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Soziale Berufe: vielseitiges Spektrum an Möglichkeiten

Soziale Berufe
Die Freiwilligen, die im Rettungsdienst bzw. Krankentransport arbeiten, sind gern im Einsatz. swb-Bild: DRK Landesverband

Pflege, Betreuung und Freiwilligendienste

Der soziale Berufszweig war und ist seit jeher eine essentielle Säule in der deutschen Berufslandschaft. Viele Menschen entscheiden sich für einen sozialen Werdegang - dabei bietet diese Sparte vielfältige Möglichkeiten, nicht nur im pflegerischen Bereich.

Der Gesundheitsverbund bietet etwa in der Stadt Singen zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für FSJler, die weit über den Tellerrand des medizinischen reichen. Der qualifizierte Krankentransport ist sicher ein wichtiger Bereich. Die FSJler absolvieren vorab eine Ausbildung zum Rettungshelfer. Grundlegende Aufgaben sind die Versorgung und Betreuung von Nicht-Notfallpatienten vor dem Transport, Aufrüsten und Check der Einsatzfahrzeuge anhand von Checklisten, Durchführung der Hygienemaßnahmen, Reinigung und Pflege der zugeteilten Einsatzfahrzeuge sowie der Räume der jeweiligen Rettungswache und die Einsatzdokumentation, also das Erstellen der EDV-Fahrtberichte und Eingabe der Daten in die EDV, berichtet Martin Zinsmaier, Bildungsreferent Freiwilligendienste.

Die Freiwilligen können aber auch in Tageseinrichtungen für Kinder, Schulen sowie Jugendhäuser eingesetzt werden. So ist der Einsatz in Kindertagesstätten abwechslungsreich und vielseitig. Zu den Aufgaben gehören unter anderem das Gestalten von Spielangebote, Vorlesen, Hilfe beim Mittagessen, pflegerische Tätigkeiten und die Unterstützung der pädagogischen Fachkräfte im Gruppenalltag.

Im schulischen Bereich findet der Einsatz in der Ganztagesbetreuung zur Unterstützung der Lehrkräfte, der Schulsozialarbeiterin und der sonstigen Betreuungskräfte statt, etwa durch die Mitarbeit bei Angeboten im musisch-kulturellen, sportlichen oder erlebnispädagogischen Bereich oder bei der Hausaufgabenbetreuung. Außerdem zählen die Unterstützung bei der Aufsicht, im Unterricht, bei Projekten und die Begleitung bei Ausflügen zu weiteren Aufgaben der Einsatzkräfte.

Wer sich mehr für kulturelle Angebote interessiert, wird im Singener Hegau-Museum sowie im Kunst-Museum Singen fündig. Hier sind wesentliche Aufgaben die Betreuung von Kindergärten, Schulen und Familien in der Museumspädagogik, die Pflege der Museumssammlung, Projekt- und Archivarbeiten. Voraussetzung ist das Interesse an Geschichte und Pädagogik bzw. Führungen mit Kindern. Der Gesundheitsverbund arbeitet auch mit dem Theater »Die Färbe« zusammen. »Wir legen Wert auf technisches und handwerkliches Interesse, da FSJler bei uns beim Bühnenbau, der Requisitenbeschaffung sowie mit der Technik, also Licht und Ton, involviert sind«, erzählt Cornelia Hentschel von der Färbe im Gespräch mit dem WOCHENBLATT.

Es tut sich aber auch was in der Pflege. Gesundheitsminister Jens Span reist etwa in den Kosovo und nach Mexiko, um Fachkräfte für unsere Krankenhäuser und Altenpflegeheime anzuwerben, ab 2020 wird die Pflegeausbildung in Deutschland auf neue Beine gestellt. Der Beruf soll attraktiver werden: bessere Bezahlung, familienfreundlichere Arbeitszeiten – und eine qualifizierte Ausbildung, die den Zugang zu eine verantwortlichen Tätigkeit in allen Bereichen der Pflege eröffnet.

Die Pflegefachfrau und der Pflegefachmann, die nach drei Jahren ihre anspruchsvolle Ausbildung abschließen, haben praktische Erfahrungen in allen Bereichen der Pflege – in der Klinik, im Pflegeheim, im ambulanten Dienst, ja sogar in der Pädiatrie und in der psychiatrischen Versorgung gesammelt. Und sie haben an den Pflegeschulen im Landkreis die Kenntnisse erworben, die eine moderne an den Bedürfnissen der Patienten und Bewohnern orientierte Pflege erfordert. Was auch zählt: die Ausbildung ist europaweit anerkannt und eine gute Basis später durch Fortbildung und Studium beruflich weiterzukommen.

Interessierte können die Beratungsangebote der Akademie für Gesundheitsberufe www.glkn.de, der Mettnau-Schule www.mettnau-schule.de und der DAA Singen www.altenpflegeschule-singen.de nutzen.

Gegen das Vergessen

Es ist ein schleichender Prozess. Man vergisst wo man den Schlüsselbund abgelegt hat. Oder was man einkaufen wollte. Demenz. Seit 2008 bieten die Johanniter Singen zwei Betreuungsgruppen als niederschwelliges Angebot an. Das heißt, dass »jeder mitmachen kann«, erklärt Pflegedienstleiter Erich Scheu. Diese Art von Angebot sei einzigartig in der Stadt Singen. »Gestartet haben wir mit einer Gruppe, nach ein paar Jahren haben wir dann auf zwei aufgestockt.«

»Die Nachmittage gestaltet sich bunt«, weiß Betreuerin Maria Wahl. Basteln, spielen, singen, tanzen, aber auch Gedächtnisübungen zur unterschwelligen geistigen Aktivierung sind Teil des Programms. Dabei gibt es an jedem Nachmittag einen thematischen Bezug, etwa der Altweibersommer. Dazu gibt es immer Kaffee und Kuchen. Sogar eigens ein Kräutergarten wurde für die Betreuungsgruppe eingerichtet. »Struktur und Rituale sind wichtig«, so Maria Wahl weiter. So hat jeder Teilnehmer seinen festen Sitzplatz.

Ziel für die Betreuer ist zum einen die Entlastung der pflegenden Angehörigen. Zum anderen soll den Teilnehmern ein geselliges Beisammensein, Spaß und Freude sowie ein Austausch von Erinnerungen ermöglicht werden. Und: Zur Finanzierung des Angebots können häufig Mittel aus der Pflegeversicherung eingesetzt werden.

Die Betreuungsgruppen finden jeweils dienstags und donnerstags statt, von 14 bis 17 Uhr. Dabei findet der Termin am Dienstag in der Lutherpfarrei in SIngen statt, donnerstags trifft man sich in den Räumen der Johanniter. Für die Teilnehmer besteht die Möglichkeit ein Fahrdienst in Anspruch zu nehmen. Die Gruppen werden immer von zwei Betreuern angeleitet. Es hängt jedoch auch von der Art der Beeinträchtigung ab. »Es besteht auch die Möglichkeit der Einzelbetreuung zuhause«, berichtet Barbara Jordan, die als ehrenamtliche Betreuerin dabei ist.

Dennoch sind keine Laien am Werk. »Das Personal wird regelmäßig geschult«, betont Erich Scheu. Sechs Monate dauert die Ausbildung zum Betreuungsassistenten in der Abendschule, mit den Praktikumsstunden können Interessierte ihre Belastbarkeit testen. Es finden regelmäßig Teamsitzungen statt.

»Es ist nicht immer einfach, aber es erfreut mich zu sehen, wie die Klienten dabei aufgehen«, erzählt Maria Wahl. »Von der Gruppe kommt so viel zurück. Man wächst auch mit den Menschen zusammen.«
»Es ist eine Bestätigung, dass man es gut und vor allem richtig gemacht hat«, ergänzen die beiden frischgebackenen Betreuungsassistenten Sabine Hierholzer und Jens Bamberg.

Weitere Informationen gibt es bei Erich Scheu unter der Telefonummer 07731/998312 oder unter der e-Mail-Adresse erich.scheu(at)johanniter.de.

Freiwillig engagiert

Ein Freiwilligendienst ist die Chance für junge Menschen nach der Schule praktische Erfahrungen zu machen, den Puls des Lebens zu spüren, zu helfen und zu erleben, wie das bereichernd das ist. Seit 23 Jahren ist das Badische Rote Kreuz Träger für Freiwilligendienste. 1996 starteten 25 junge Frauen betreut vom DRK-Landesverband Badisches Rotes Kreuz ins Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). In diesem Jahr hat das Badische Rote Kreuz bereits 1.200 jungen Menschen Einsatzstellen für das Freiwillige Soziale Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst (BFD) vermittelt und ist damit der größte Anbieter für das Freiwillige Soziale Jahr in Baden.

Von Beginn an vermittelte das Badische Rote Kreuz seine Freiwilligen nicht nur an Rot-Kreuz-Einrichtungen, sondern an ganz verschiedene soziale Träger. Mit dabei sind neben Einsatzbereichen im Krankentransport auch Kitas, Schulen oder Altenpflegeeinrichtungen. Mit den Jahren wurde die »Welt der Einsatzstellen« zunehmend bunter. »Das Soziale bleibt zwar immer prägend für das FSJ, aber zu Kliniken, Altenhilfe- und Kindertageseinrichtungen kamen Mitte der 2000er Feuerwehren, Schulen oder auch kulturelle Einrichtungen«, erinnert sich der Leiter des Freiwilligendienstes beim Badischen Roten Kreuz, Thomas Schaaf.

Zusätzlich zum FSJ besteht seit 2011 das Programm des Bundesfreiwilligendienstes. »Inhaltlich gleichen sich die Programme weitgehend. Beim FSJ sind wir Träger und die gesamte pädagogische Begleitung liegt bei uns«, erklärt Silva Clemens, die Pädagogische Leiterin der Freiwilligendienste beim Badischen Roten Kreuz. »Der BFD ist ein Angebot des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFZA). Dennoch werden die Bundesfreiwilligen pädagogisch von uns begleitet, für das einwöchige Seminar zur politischen Bildung allerdings – und das macht den Unterschied – ist das Bildungszentrum Karlsruhe, eine Einrichtung des BAFZA, verantwortlich.«

Heute wie damals werden die Freiwilligen in Seminaren auf ihren Einsatz vorbereitet und durch das gesamte FSJ begleitet. »Ein FSJ fördert die Persönlichkeitsentwicklung und stärkt die Eigenreflexion. Zudem ist es eine gute Vorbereitung aufs Berufsleben und man lernt sich selbst zu organisieren«, urteilt Elke Trefzer, die das FSJ beim Badischen Roten Kreuz seit dem ersten Tag begleitet.

2017 fanden rund 1.300 Bewerberinnen und Bewerbern ihren Platz im Freiwilligendienst über den DRK-Landesverband Badisches Rotes Kreuz, der damit der größte Anbieter für das FSJ in Baden ist. Neben FSJ und BFD bietet das Badische Rote Kreuz auch das weltwärts-Programm an, in dem junge Menschen aus Deutschland in Freiwilligendienst nach Chile, Mexiko und Peru und junge Chilenen und Mexikaner in südbadische Einsatzstellen vermittelt werden.

Aktuell sind beim Badischen Roten Kreuz in der Region Singen noch freie FSJ-Stellen im Krankentransport, in Kitas, Jugendzentren, Schulen und im Museum zu vergeben. Mehr Informationen zum Thema FSJ und BFD gibt es unter www.drk-baden-freiwilligendienste.de.

Wochenblatt Redakteur @: Graziella Verchio