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Geduld

| Der Bunte Hund

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

der Frühling pausiert, die Eisheiligen haben die Temperaturen nochmal fallen lassen. Der Natur gefällt das. Haben sich doch manche Bäume und Sträucher noch nicht richtig vom letzten heißen Sommer erholt. Die Zweibeiner stecken aber inzwischen voller Ungeduld. Wo bleiben die warmen Tage? Wann können wir ins Freibad? Geduld ist eine seltene Eigenschaft bei den Zweibeinern geworden. Warum können denn die Menschen manche Dinge nicht einfach einmal so annehmen wie sie sind? Liegt das daran, dass man in der jetzigen Zeit in den meisten Fällen sofort das bekommen kann, was man haben möchte?

Manch ein Möbelhaus wirbt damit, dass man sich die ausgesuchten Möbel sofort mitnehmen kann. Beim Einkauf in der Stadt muss das begehrte Kleidungsstück, ohne dass man unmöglich nach Hause gehen kann, verfügbar sein. Dabei wird es höchstwahrscheinlich nach einmaligem Tragen in den Tiefen des dunklen Kleiderschrankes verschwinden. Kein Sonnenlicht mehr aufs Textil bekommen. Warten bis es aussortiert oder von einer Motte als Leckerbissen auserkoren wurde, liegen diese »muss-ich-unbedingt-gleich-haben« Teile beieinander. Bei Fernsehern, neuen Mobilfunkgeräten oder anderen Dingen ist es ähnlich. Warten? Es ist inzwischen üblich, dass der Kunde sofort beliefert wird, dass er erhält was er haben möchte. Glaubt man den älteren Zweibeinern, dann hat man sich früher seine Wünsche erst erfüllt, wenn man das Geld in seinem »Sparstrumpf« zusammen hatte. Heute machen Kleinkredite die Erfüllung eines Wunsches sofort möglich. Allerdings kann das Gerät dann auch schon wieder kaputt sein, bevor es abbezahlt wurde und der Zweibeiner schaut auf den negativen Kontostand, ohne noch nachvollziehen zu können, was er da eigent-lich alles abbezahlt.

Im Straßenverkehr kommt die Hupe immer öfter zum Einsatz. Riskante Überholmanöver mit schimpfenden Menschen am Steuer. Beim Einkaufen werde ich zum Glück immer vor dem Geschäft geparkt und kann dort entspannt warten, während im Geschäft ein Spurt, ohne Rücksicht auf Verluste, um den ersten Platz an der gerade geöffneten Kasse losgeht.Ich habe sie auch bei jungen Müttern beobachtet, die wachsende Ungeduld. Die kleinen Zweibeiner bekommen leider viel zu oft gar keine Möglichkeit mehr, sich richtig auszutoben und müde zu werden. Statt hinter der Mutter herzulaufen ist am Kinderwagen, in dem vielleicht das kleine Baby liegt, ein Trittbrett angeschraubt, auf dem das große Geschwisterchen bequem mitsurft und der Mutter ein zügiges Vorankommen sichert. Unsere kleinen Zweibeiner gehen gerne mit auf lange Spaziergänge und Wanderungen. Andere Mütter erklären meinem Frauchen oft, dass ihre Kinder überhaupt nicht gerne wandern. Wo das wohl herkommt? Könnte das nicht daran liegen, dass man bei kleinen Zweibeinern keine Geduld hatte und man sich nicht an die kleinen Schritte anpassen wollte? Dabei ist es doch wichtig, dass sich gerade auch Kinder viel bewegen. Ja, und da braucht man dann einfach auch Geduld. Ist man wegen eingesparter 5 Minuten wirklich schneller? Oder wegen eines materiellen Gegenstandes, den man sich sofort kaufen kann und nicht drauf warten muss, glücklicher?

Die Zweibeiner sollten alles etwas relaxter nehmen, um sich das eigene Leben etwas zu erleichtern. Etwas Gas rausnehmen, nicht nur beim Autofahren. Die kalten Tage sind bald vorbei und ich bin mir sicher, der Frühling hält noch jede Menge warmer Tage bereit. Und Vorfreude ist doch die größte Freude, oder?

Atmen Sie einmal tief durch, wie es die Bäume gerade tun.

Ihr Pünktchen.

Wochenblatt Redakteur @: Der Bunte Hund

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