, 27 Jahre, Fachkraft für pädiatrische Intensivpflege auf der S24: »An meinem Beruf liebe ich besonders das breite Spektrum der Tätigkeit – kein Tag ist wie der andere und stets warten neue Herausforderungen, die mich in meiner beruflichen Laufbahn weiter bringen. Es ist ein Job mit Verantwortung. Bei mir geht es dabei um ganz kleine Menschenleben. Besonders gefällt mir an meinem Beruf auf der Neonatologie, dass es nicht nur um die Pflege der Frühchen geht, sondern auch um die Einbeziehung der Eltern. Dadurch wird mir als Pflegekraft sehr viel zurückgeben. Die Eltern schenken uns großes Vertrauen und es ist schön zu sehen, wie sich die Frühchen Tag für Tag entwickeln, bis sie letztendlich mit ihren Eltern, nach einem meist langen Aufenthalt, nach Hause können.

Weiterhin schätze ich an meinem Beruf die Arbeit im Team. Es ist immer jemand da, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht. Für mich gehören die unterschiedlichen Arbeitszeiten zu den Vorteilen meines Berufs. Dadurch habe ich die Möglichkeit, auch mal die freien Vormittage zu genießen, wenn ich Spätdienst habe. Ich arbeite gerne fünf bis sechs Nächte am Stück, um anschließend mehrere Tage frei zu bekommen. Dadurch bietet sich die Möglichkeit zu einem verlängerten Wochenende an, wo man auch mal für ein paar Tage weg fahren kann.«

Kein Tag ist wie der andere

Pflegefachkräfte sind die ersten Ansprechpartner für die Patienten und versorgen die Hilfebedürftigen. Sie vermitteln zwischen Patient und Arzt und erledigen wichtige Verwaltungsaufgaben. Zum 1. Januar dieses Jahres hat die Bundesregierung die Ausbildung der Pflegeberufe neu geregelt.

Die generalistische Pflegeausbildung fasst bisher getrennte Pflegeausbildungen zu einer gemeinsamen Ausbildung zusammen. »Ziel dieser Reform ist es, den Nachwuchskräften ein umfassendes Verständnis für die Pfelgearbeit zu vermitteln«, so Jürgen Holland, Geschäftsführer der Sozialstation Oberer Hegau in Engen, im Gespräch mit dem WOCHENBLATT. Unabhängig von der Vertiefungswahl stehen den Absolventen der generalistisch angelegten Ausbildung alle Pflegebereiche offen. In der Ausbildung werden die angehenden Pflegefachfrauen und -männer innerhalb von drei Jahren in Theorie und Praxis auf die Pflege von Menschen unterschiedlichsten Alters und mit verschiedensten Pflegebedarfen vorbereitet. »Vorteile sind unter anderem krisensichere Jobperspektiven und eine europaweite Anerkennung der Ausbildung«, so Holland weiter. Die Sozialstation Oberer Hegau bietet zwei Ausbildungsplätze an.

Dr. Bettina Schiffer, Leiterin der Akademie für Gesundheitsberufe ergänzt: »Besonders reizvoll ist, dass die vielfältigen Arbeitsbereiche den Absolventen ihr gesamtes Berufsleben über offen stehen. Sie sind nicht auf einen Arbeitsbereich festgelegt, sondern können ihren Tätigkeitsschwerpunkt zu jedem Zeitpunkt in ihrem Berufsleben passend zur jeweiligen Lebenssituation verändern. Denn die neue Ausbildung erlaubt ihnen in dem Pflegebereich tätig zu sein, der zu diesem Zeitraum in ihrer Berufsausübung am besten ihren Vorstellungen und Erwartungen entspricht. Dies steigert die Attraktivität des Berufs mit seinen bereits vorhandenen vielseitigen und anspruchsvollen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie den interessanten Studienangeboten weiter.«

Die Lebenshilfe Singen ist für viele Menschen mit Beeinträchtigungen eine zentrale Anlaufstelle. Hier finden zahlreiche Freizeit und Betreuungsangebote statt, sodass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Allerdings mangelt es auch hier an Freiwilligen, die den Angestellten unter die Arme greifen, wie Geschäftsführerin Simone Monné und Jenny Brecht, Leitung Offene Hilfen, im Gespräch mit dem WOCHENBLATT erläutern. »Die Lebensqualität unserer Mitmenschen mit Beeinträchtigungen und ihrer Angehörigen soll durch unsere offenen Hilfen verbessert werden«, so Brecht. »Unsere Teilnehmer sollen am Leben in der Gesellschaft teilhaben können und die Angehörigen dadurch Entlastung finden«, sagt Monné.

Dafür braucht es jedoch auch genügend Ehrenamtliche, die unterstützend Freizeitangebote betreuen. »Heutzutage wird es zunehmend schwieriger, neue Ehrenamtliche zu gewinnen«, weiß Monné. Die Gründe dafür sind vielfältig, etwa Zeitmangel. Dabei kann ein Ehrenamt auch erfüllend sein. »Bei uns können sich Ehrenamtliche gut einbringen und sind teil des Teams, sie nehmen an Schulungen teil, erhalten eine fachliche Anleitung sowie eine Aufwandsentschädigung.«

Tätigkeitsfelder sind die Einzel- sowie Gruppenbetreuung und der Fahrdienst. Es wird gekocht, getanzt, gebastelt und vieles mehr. »Jeder, der Lust hat, kann sich anmelden und bei uns reinschnuppern, ob es was für ihn ist«, so Brecht. Die beiden Ehrenamtlichen Sieglinde und Manuela sind froh, Teil des Teams zu sein: »Wir wollten eine sinnvolle Arbeit machen. Dieses Ehrenamt macht Spaß und die Menschen, die wir hier treffen bereichern unser Leben. Es ist ein Geben und Nehmen.«

Wochenblatt @: Graziella Verchio

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