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„Zucker war früher etwas Besonderes“ Gebhard Moser aus Schienen

Gebhard Moser aus Schienen. SWB-Bild

Die ersten Süßigkeiten, die Gebhard Moser aß waren Gutele und Schokolade. Die gab es aber nur zu Weihnachten und an Ostern. Und auch das war etwas ganz Besonderes, damals in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, wie der heute 88-jährige Rentner erzählt.

Den Satz: „Ess nicht zu viel Zucker“ gab es früher nicht. Im Gegenteil. Vor dem zweiten Weltkrieg war die Armut in der Bevölkerung groß und während dem Krieg gab es erst recht keine Süßigkeiten oder Südfrüchte. „Da griff man zu wann immer es etwas Süßes gab“, erzählt der Rentner, der 1932 in Schienen geboren wurde und der früher für den Coca Cola Genuss lange sparen musste:  „Um mir einmal in der Woche eine Cola zu gönnen, ministrierte ich sieben Tage lang in der Kirche bis ich die 35 Pfennige, die eine Flasche damals kostete, beisammen hatte“, so Gebhard.  

„Über den Zuckerkonsum machte sich niemand Gedanken. Zucker war ein Genussmittel.“

Nach dem Krieg, d. h. in den 50er Jahren nahm der Stellenwert des Zuckers in der Gesellschaft zu, wie sich Gebhard Moser erinnert.  Anfangs hauptsächlich in Apfelmus, Obstkuchen und süßen Sahnetorten, die es sonntags gab. Doch auch im Kaffee durfte der Zucker nicht fehlen. Über den Zuckerkonsum machte sich niemand Gedanken. Zucker war ein Genussmittel. Hatte man doch früher immer darauf verzichten müssen. Dabei waren es damals nur wenige Lebensmittel, die wirklich viel Zucker enthielten. Im Gegensatz zu heute, wo Zucker nahezu in jedem Fertigprodukt enthalten ist.

„In den 60er Jahren ging eine richtige Back- Fresswelle los.“

Wie sich Gebhard Moser erinnert war es irgendwann in den 60er Jahren als eine richtige Back- Fresswelle losging. In manchen Gasthäusern stand gar ein Spruch an der Wand: „Iss und trink solangs dir schmeckt, schon zweimal ist das Geld verreckt.“ Wann er zum ersten Mal erfuhr, dass Zucker ungesund sein könnte? „Erst Ende der 60er Jahre, vorher war das kein Thema. Man war nie an Zucker übersättigt so wie das heute der Fall ist. Diabetes kannte niemand. Zudem war mein Vater Imker. Deshalb gab es bei uns auch schon vor dem Krieg immer eigenen Honig aufs Brot. Doch zum Backen wurde meist Zucker verwendet“.

„Die Menschen erwarten den Zucker neben dem Kaffee. Hier müsste sich etwas ändern.“

Heute macht sich Gebhard Moser mehr Gedanken über seinen Zuckerkonsum: „Irgendwann erfuhr ich, wie viel Zucker in den ganzen Nahrungsmitteln enthalten ist. Den Zucker im Kaffee habe ich mir abgewöhnt. Den Fruchtzucker, so wie er in Orangen und Bananen enthalten ist, finde ich in Ordnung. Doch künstlich hergestellter Zucker wird überall dazu gereicht: in jedem Café, in jeder Wirtschaft. Andererseits erwarten die Menschen den Zuckerwürfel auch neben ihrem Kaffee. Hier müsste sich etwas ändern“.

Wochenblatt Redakteur @: Diana Engelmann