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Was bei einer Hirnblutung passiert: Interview mit Dr. Andreas Weidmann, Ärztlicher Direktor und Chefarzt für Neurologie des Hegau-Jugendwerks Gailingen.

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Dr. Andreas Weidmann, Ärztlicher Direktor und Chefarzt für Neurologie des Hegau-Jugendwerks Gailingen. Bild: Jagode

Was passiert bei einer Hirnblutung?

Fragen an Dr. Andreas Weidmann, Ärztlicher Direktor und Chefarzt für Neurologie des Hegau-Jugendwerks Gailingen.

Wochenblatt: Was passiert bei einer Hirnblutung?

Dr. Andreas Weidmann: Unser Gehirn ist aufgrund seiner enormen Leistung ein besonders gut durchblutetes Organ. Das Blut fließt dabei in Blutgefäßen (Venen, Arterien), die sich immer weiter verzweigen, bis mikroskopisch kleine Blutgefäße auch kleinste Nerven mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen und Abbauprodukte des natürlichen Hirnstoffwechsels entsorgen können. Bei einem Unfall, einer angeborenen oder im Laufe des Lebens entstandenen Veränderung von großen und kleinen Blutgefäßen kann es passieren, dass Blut aus den geschädigten Blutgefäßen unkontrolliert in das Hirngewebe eindringt. Dabei wird das Hirngewebe unmittelbar beschädigt – z.B. durch den raumfordernden, das Gewebe verdrängenden Bluterguss oder durch die fehlende reguläre Blutversorgung, die eine Mangelversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen gleichkommt. Aber auch die der Hirnblutung folgenden mittelbaren Schädigungen, beispielsweise durch allgemeine Hirnschwellung oder Regulationsstörungen von Atmung und Kreislauf mit Notwendigkeit lebensrettender intensivstationärer Behandlung, stellen schwerwiegende Folgen dar.

Wochenblatt: Was sind die Folgen? Sind die reversibel?

Dr. Andreas Weidmann: Die Folgen für das Leben eines Menschen, der eine Hirnblutung erleidet, hängen vom Ort und Ausmaß der Blutung ab, außerdem vom Spontanverlauf und von der medizinischen Versorgung. Eine stecknadelkopfgroße Blutung im Hirnstamm kann ebenso schwerwiegende Folgen haben wie eine faustgroße Blutung im Großhirn. Die neurologischen Symptome und Funktionsstörungen können je nach Größe und Lokalisation der Blutung unterschiedlich ausgeprägt und kombiniert sein und unterschiedliche Folgen haben, z.B. eine Schluckstörung verursachen oder epileptische Anfälle, aber auch Lähmungen der Arme und Beine, Seh- und Gefühlsstörungen. Grundsätzlich ist eine vollständige Heilung oder Wiederherstellung nur in bestimmten Fällen möglich, zumeist hinterlassen Hirnblutungen auch nach umfassender medizinischer Akutbehandlung und Rehabilitation bleibende Schäden in Form von Funktionsstörungen.

Wochenblatt: Kann das jeder bekommen, gibt es Auslöser dafür? Was ist die Ursache?

Dr. Andreas Weidmann: Jeder Mensch kann eine Hirnblutung erleiden. Die Ursachen sind vielfältig und unterschiedlich häufig, auch was die betroffenen Altersgruppen anbelangt. Nicht immer braucht es einen bestimmten Auslöser, manche Blutungen passieren ohne erkennbaren Grund. Für einen bestimmten Auslöser, nämlich das Platzen eines sogenannten Aneurysmas (Gefäßmissbildung eines arteriellen Blutgefäßes), liegt die Zahl der jährlich betroffenen Menschen in den Industrienationen bei etwa 10 von 100.000, bei einer Bevölkerung von 80 Millionen also bei 8000 im Jahr. Ein Schädel-Hirn-Trauma tritt ähnlich häufig auf, oft sind dabei traumatische Hirnblutungen wesentlicher Teil der Verletzung.

Wochenblatt: Wo liegt der Unterschied zum Schlaganfall?

Dr. Andreas Weidmann: Spontane Hirnblutungen werden medizinisch zu den Schlaganfällen gezählt. Schlaganfälle sind Hirngewebsschäden, die allgemein durch Durchblutungsstörungen des Gehirns entstehen. Diese können durch verstopfte oder geplatzte Blutgefäße verursacht werden. In jedem Falle schädigen diese Durchblutungsstörungen das Gehirngewebe.

Wochenblatt: Werden im Hegau-Jugendwerk Patienten mit Hirnblutungen behandelt? Wenn ja wie häufig und wie erfolgt die Behandlung?

Dr. Andreas Weidmann: Im Hegau-Jugendwerk werden viele Patienten mit unfallbedingten oder nicht unfallbedingten Hirnblutungen behandelt. Es sind etwa 500 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Jahr, die mit einer Hirnschädigung infolge einer Blutung behandelt werden, gut die Hälfte unserer Patienten. Die Behandlung, die im Hegau Jugendwerk angeboten wird und die oft viele Monate dauert, nennt man neurologische (Früh-)Rehabilitation. Sie folgt der Akutbehandlung der erstbehandelnden Akutkrankenhäuser. Sie hat das Ziel, die Folgen und Auswirkungen einer Hirnblutung für den betroffenen Menschen, seine Lebensqualität und seine Angehörigen so klein wie möglich zu machen und so viele Funktionen und Fähigkeiten wie möglich wieder herzustellen.

Wochenblatt Redakteur @: Diana Engelmann

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