- Anzeige - (Wochenblatt-Werbung wirkt)
- Bezahlter Inhalt -

„Theater in der Diaspora“

Färbe Godot
Mit »Warten auf Godot« von Samuel Beckett fing alles auf der Bühne der "Färbe" an. Im Bild Regula Bill, Peter Simon, Alexander Tibes und Dieter Junck. swb-Bild: Bruno Bührer

Singener Theater »Die Färbe« feiert 40. Geburtstag am 18. Oktober

Singen. Es war genau der 18. Oktober 1978: Damals lud die frisch eröffnete Tanzschule »Die Färbe« von Milli an Lit zum Theater ein. Und das war schon ein aus heutige Sicht gewagtes Abenteuer, denn bei einer »Handwerkerpremiere« im noch nicht ganz fertigen Theatersaal mit Kneipe gab es damals »Warten auf Godot« von Samuel Beckett, ein Stück, das gerade damals noch höchst kontrovers diskutiert wurde.

Peter Simon, der aus Singen eben aus dem alten Dorf mit dem ehemaligen Bauernhof von Gertrut Waibel stammt, war zu diesem Zeitpunkt bestens reputierter Schauspieler auch auf den großen Bühnen gewesen, in Frankfurt, Darmstadt, Nürnberg oder auch Zürich. Bei dieser Arbeit hatte er Milli van Litt kennen und lieben gelernt und die Frage nach einer gemeinsamen Zukunft wurde mit diesem Kulturprojekt beantwortet: der »Färbe«.

Schnell das Tagesgespräch

„In die ersten Vorstellung kamen auch kaum Gäste“ erinnert sich Peter Simon noch heute lebhaft. „Erst als sich unter den Gästen herumgesprochen hatte, was wir hier machen, füllte sich das Kneipentheater schnell und wir wurden zum Tagesgespräch“, so Simon im Gespräch mit dem WOCHENBLATT.
Es waren keine leichten Zeiten damals, denn Singen war noch Kleinstadt und wie geht man da mit so kühnen Theatervisionen um, wie Peter Simon sie im Kopf hatte? Doch es gab einige Menschen in der Stadt wie im Land, bei denen diese Visionen auf fruchtbaren Boden fielen. Der damalige OB Friedhelm Möhrle zum Beispiel war einer von ihnen, oder der damalige Ministerpräsident Lothar Späth. Mit dem Land wurde auf das finanzielle Konstrukt gebaut unter Beteiligung der Stadt Singen. Dazu kam dann auch der Förderverein, der sich bis heute als Lobbyist für das so besondere Kneipentheater sieht, das seit 2001 die »Basilika« des einstigem E-Werk Singen auf der Kulturinsel als zweite Spielstätte nutzen kann. Heute kann man sich Singen ohne die »Färbe« gar nicht mehr vorstellen, denn sie ist viel mehr als nur eine Bereicherung des Kulturlebens der Stadt. Spätestens seit dem »Monika-Bleibtreu-Publikumspreis« bei den Privattheatertagen in Hamburg mit dem Stück »Die Grönholm-Methode« im Jahr 2016 ist das kleine Theater aus der »Diaspora«, in der Peter Simon die Färbe auch heute noch sieht, bundesweit bekannt geworden.

Festakt in der Basilika

Nun aber kann genau an jenem 40. Geburtstag, dem 18. Oktober, 20 Uhr, groß gefeiert werden, in der Basilika. An diesem Abend wird auch der zweite Band des Buch »Theater in der Diaspora« vorgestellt werden, dass den Jubiläumsband zum 25. Geburtstag von 2003 fortschreibt. Denn in diesen 15 Jahren hat es nicht nur zahlreiche Uraufführungen gegeben durch beste Kontakte zu den Genies des neuen Theaters wie etwa Dario Fo, sondern auch eine ganze Reihe ganz besondere Stücke, die es so nur vom Ensemble der »Färbe« in exzellenter Regiearbeit verschiedener Handschriften geben konnte. Es wird ein großer Abend werden. Reservationen für den Festakt sind unter 07731/64646 möglich - solange es noch Plätze gibt.

Jubiläums-Spielzeit

Eröffnet wurde die Jubiläums-Spielzeit im September mit der Uraufführung von »111 - übern Berg« in der Koproduktion von Detlef Vetten (Text) und dem aus Singen stammenden Fabian Dobler (Musik) unter der Regie von Peter Simon, die Zeichen gesetzt hat. Das Stück wird noch bis zum 20. Oktober, ausser eben jenem 18. Oktober, in der Basilika gespielt.
Und auch für die nächste Inszenierung haben die Proben bereits begonnen: Ab Anfang November gibt es die »Jungfrau von Orleans«, mit zwei neuen Schauspielern im Ensemble: Lina Klein und Reyniel Ostermann.
Mehr: www.die-faerbe.de 

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler

Stichworte:
Färbe | Peter Simon | Godot | Basilika