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Projekttage

| Der Bunte Hund

Die Sommerferien rücken immer näher, liebe Leserinnen und Leser.

Während sich andere Bundesländer zum Urlaub ins Wochenblattland aufmachen, müssen unsere kleinen Zweibeiner hier noch die Schulbank drücken und der Zeugnisausgabe entgegensehen. An vielen Zweibeinerschulen stehen jetzt Projekttage auf dem Programm. Kinder dürfen intensiv in von ihnen gewählte Fachbereiche und Gebiete abtauchen. Erkunden warum etwas wie funktioniert oder woher »etwas« kommt. Spannend und aufregend, die Kinder mit großer Erwartung und Neugier auf diese Tage. Werkeln, ausprobieren, basteln und erkunden und manche Kinder kommen, für sie an sich unüblich, mit der Natur in Berührung. Aufregend. Wenn man sich dann in der Gruppe in einen Stadtgarten oder angrenzenden Wald aufmacht um gefährliche Tiere zu suchen und zu beobachten. Da wird der Regenwurm in den Erzählungen zu Hause zur würgenden Anakonda, der Flußkrebs zum Riesenkrebs und die Spinne im Netz zum mörderischen Geschöpf, welches gleich 2 Mitschüler verschlingen wollte. Andere kleine Zweibeiner, welche sich vielleicht zum ersten Mal in einen Bachlauf begeben dürfen, werden von den Mama‘s in Gummiartige Felle gezwängt und dürfen, im Gewächshausklima der Matschhosen »rundumgeschützt« vor Nässe und Verschmutzung, die geheime Welt der Wassertiere erkunden. Wenn denn noch Leben drin ist im Bach. Und die Bewohner nicht durch irgendwelche Umstände eliminiert wurden. Ja der Bezug zur Natur.

Während die einen pädagogisch gegen die Naturferne Erziehung anzukämpfen versuchen, reicht manch einem Erziehungsberechtigten seinem Nachwuchs die Natur anhand von Biolebensmitteln näher zu bringen. Dass ein Absuchen nach Zecken an solchen Tagen völlig normal ist und seit Jahrzehnten zu einer Selbstverständlichkeit nach dem Spaziergang oder dem toben in der freien Natur gehört, hat wohl mancher aus seinen eigenen Kindertagen vergessen. Das auf finden eines solchen Krabbeltieres auf der kindlichen Haut des eigenen Nachwuchses lässt manchen erwachsenen Zweibeiner zu einem unfreundlichen und ungemütlichen Zeitgenossen werden. Sowohl in der Notaufnahme eines Krankenhauses als auch gegenüber dem bemühten Lehrerkollegium zeigt hier der/die ein oder andere das wahre Gesicht. Ja sollen die Kinder denn die Natur nur im Klassenzimmer erkunden? Mit allen elektronischen Varianzen und Möglichkeiten?

Ich denke, dass solche Probleme durch ein zupflastern, betonieren und Erschließen von neuen Gewerbe- und Industriegebieten, mit Konsum- und Freizeitflächen, dann irgendwann sowieso der Vergangenheit angehören. Natur ja, aber ohne gekrabbel oder Gefahr durch lästiges Insekt oder Spinnengetier. Lasst doch eure Kinder mal Kinder sein. Sich dreckig, nass und schmuddelig machen. Ja, vielleicht hat mal eines einen Sonnenbrand oder eine Zecke – welche im ersten Moment Angst einflößt aber bei frühzeitiger Entdeckung auch keinen Schaden anrichten kann. Über die Gefahren im Urlaubsland der sommerlichen Fernreise informieren sich viele und passen sich an. Ein Zusammentreffen der unliebsamen Art wird in diesen Fällen dann als Unfall akzeptiert. Warum reagiert man im heimischen Gefilde in so einer Situation dann dermaßen überdreht? Immer ruhig bleiben, im Angesicht der drohenden Gefahr aus der Wildnis.

Ihr Dr. Einstein.

Wochenblatt Redakteur @: Der Bunte Hund

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