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Man muss die Feste feiern wie sie fallen

| Der Bunte Hund

Hallo liebe Leserinnen und Leser.

Mein Herrchen hatte am Wochenende einen Katzenjammer, also einen Kater. So hat es mein Frauchen den kleinen Zweibeinern erklärt. Meinem Herrchen ging es Sonntagmorgen gar nicht gut und er musste im Bett bleiben. Witzig verkleidet hatten sich meine großen Zweibeiner Samstagabend auf den Weg zu einem Narrentreffen gemacht, nachdem ein Babysitter gefunden worden war. Wenn ich den Erzählungen der beiden so zuhöre, dann war früher, als die beiden noch ein paar Jahre jünger waren, fast an jedem Wochenende eine Party angesagt. Ein Treffen mit Freunden, gemeinsame Unternehmungen und Tanzen gehen. Mit dem Alter werden die Zweibeiner dann wohl ruhiger und lustloser was solche Unternehmungen angeht oder vielleicht bequemer und vernünftiger? Die einen fürchten den höchstwahrscheinlichen Kater am nächsten Tag. Die anderen finden Aufstylen zu anstrengend und manche verstecken sich hinter der Ausrede keinen Babysitter zu finden.

Dabei ist es unheimlich wichtig, dass die Zweibeiner sich auch einmal gepflegte Auszeiten aus dem Alltag gönnen, in denen sie feiern, Spaß haben und sich mit Freunden treffen. Es muss doch spannend sein, wenn man nicht weiß wie der Abend endet und was man vielleicht erlebt. Die kleinen Abenteuer machen das Leben doch erst lebenswert. In einer nüchternen und gesundheitsfixierten Gesellschaft, in der sich die meisten Zweibeiner mit Geld alle Wünsche erfüllen können, sind es die unwiederbringlichen Erlebnisse, die am Wertvollsten sind. Diese werden im Laufe der Zeit zu einem großen Erfahrungsschatz, von dem man den kleinen Zweibeinern dann irgendwann einmal berichten kann. Wie oft fangen Gespräche mit uns besuchenden Zweibeinern mit den Worten »Weißt Du noch als wir ...« oder »war das nicht da, als Du …« an. Nicht nur das bewusste Erleben einer solchen Partynacht schüttet Unmengen von Glückshormonen aus, auch die Erinnerungen daran wecken positive Gedanken und Gefühle. Und wenn am nächsten Tag der Katzenjammer auskuriert werden muss, dann ist das einfach einmal so und kommt schließlich nicht jedes Wochenende vor.

Die »Ich schone mich lieber« -Rechnung geht auch von Seiten der Stressforschung nicht auf. Durch Partynächte erleben Zweibeiner eine andere Art von Stress und lernen dort mit anspruchsvollen und aufregenden Situationen umzugehen. Es kommt nicht darauf an alles zu vermeiden, was anstrengend, ungesund oder verrückt ist, sondern darauf, ein gutes Gleichgewicht zu erreichen. Die großen Zweibeiner haben es mitunter verlernt, Erlebnisse zu genießen und Spaß zu haben. Schuld ist auch hier mal wieder das Smartphone. Es geht vielen nur noch darum, das Erlebte ansprechend in den Sozialen Medien zu veröffentlichen. Dadurch bleiben der Spaß und der Genuss auf der Strecke, weil die Konzentration nur noch auf den perfekten Moment, den es zu posten gilt, gelegt wird. Das führt irgendwann zu Dauerstress, der wiederum mehr Erholungsphasen bräuchte, um abgebaut zu werden. Gelegentliche Partys trainieren also die Flexibilität im positiven Stressbereich. Ist doch eine schöne und angenehme Art zu trainieren, wie ich finde und man sollte sich den Spruch »Carpe diem« nicht nur irgendwo an die Wohnzimmerwand malen, sondern vielleicht auch ein Stück weit verinnerlichen und danach leben.

Genießen sie die närrische Zeit in vollen Zügen. Zum Fas-ten und ausruhen haben Sie irgendwann genug Zeit.


Ihr Pünktchen.

Wochenblatt @: Der Bunte Hund

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