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Wafrös alemannische Dialektik vom 20. Oktober 2010

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S isch denn scho intressant, dass mir inere Ziit läbed, wo de Fortschritt vu de Technik sich iberschleet, weil me garnumme mitkunnt, so schnell isch alls wieder veraltet, wa me geschtern kauft hot. Nadierlich it Brot, Fleisch, Kueche und Schokelad. Nei i mon des ganze technische Schpillzeig ufem elektronische Sektor. So schnell ka sich en normale Mensch de neie Wirklichkeit garit apasse, weil, wemer äbbes leidlich kapiert hot, des morge scho wieder andersch funkzioniert. Also i gib ehrlich zue, dass des die Junge wäniger betrifft als die Alte und je elter äbber isch, umso minder wird's mit dem Probläm. Honder scho mol ime Junge zuglueget, wie der uf sim Händi rumschtupft, wenner sim Beibi, oder sinere Flocke ä Emeil schicke will? Die lueged garnumme uf die Taschte, die drucked mit onere Hand mitem Dume uf die Knepfle, do wird's om schwindlig vum zueluege. Etz wenn unsereis hüt ä so ä Händi kaufe wett, do gäbs die gröschte Schwierigkeite. Monsch de griegsch etz no ä Händi, wo me nu demit delefoniere ka? Vu wäge, mit de Händi, wo me etz kaufe ka, do ka me alls mache, wa i zum Beischpiel garit mache will, weil i nu demit delefonier mecht. I will demit it fotografiere, ko Musig here und kone Nochrichte lose. Aber so ä Händi, wo blos des ka, wa i bruch, des giits etz scho wieder nume. De Fortschritt rast und er rast a mir vorbei. Mir hond d Musig no vu Hand mache mösse, denn sind die elektronische Bretter kumme, wo se Kibord dezue saged. Sie säned us, wie wemmer ä Klavier zämmegsäget hett und dodemit ka me jedes Inschtrument so täuschend nochmache, dass des de Normalverbraucher vu Musig nume vum richtige Inschtrument underscheide ka. Me ka ä ganzes Orkäschter nochmache und wenn De selber zful bisch zum schpille, no schpillts älei vunimselber. Nu wenn de ons mitem letzschte Schrei kauft hosch, und witt's wieder verkaufe, no bisch de Dumme, weil de ibernäkschte Schrei no meh ka, wie des Kibord, wo du kauft hosch. Und der ibernäkschte Schrei der kunnt scho en Tag nochem du de letzschte Schrei kauft hosch. Au do rast de Fortschritt und s wird nume lang go, no ka me die himmlische Heerschare original ufem Kibord lose. Bim fotografiere und bim filme isches it vill anderscht. Wa heit voll krass isch, des isch morge mega-aut. Ei Modell jagt s ander und ei Technik lest die ander ab. So isches bi de Compjuter, bi de Kaffemaschine und bi allem wa fahrt. Blos bi de Händsche sind all no fimf Fingerling dra. Aber de Fortschritt macht au do beschtimmt it Halt. Zmol kunnt so den Disainer uf die Idee und macht Fingerhändsche nu no mit vier Fingerling. No moss me de klä Finger abschniede oder absäge, weil etz vier Finger die neieschte Mode sind. Nu wenn se denn gern wieder mol fmf Finger hetted, no sind alle selle, wo en Finger abgschnitte hond, i dät sage, saudumm dra. Je schneller de Fortschritt devusauet, umso schneller wachst au de Formularwahn. Wa de heit alls usfille mosch, des isch abartig. Wenn de zum Dokter muesch, no langets nume, dass du dei Kärtle debi hosch. Nei etz lond se om no en zweiseitige sogenannte Anamnese-Boge usfille. Die Anamnese isch die Vorgschicht vu dinere Krankheit und weil die meischte Leit scho vill Krankheite ghet hond oder ka händ, wird uf dem Boge au noch allem gfrogt, wa me sich nu vorschtelle ka. Des hot me neilich so gfuxt, dass i bi den Angaben von Operazionen anegschriebe hon "Kaiserschnitt." Die Dame in weiss hot me aaglueget, wie ä Katz wenn's dunderet. Was denn das soll, hot se gfrogt. No honere i erklärt, dass der Schtabsarzt, wo me ufem Hauptverbandsplatz im Januar 45 operiert hot, dass der Kaiser gheisse hot und ich dät immer wenn bi mir noch Operazionen gfrogt wird, glei "Kaiserschnitt" aneschriibe! Etz hot die des uf dem Formular glöscht…

Wochenblatt Redakteur @: Walter Fröhlich

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