Stefanie Scheurell: Ruth

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Es war einmal ein alter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm. Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er Suppe auf das Tischtuch, und es floß ihm auch etwas wieder aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen mußt sich der alte Großvater endlich hinter den Ofen in die Ecke setzen.

- Gebrüder Grimm: Der alte Großvater und der Enkel, 1850.

Im vorliegenden Werk von Stefanie Scheurell begegnen wir einem anderen Umgang mit dem Alter und der Demenz, dem 'Kontinent des Vergessens' - sichtbar gemacht, vielleicht sogar vorgeführt. Diese Inszenierungen sind wie ein juckender Hautausschlag - nichts was man gern mag, was sich aber immer wieder in Bewusstsein drängt. Ruth Wurmhöringer war gegen Ende ihres Lebens dement - da tauchen beim Betrachten dieser skurrilen Bilder viele Fragen auf. Darf man das? Ist das nicht anstößig? Verdienen nicht die, die von Demenz betriffen sind unser Mitgefühl und unseren Schutz?

Die Unmittelbarkeit der Bilder schockiert uns vielleicht, dabei gehörte die Zurschaustellung von Skurrilem und Absonderlichem über Jahrhunderte zu unserem Alltag - auf Jahrmärkten, auf den Stufen der großen Kathedralen. Was geschieht mit uns, wenn wir uns beim Anblick verkrüppelter Bettler aus dem Osten peinlich berührt abwenden und unser Gewissen schnell mit einer Münze beruhigen? Darf das nicht sein, was offensichtlich existiert?

Genau hier balancieren wir mit der Künstlerin auf einem schmalen Grat - zwischen Ausdruck und Zurschaustellung. Ruth, eine lebenslustige Frau, hat sich Zeit ihres Lebens gern kostümiert, sie wäre gern Schauspielerin geworden. Bereitwillig hat sie bei den Inszenierungen mitgewirkt. Viele der Bilder haben eine traumgleiche Atmosphäre - Ruth ist 'im Bild', aber nicht anwesend. Wir können nicht wissen, was sie beim Entstehen der Bilder und Videos wirklich gefühlt und erlebt hat - genauso wenig, ob wir nicht auch eines Tages diesen dunklen Kontinent des Vergessens betreten werden.

Wir wollen aber nicht die langjährige liebevolle Beziehung der Künstlerin zu ihrer Grossmutter vergessen, die sich in vielen Details und den Zeichnungen ausdrückt. Sie bilden die Grundlage und letztendlich die Legitimation für diese Arbeit, in der die Enkelin den Traum ihrer 'Oma' wahr gemacht hat.

"Ruth - Eine Kontroverse" von Peter Ladewig
- Ein Auszug aus der Publikation der Fotoreihe "Ruth" -

 

Kaufinteressierte können sich gerne telefonisch unter der +49 176 80 88 73 24 oder per E-Mail mail(at)stefaniescheurell.de melden

 

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Wochenblatt @: Kim Kroll

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