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Waidmannsheil

| Der Bunte Hund

liebe Leserinnen und Leser.

Die Jagdsaison ist eröffnet und einige meiner vierbeinigen Kolleginnen und Kollegen haben jetzt alle Pfoten voll zu tun.Haben Sie sich beim Verzehr Ihres Rehschnitzels schon einmal Gedanken über die Hintergründe der Jagd gemacht? Noch nie gab es so viele Wildschweine und Rehe in unseren Wäldern wie heute. Die Jagd ist ein heißes Thema und wird auf vielen Ebenen diskutiert. Landwirte beklagen Ernteausfälle wegen herumwühlenden Wildschweinen, Autofahrer machen immer öfter unfreiwillig Bekanntschaft mit einem Straßenseiten wechselnden Reh. Jäger sehen sich als Vertreter eines modernen Jagdrechts.Die Jagd soll tierschutzgerecht und nachhaltig erfolgen. Zu einem artenreichen und gesunden Wildbestand beitragen. Während die Jagd früher ein wichtiger Bestandteil für das Überleben der Sippe darstellte, erfreuen sich heute immer mehr Hobbyjäger am selbst erlegten Stück Rehbraten. Sofern er denn trifft. Denn während in Schlachthöfen strenge Vorschriften über die Tötung eines Schlachtviehs vorliegen und dem Tier keine langen Qualen zugemutet werden dürfen, kann es im Wald durchaus passieren, dass ein angeschossenes Tier die Flucht ergreift und qualvoll verendet. Sieht ja keiner, wenn in der Dämmerung oder in der Nacht nicht richtig getroffen wird und sich das Opfer in den Wald schleppt.Die vom Deutschen Jagdverband veröffentlichte Anzahl der durch Jagd getöteten Tiere zeigt leider nur die halbe Wahrheit. Tierarten wie Rabenvögel, Schwäne, Kormorane, Hunde und Katzen werden in der Jagdstatistik ebenso wenig erfasst, wie nicht aufgefundene und den Verletzungen erlegene sowie illegal er-schossene oder aus Bequemlichkeit nicht erfasste Tiere. Woher kommen die Massen an Wildtieren in den heimischen Wäldern, wenn überall von größer werdenden Städten, Industriegebieten und landwirtschaftlichen Flächen gesprochen wird? Vielleicht liegt es an der Zuführung von Mastfutter und der winterlichen Fütterung der Bestände. Oder durch die vom Menschen inszenierten Treib- und Druckjagden, welche die soziale Ordnung bei den Tieren durcheinander bringen und für mehr Nachwuchs sorgen, als von der Natur angedacht. Vielleicht liegt es auch an den fehlenden natürlichen Feinden … Die natürliche Selektion der Tiere entfällt. Vielleicht liegt es aber auch an der Anpassungsfähigkeit der Natur? Wildtiere erobern die Großstädte, verlieren die Scheu. Durchwühlte Stadtgärten und tierische Partys an Müllsammelplätzen sind die Folge. Und der Mensch ruft schlussendlich nach dem Jäger. Welcher im vom Zweibeiner angezettelten Chaos wieder für eine Ordnung sorgen muss. Nicht leicht, in Zeiten der immer strenger werdenden Auflagen und Sicherheitsvorschriften. Wie bei vielen anderen Dingen auch, darf hier nicht über einen Kamm geschoren werden. Es gibt zweifelsohne Jäger, welche ihre Jagdpacht in Gold umwandeln möchten und durch erlegtes Wild ein nettes Zubrot verdienen. Aber auch andere, welche sich für den Artenschutz und die Vielfältigkeit unserer heimischen Fauna einsetzen. Es sollten vernünftige Dialoge zu einer guten Zusammenarbeit geführt werden – von Landwirten, Artenschützern, Jägern – und vielleicht auch von Ihnen. Wichtig wäre es, alle Standpunkte unter einen Hut zu bekommen, auch wenn es dann an den eigenen Geldbeutel und die persönliche Schmerzgrenze gehen mag. Ihr Pünktchen.

Wochenblatt Redakteur @: Der Bunte Hund

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