»Auf ein Wort«

Grenzüberschreitungen und Grenzziehungen

| Oliver Fiedler | Nachrichten | Singen Stadt | Themen der Region
Färbe Talk
Dr. Joachim Maier, Claudius Marx und Giorgio Behr in der Diskussion. swb-Bild: of

Wochenblatt-Talk »Auf ein Wort« mit spannendem Trio in der Färbe

 Singen (of). Wie ist das mit der Wirtschaft über die Grenze hinweg, wenn man das selber macht? Viele interessante Fragen dazu wurden im Rahmen der Talkrunde „Auf ein Wort“ des WOCHENBLATT am Sonntag in der »Färbe« gestellt, und auch höchst spannend beantwortet. Schließlich saßen hier auf dem Podium mit IHK-Geschäftsführer Prof. Claudius Marx, Prof. Giorgio Behr (unter anderem BBC) und Dr. Joachim Maier (WEFA) drei wirklich wagemutige wirtschaftliche Grenzgänger, die durch ihre Schritte die Welt vergrößert haben.
 „Die Wirtschaft in der Schweiz ist eigentlich zu klein, deshalb suchen wir natürlich Absatzmärkte und Deutschland ist natürlich der größte Europäische Markt, dazu sind wir vom Denken verwandt und sprechen noch die gleiche Sprache“, unterstreicht Giorgio Behr. Für Dr. Joachim Maier gab es immer pragmatische Gründe für Engagments in anderen Ländern. Denn das Unternehmen, dass im Bereich von Werkzeugen für Aluprofile ein Global-Leader ist, wurde von den Kunden vor die Frage gestellt, was denn wäre, wenn es im Singener Werk mal brenne. Norwegen oder die Schweiz waren die Alternativen, nach Thayngen waren es in die »andere Welt« gerade 15 Kilometer.
Für Joachim Maier sind die Erfahrungen mit der Schweiz durchaus positiv. Zumal das Thema Steuer schon wesentlich einfach zu handhaben sei. Auf der anderen Seite habe man ihn schon erst mal in Deutschland als »Steuerflüchtling« angesehen.
Überhaupt war die Steuer spannend: Giorgio Behr empfiehlt für Ansiedelungen den Weg in die kleineren Kantone: Dort habe man begriffen, dass alles Geld, das man erst mal in den Unternehmen lasse, zu mehr Stärke und auch Arbeitsplätzen führe. Da gebe es bei der Einhaltung aller Gesetze doch eine gewisse Flexibilität. Schließlich können die Kantone selbst ihren Steuerfuß festlegen.
„Werden in der Schweiz Hierarchien weniger zu Schau getragen?“ –Eine bewusst provokante Zwischenfrage von Claudius Marx, wobei man schnell bei den oft emotionalen Befindlichkeiten war, die so gerne das Verhältnis gespannt werden lassen könnten. Wie geht man in der Wirtschaft damit um, dass sich die Schweizer schnell duzen, aber doch auf Distanz bleiben? Dass es Spannungen gibt, ist für Claudius Marx erklärbar. Als Nachbarn hat man schließlich viele Berührungs- und damit Reibungspunkte. Und Unterschiede gibt kamen auch immer neue zutage. Giorgio Behr meinte, dass es ein großer Unterschied sei, dass die Schweizer ihre Meinung nicht lange zurück halten könnten. Claudius Marx bemerkte, dass die Unterschiede zwischen Kantonen zuweilen größer seien als zu den europäischen Nachbarn. Immer wieder spannende Vergleiche: die Schweizer lehnten einst einen Ferienanspruch von 6 Wochen ab, wohl weil sie wussten, dass dies nicht unbedingt umsonst wäre, während in Deutschland gerade die Diskussion zur 28-Stunden-Woche eröffnet wird. Die Seitenhiebe auf Fluglärm, Atom-Tiefenlager (so heißt das in der Schweiz), Taxi und Pizzastreit wurden an diesem spannenden Vormittag keineswegs ausgeklammert. Die Erkenntnis blieb: dass man eigentlich Einiges voneinander Abschauen könnte. Zum Beispiel das Schweizer Alterssicherungssystem. Oder wie man trotz weniger Abiturienten eine höhere Akademikerquote bekommt, ohne diese bei den Deutschen Nachbarn abzuwerben.
»Wer da so ganz im vereinten Europa lebt, hat‘s ja fast schon langweilig«, war an einem Nachbartisch aufmunternd zu hören.

Mehr Bilder gibt es unter https://www.wochenblatt.net/wb-bewegt/bildergalerien/2017/oktober/album/auf-ein-wort-zu-wirtschaft-ueber-grenzen-in-der-faerbe-am-22-oktober/

Was der Schaffhauser Bock über diese Talkrunde geschrieben hat, kann man hier nachlesen.

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler

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Prof. Giorgio Behr ist als Schweizer viel im Deutschen Wirtschaftsraum tätig.

Prof. Giorgio Behr ist als Schweizer viel im Deutschen Wirtschaftsraum tätig.

Dr. Joachim Maier wagte mit der WEFA vor 12 Jahren den Schritt in die Schweiz.

Dr. Joachim Maier wagte mit der WEFA vor 12 Jahren den Schritt in die Schweiz. swb-Bild: Holger Hagenlocher

Professor Dr. Claudius Marx ist der Schweiz-Experte in der IHK.

Professor Dr. Claudius Marx ist der Schweiz-Experte in der IHK.

Wochenblatt- Talk über deutsch-schweizer Beziehungen am 22. Oktober in der Färbe«

 

»Wirtschaft über Grenzen« ist das Thema der nächsten Talkrunde des WOCHENBLATT, das am Sonntag, 22. Oktober, 11Uhr, im Theaterrestaurant der »Färbe« in Singen bei freiem Eintritt stattfindet. Dabei werden drei »Grenzgänger« über ihre Erfahrungen zu beiden Seiten der Grenze sprechen, die sie auf sehr unterschiedliche Weise gemacht haben.

Professor Claudius Marx – der hier als Moderator auftritt - studierte von 1980 bis 87 an der Universität Trier Rechtswissenschaften/BWL, VVL, Soziologie und schloss daran ein Auslandstudium in Urbino und Rom an. 1993 promovierte er an der Universität Trier und setzte dem 1997 am Institut für Europarecht an der Universität St. Gallen den »Master of European in International Business Law« darauf. Claudius Marx, hat seit 1999 eine Professur bei der FH Trier und der Universität St. Gallen, schon davor, ab 1994 war er erstmals bei der IHK in Konstanz als Leiter der Rechtsabteilung und stellvertretender Geschäftsführer tätig gewesen. Seit dem Jahr 2006 ist er Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee und auch einer der»Väter« der neuen Zentrale der IHK über dem Bodenseeforum.


Grenzüberschreitende Themen im wirtschaftlichen wie politischen Bereich sind einer der Schwerpunkte seiner Arbeit, schon aus ganz pragmatischen Gründen: denn der gesamte Bereich der IHK-Hochrhein-Bodensee liegt ja schließlich an der Grenze zur Schweiz und damit an der Außengrenze der EU, deshalb gehört für viele Unternehmen die Schweiz auch zu ihrem wirtschaftlichen Einzugsbereich. Dadurch ergeben sich viele Chancen für die Unternehmen, schon weil sich hier ein höchst interessanter Absatzmarkt eröffnen kann. »Das macht ja unsere Region eigentlich einmalig«, unterstreicht er im Vorgespräch mit dem WOCHENBLATT.  Allerdings: Wenn man sich als deutsches Unternehmen in die Schweiz ausdehnen will, gibt es freilich einiges zu lernen, schließlich gibt es rechtlich, auch im Steuer- und Arbeitsrecht, ganz andere Möglichkeiten, bei denen Unternehmen die jeweiligen Vorteile sinnvoll nutzen können. Wie die Kammer hier Unternehmen unterstützen kann, wird dabei eines der Themen dieser Talkrunde sein, und wieviel Schweiz in Europa der EU guttun könnte und umgekehrt.

Mit auf dem Podium wird Dr. Joachim Maier sitzen. Er ist promovierter Maschinenbau-Ingenieur und leitet gemeinsam mit seinem Bruder die WEFA in Singen mit Tochterunternehmen in Tschechien, der Schweiz (Thayngen) und den USA. Seit1972 fertigt das mittelständische Familienunternehmen langlebige und nahezu wartungsfreie Strangpresswerkzeuge für die Aluminiumindustrie. Im Bereich der Strangpresswerkzeuge für Wärmetauscherprofile ist WEFA Spezialist und Weltmarktführer. Seit 12 Jahren ist WEFA mit einem Standort in der Schweiz in Thayngen präsent und hat den Schritt in einen anderen Wirtschaftsraum gewagt. An den fünf Standorten in  vier Ländern sind inzwischen rund 250 Mitarbeitende beschäftigt.

Giorgio Behr ist ein wirtschaftlicher Grenzgänger von der anderen Seite: Er studierte Rechtswissenschaft an der Universität Zürich und promovierte dort 1974, erlangte 1976 das Rechtsanwaltspatent, schloss 1979 als diplomierter Wirtschaftsprüfer ab. 1984 gründete er sein Beratungsunternehmen BDS Consulting, und wurde parallel an der Universität St. Gallen zunächst Lehrbeauftragter und ab 1990 Professor für Betriebswirtschaftslehre. Giorgio Behrs unternehmerisches Wirken ist sehr vielfältig: dazu gehören unter anderem die Mitbegründung der Bank am Bellevue, die Zusammenfügung mehrerer Unternehmen zur Behr Bircher Cellpack BBC. Im Jahr 2008 wurde er Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmen ZF in Friedrichshafen. Unter anderem ist er auch seit 1992 Präsident der Kadetten Schaffhausen und auch Präsident der Museumsbahn Stein/Etzwilen.


Viertes Podium »Auf ein Wort« über deutsch-schweizer Wirtschaftswelten »in der Färbe in Singen«

 

Bei der vierten Runde des WOCHENBLATT Talkforums »Auf ein Wort« soll am Sonntag, 22. Oktober, ab 11 Uhr beim Thema: »Wirtschaft über Grenzen« unter der Moderation von Prof. Dr. Claudius Marx, Geschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee, und Experte für Wirtschaftsthemen zwischen Deutschland und der Schweiz so mancher Grenzübertritt gewagt werden.

Auf dem Podium werden mit Dr. Joachim Maier, Geschäftsführer der Wefa-Gruppe (Singen/Thayngen u.a.) wie Prof. Dr Giorgio Behr, der Kopf der Schweizer BBC-Gruppe und Aufsichtsratsvorsitzender bei »ZF« in Friedrichshafen zwei Unternehmer diskutieren die aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln schon Grenzerfahrungen gesammelt haben. Im Vorfeld hatte das WOCHENBLATT die Gelegenheit, mit Prof. Dr. Claudius Marx über »Wirtschaft über Grenzen« zu sprechen.

Frage: Herr Marx, wir sind ja Grenzregion. Ist das eher ein Plus-Faktor oder Hemmnis für die Wirtschaft?
Claudius Marx: »Hier am Bodensee und Hochrhein ergibt sich die einmalige Situation einer EU-Außengrenze. In der Form ist das schon mal einzigartig. Für Unternehmen ist dadurch auch die Chance gegeben, das Beste aus zwei unterschiedlichen Wirtschaftssystemen zu machen.«

Frage: Klingt erstmal beeindruckend. Wir hören immer wieder, wie kompliziert das alles ist.
Claudius Marx: Klar, das Steuerrecht ist zum Beispiel mal schon anders. Dafür ist es in der Schweiz zum Beispiel flexibler für Unternehmer und dazu in jedem Kanton noch etwas anders, etwas was für uns hier im vereinten Europa eher eine Utopie wäre. Auch das Arbeitsrecht ist anders, eben auch flexibler. Anders ist auch das Unternehmensrecht, wenn man nur mal die vielen AG’s anschaut. Wenn in Europa etwas schlecht gemacht wird, dann ist das in ganz Europa so, in der Schweiz stehen dagegen die Kantone als Wirtschaftsstandort im gegenseitigen Wettbewerb.

Frage:So gesehen kann unsere Grenznähe sogar ein echter Standortvorteil sein?
Claudius Marx: Für bestimmte Unternehmen sicher. Die Schweiz verfügt zum Beispiel über ein Freihandelsabkommen mit China, was Exporte erleichtert.

Frage: Auf der anderen Seite besteht nicht unbedingt der Eindruck, als ob deutsche Unternehmen unbedingt willkommen sind, wenn man nur den seit Jahren schwelenden Taxi-Streit betrachtet, bei dem deutschen Unternehmen sozusagen untersagt wird, Kunden zum Beispiel an den Flughafen Zürich zu bringen.
Claudius Marx: Die 90-Tage-Regelung für ausländische Betriebe ist als Rechtsregime gar nicht dafür gemacht und so was geht im Taxigeschäft natürlich nicht. Das Taxiunternehmen bringt seine Kunden ja mit aus Deutschland, die kaum ein Taxi in der Schweiz ordern würden. Davon konnten wir die Schweizer noch nicht überzeugen, was mir schon ein wenig weh tut

Professor Dr. Claudius Marx

Professor Dr. Claudius Marx, hat seit 1999 eine Professur bei der FH Trier und der Universität St. Gallen, schon davor, ab 1994 war er erstmals bei der IHK in Konstanz als Leiter der Rechtsabteilung und stellvertretender Geschäftsführer tätig gewesen. Seit dem Jahr 2006 ist er Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee und auch einer der »Väter« der neuen Zentrale der IHK über dem Bodenseeforum. Das Thema der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit der Schweiz ist eines seiner Spezialgebiete.