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Geisterfahrt im Regiobus

| Der Bunte Hund

Hallo liebe Leserinnen und Leser.

Gehören Sie auch zu denjenigen, die am 1. Arbeits- bzw. Schultag mit kalten Füßen an der Bushaltestelle standen und vergeblich auf ihren Bus warteten? Auf meiner Morgenrunde musste ich an den frierenden großen und kleinen Zweibeinern vorbei. Manch einer versuchte mit seinem Handy den Grund für die lange Wartezeit herauszubekommen, bekam aber aus diesem sonst allwissenden Elektronikgerät auch keine Antwort. Glücklich schätzten sich schließlich diejenigen, welche nach langer Wartezeit endlich einem Bus zusteigen konnten. Doch auch hier gab es die ein oder andere Überraschung. Denn die meisten Busfahrer hatten keine Ahnung wo sie entlangfahren mussten oder wo sich die Haltestellen befanden. Busse geisterten durch Straßen, in denen sie bis dahin noch nie unterwegs waren. Gut halfen die einen Fahrgäste tatkräftig beim Finden der richtigen Busstrecke weiter. Andere Fahrgäste schrien sich die Frustration und den Ärger gleich im Beförderungsmittel von der Seele. Einmal abgesehen davon, dass manch ein Fahrgastbeförderer seine Insassen aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse nicht verstand, der Busfahrer ist der letzte der Schuld an dieser Misere hatte.
Die Ursache liegt wieder einmal in der Wirtschaftlichkeit und Rentabilität. Bei euch Menschen spielen diese beiden Wörter immer eine sehr große Rolle. Das Sparkonzept der Firma Regiobus, ein Tochterunternehmen eurer »Deutschen Bahn«, forderte vor 2 Jahren eine Einsparung von vielen Fahrkilometern sowie den Wegfall verschiedener Buslinien. Als unrentabel wurden viele Regionen eingestuft. Daher zeigte der bisherige Betreiber bei der Ausschreibung verschiedener Zonen kein Interesse mehr. Neue Unternehmen mussten als Streckenbetreiber gefunden werden. Die Investitionen für Busse, deren Ausstattung und das Personal, für diese neuen Streckenbetreiber war dann ein großer Schritt.
Dazu dann noch das Ziel des Landkreises. Dass Streckennetz soll weiter ausgebaut und verbessert werden. Schade, dass Buslinien bei denen nur 4–6 Fahrgäste im Beförderungsmittel sitzen, bei diesem Optimierungsschritt zuerst einmal entfallen. Auch Früh- und Spätdienstler leiden unter der Umstellung. Jahrelange Buspendler müssen aufgrund der Streichungen wieder aufs Auto umsteigen. Wo bleibt da der Sinn öffentlicher Nahverkehrsmittel? Wie erklärt man den Zweibeinern denn glaubhaft, dass sie auf Bus und Bahn umsteigen sollen, wenn man durch die neue Streckenführung für die Fahrt zum Arbeitsplatz die 3fache Zeit benötigt? Unmöglich die Anpassung, durch die Erstklässler, aufgrund einer weggestrichenen Haltestelle, eine vielbefahrene Bundesstraße im Berufsverkehr ohne Zebrastreifen oder Fußgängerampel, überqueren müssen. Bei der Begründung, dass der höhere Zeitaufwand ein Anfahren der Haltestellen an Schulen nicht mehr rechtfertigt, muss ich besonders laut bellen. Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit geistern die Kinder in großen Gruppen an den vielbefahrenen Durchgangsstraßen durch die Ortschaften, um pünktlich zur Schule zu kommen.
Optimieren des Streckennetzes hin oder her – momentan sehe ich, dass wieder einmal die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt. Denn wenn Rentabilität und Wirtschaftlichkeit wichtiger sind wie der Nutzen für die Bevölkerung und die Fahrgäste der Buslinien, dann werden sich wohl in Zukunft wieder mehr Zweibeiner überlegen auf das eigene Auto umzusteigen oder ihre Kinder selbst zur Schule fahren.

Ihr Dr. Einstein.

Wochenblatt Redakteur @: Der Bunte Hund

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