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Wafrös alemannische Dialektik vom 6. Oktober 2010

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Gohts eigentlich no meh Leit so wie mir, dass om am Morge früeh all Melodie durch de Kopf gond, ob me will oder it. Wa beneid i als die alte Fraue, wo no Gedichtle vum Johann Peter Hebel uswändig hersage känned und it nu vum Hebel, die känned no grosse Schtuck vu Schillers Glocke und de ei oder ander Vers vum Goethe. Wa gäb i drum, wenn so schäne Sache i mim Hirn gschpeicheret wäred, aber Dreck en alte. Jo des isch die rictig Bezeichung, en alte Dreck. Des wa se mir in Kopf pflanzt hond und wa etz im Alter wieder hochkunnt, des sind luter "Lieder der Bewegung." Wenn om scho am Morge die Fahne voranflatteret und sie sei "mehr als der Tod" und ufs mol isch mers bewusst wore,dass i des "Heilig Vaterland in Gefahren" pfiffe hon und "vorwärts vorwärts,schmettern die hellen Fanfaren,-Jugend kennt keine Gefahren und lauter sottige Scheiss. Do wird mer denn wieder klar, wa se mit uns gmacht hond, wobei mir no Glick ghet hond, weil mir wieder homkumme sind, us dere Sauerei vu 39 bis 45. Vu wäge Jugend kennt keine Gefahren! Ufem Kuchetisch liit denn Zeitung, wenn i ussem Bad kumm und denn sieh i die Bilder vu Schtuegert, mit däne Wasserwerfer, däne Schlagschtöck und däne verblärete Auge vum Reizgas. Arme Kinder, wo do dezwische grote und däne beese Bolizischte usglieferet sind. It emol schbaziere laufe am Bahnhof, derf me etz grad, ohne dass se om nass mached. Und die Müettere, wo ihre Kinder in Arm nähmed, damit se vu däne rabiate Bolizei it no one uf de Deez grieged. Herr-schaftsexe, wägewarum kunnt denn au mir wieder des Lied in Kopf, woni hon hundertmol singe mösse, "Ein junges Volk steht auf, zum Sturm bereit!" Hört denn des nie uf, dass me die Junge all do anefiehrt, wo's glepft und wenn's it glepft, no isch nix los, weil glepfe geil isch, aber scheints it cool, suscht dät me etz it wieder die Böse sueche. S isch zum kotze, aber wa isch des fir ä Bewegung, wo noch zwanzg Johr dehinder kunnt, dass me ufhöre sott mit baue, wa me vor däne zwanzg Johr beschlosse hot. Offe gschtande bin i ganz froh, dass i i dem friedliche Singe läbe derf, aber do isches jo au it friedlich. Zerscht hot s Krankehus miese gmacht, wie alle Krankehüser, no hond d Lüt nume gschlofe wäge däne Schlammteich und denn no der Girftmüllskandal, wo sich d Leserbriefschreiber a de bürgerliche Front ä Auszeichnung verdiene känned. Mer kännt jo iber alls schwätze und kläre. Aber des isch nadierlich langweilig. Immer feschte druf, so wie uf de Duisburger OB. Jo kon Krach vermeide, sondern mit Wörter und Usdrück, wo's Volk merkt, wa me fir en Kerle isch noch dem Motto;"Wir werden weiter marschieren, bis alles in Scherben fällt…" Es sei en wüeschte Scherbe, unser neies Kunschtwerk hinder de Stadthalle,mulet s Volk.. Die Kunscht-Esoteriker sind nadierlch anderer Meinung und s bliibt uns wieder mol nix anders ibrig, als des Geschpräch mit dem Kunschtwerk fihre und so lang aneschtoh, bis es zu uns schpricht und wennn de nix hörsch, no sottesch mol zum Ohrearzt. S hot nämlich gheisse, es sei "nachhaltig, " aber i hon all so s Gfihl, als ob niemerd so recht woss, wa nachhaltig eigentlich si soll. De Begriff schtammt us de Forschtwirtschaft, wo de Carl v. Carlowitz ano 1713 den Usdruck s erschtmol gebraucht hot, woner vu de "nachhaltige Nutzung der Wäl-der" schriebe hot. Dass die Säule schief schtoht, des hot mir sofort eigleichtet. Nu dät i gern no sage, dass die Hauser-Steele ,weniger vu de Bevölkerung aagnumme wore isch, sondern vor allem vu de Kinder, wo im Summer drin pflatsched .Die mond au ko Angscht hon, dass se mit de Wasserwerfer kummed.

Wochenblatt Redakteur @: Walter Fröhlich

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