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Urlaubserinnerungen

| Der Bunte Hund

Hallo, liebe Leserinnen und Leser.

Ob Städtereise, Strandurlaub, die Weite der Berge, die Ferne des Meeres – ich hoffe, Sie hatten einen erholsamen Urlaub und sind wieder frisch und ausgeruht im Alltag angekommen. Ich durfte mit meinen Zweibeinern in die Berge fahren. Die angrenzenden Nachbarländer bieten unheimlich schöne Urlaubsziele, ohne eine weite Anreise zu haben. Ruckzuck waren wir in einem Feriengebiet, was mich autokranken Vierbeiner am meisten gefreut hat. Natürlich waren wir nicht die Einzigen. Und schon in unserer Unterkunft konnte ich ganz viele unterschiedliche Gäste aus der ganzen Welt mit meiner Schnüffelnase ausfindig machen. Die einen sehr ambitioniert, die anderen relaxter, machten sich nach einem reichhaltigen Frühstück auf den Weg Richtung Abenteuer. Während die einen mit dem Bus oder Auto Richtung Gipfel stürmten, standen wir an einer Gondelbahn. Meine Zweibeiner mit Wanderschuhen und einer Ausrüstung für eine Tagestour, mit allem was man in den Bergen so braucht. Andere Zweibeiner, vor und hinter uns in der Warteschlange, warteten in Sandalen und Flipflops, lediglich mit Designerhandtasche ausgestattet. »Alle Menschen zieht es in die Natur«, so meine Gedankengänge noch an der Talstation. Als wir dann auf dem Berg die Station verließen, bot sich mir allerdings ein trauriger Anblick. Dort oben ging es zu wie in ei-ner Fußgängerzone hier im WOCHENBLATT-Land. Neben unserer Gondelbahn erreichte noch eine weitere, von der anderen Seite des Berges, den Gipfel. Auf befestigten Wegen ging es zum Gipfelkreuz und zur Aussichtsplattform. Lange Menschenschlangen schoben sich die Stufen hoch. Ein Aufstieg in sommerlichen Zehentretern war über die Gitterroste für die Zweibeiner kein Problem. Für mich schon, da taten mir die Pfoten ordentlich weh. Die Zweibeiner machten Selfies von sich und einem inzwischen kläglichen Überbleibsel eines einst mächtigen Gletschers … am besten in möglichst spektakulärer Pose, über dem Abgrund hängend. Man muss auf Instagram und Co. schließlich etwas bieten. Ob dem ein oder anderen wohl bewusst war, dass sich dieser Gletscher in den kommenden Jahren noch mehr zurückziehen oder vielleicht bald gar nicht mehr da sein wird? Zum Glück sind meine Zweibeiner dann auf einen schmalen Pfad abgebogen und haben die Menschenmassen hinter sich gelassen. Die Stille und Weite der Berge empfing uns. Und mit ihnen der Unrat, welcher von Gelegenheitswanderern in der Natur zurückgelassen wurde. Mein Herrchen hat einiges aufgesammelt, was da am Wegesrand lag, meine Schnüffelnase brauchte da gar nicht viel bei der Suche helfen. Zu offensichtlich nehmen die Zweibeiner selbst die entlegenen Gebiete in Besitz. Machen sie zugänglich für jeden und schleusen tagtäglich tausende von Zweibeinern in Gebiete, welche viele Jahre nur von ehrgeizigen Wanderern erreicht werden konnten. Aus Profitgier werden Naturparadiese zu rentablen Urlaubsfabriken. Paradox, dass die Zerstörung von Urwäldern in weit entfernten Gebieten die Zweibeiner dann mitten ins Herz trifft. Mit der Natur vor der Haustüre wird dagegen ziemlich radikal umgegangen. CO2 und Mikroplastik scheinen in der Urlaubszeit, bei der Erholung vom Alltag, ebenfalls eine sehr geringe Rolle zu spielen. Auch wenn ihr noch so viele Debatten um Klima und Umwelt in eurem Alltag anfacht, eine positive Wende wird es erst geben, wenn jeder auch einmal auf etwas verzichtet und sich rücksichtsvoller auf diesem Planeten bewegt. Welche Eindrücke vom Urlaub sind Ihnen denn geblieben?

Ihr Struppi.

Wochenblatt Redakteur @: Der Bunte Hund

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