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Nice?

| Der Bunte Hund

Osterferien, liebe Leserinnen und Leser!

Meine kleinen Zweibeiner kamen am Freitag voller Freude nach Hause. Der eine ein Osternest in der Hand, der andere »Mama, ich habe alle meine Hausaufgaben schon fertig! Ist das nicht nice? Jetzt kann ich die ganzen Ferien chillen.«Nice? In meiner Begrüßungszeremonie mit viel Hochspringen und Schwanzwedeln war ich irritiert über das neue Wort. War das ein neuer Befehl für mich? Frauchen hat gemerkt, dass ich mir unsicher war, hat mich am Ohr gekrault und erklärt, dass es »nett« bedeutet. NETT? Was ist denn nett? Dachte immer unser Nachbar wäre nett. Oder die Frau aus der Hundeschule. Aber dass jetzt auch Osterferien und Zeit zum Nichtstun »nett« sind. War für mich neu. Überhaupt, wenn ich darüber nachdenke, mein kleiner Zweibeiner findet in letzter Zeit vieles »nice«. Ein Modewort also. Wobei meine großen Zweibeiner sich inzwischen schon öfter fragen, ob es wirklich »nett« ist, im hier und jetzt zu leben. Die Menschen machen überall nur Quatsch. Nett ist was anderes. Sie sind weder nett in der Art und Weise wie mit der Natur umgegangen wird. Noch ist es »nice«, was sich im Sozialsystem und Gesundheitswesen tut. Auch ein Bildungswesen ist nicht nice, wenn man sich anschaut, was mit den Schülern oder Lehrern veranstaltet wird. Das Zusammenleben der Zweibeiner ist an vielen Orten überhaupt gar nicht »nice«.Es fängt auf den Schulhöfen an. Die kleinen Zweibeiner spiegeln das Verhalten der Großen. Eine Ellenbogengesellschaft, die kaum bereit ist für andere zurückzustecken, scheint sich zu entwickeln. Von üblichen Rangeleien, weicht das schon lange ab. Am Boden Liegende werden getreten, Schutzgelderpressungen und Bandenbildung zählen auch hier im ländlichen Raum inzwischen zum Alltag. Wo soll das denn noch hinführen? Man kann nur hoffen, dass es wie in den meisten Filmen ein Happy End gibt.Der Glaube an ein friedliches und normales Leben in Wohlstand ist für viele das, was sie sich als Lebensziel erhoffen. Der Glaube an das Gute im Menschen gibt Zweibeinern in vielen Regionen der Welt Hoffnung. Extremismus ist für die meisten von uns weit weg, oder nur aus den Nachrichten bekannt. Daher schocken und verärgern Meldungen einer verschmierten Hausfassade, der Versammlung manch einer politischen Partei und die Verbreitung eines Videos mit Szenen, welche bisher nur aus fernen Kriegsgebieten für die Zweibeiner bekannt waren und sich nun an Orten direkt vor der Haustüre abspielen. Dass es sich beim Abfeuern von Schüssen nicht mehr um die Jagdwaffe eines Jägers handeln könnte oder der etwas »andere« Zweibeiner aus der Nachbarschaft nicht mehr ohne Angst abends auf die Straße gehen kann, löst bei vielen das Gefühl von Angst, Unverständnis und Wut aus.Weder die einen noch die anderen befinden sich im Recht, das friedliche und gute Zusammenleben vieler einzelner aufzumischen, Missgunst und Zwietracht zu sähen. Dass an den Spielregeln dringend etwas geändert werden muss, wenn immer mehr Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und mit immer extremeren Meinungen auf engem Raum zusammenleben, ist denke ich mehr wie deutlich. Es wäre an der Zeit zu handeln, sonst muss man sich über gewisse Entwicklungen und die Tatsache, dass am Schluss überhaupt nichts mehr »nice« ist, nicht mehr wundern. Ihr Schnauze.

Wochenblatt Redakteur @: Der Bunte Hund

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