»Schätze des Südens« im Rosgartenmuseum

| Oliver Fiedler

Konstanz. Das Konstanzer Rosgartenmuseum kann in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag feiern und es fügt sich damit in die Zeitgeschichte des 19. Jahrhunderts ein, als die Museen in Deutschland und Europa aufkamen, die das für die Nachwelt sichern wollten, was in den Städten um Zuge ihres Aufbruchs in die Neuzeit zerstört wurde, wie Museumsleiter Dr. Tobias Engelsing zur symbolischen Eröffnung der Ausstellung, die vom 2. Juli bis 11. April 2021 zu sehen sein wird als die große Jubiläumsschau, zu berichten wusste.

Rund 400 ausgewählte Stücke aus einem Sammlungskonvolut von rund 200.000 Gegenständen zeigt diese große Schau, die einen Spaziergang durch "1000 Jahre Kunst" aufzeigt und für aus den Magazinen manche Rarität geholt wurde. Die Ausstellung würdigt natürlich Ludwig Leiner, den Apotheker und besessenen Sammler von Dingen der Zeitgeschichte bis hin zu Pflanzen, und die folgenden drei Generationen der Leiners, die bis 1983 dieses Museum mit verschiedenen Charakteren prägten, was heute als eines der bedeutenden Kunst- und kulturhistorischen Museen im Bodenseeraum zählt und im letzten Jahr rund 44.000 Besucher zählen konnte.

Angefangen vom Stuhl Kaiser Sigismunds, der mit Sicherheit ein »Fake« ist, über Funde aus dem Thaynger Kesslerloch, über die "Alchemistenwerkstatt" Leiners, der uralte Funde darin mit eigenen Rezepturen zu konservieren wusste bis zu den von ihm entwickelten Ausstellungsvitrinen des 19. Jahrhunderts reicht das "Sammelsurium" in einer beeindruckenden Auswahl. Selbst die "Pickelhaube" aus der Gründerzeit findet ihren Platz im Kontext neben einigen ganz besonderen Gemälden wie etwa einem "Hungertuch" des 16. Jahrhunderts, das sich als damalige Gebrauchskunst wie durch ein Wunder erhalten hat.

Optisch hat man im Jubiläum auf die Farbe Grün gesetzt, denn als grüne Inseln im Museum sind die Jubiläums-Schaustücke in die Ausstellung des Museums eingefügt worden.

Zur Ausstellung wurde als Buch eine Biographie des Museums und der Bürgerfamilie Leiner geschaffen, das mit der Ausstellung als "Leiners Erben" hier ein bedeutendes Kapitel der Kulturgeschichte des Bodenseeraums aufgreift. Es gibt so viele spannende Einblicke über diese 150 Jahre, dass man eigentlich die Ausstellung nach der Lektüre nochmals besuchen sollte, um noch mehr mitzunehmen aus dieser gewaltigen Präsentation. Die ist übrigens auch ein Zeugnis dafür, wie tief das Museum verwurzelt ist in der Stadt. Angesichts immer zu knapper Mittel wurde durch den Förderverein eine Patenschafts-Aktion für Restaurierungen initiiert, in der fast 100.000 Euro zusammen kamen und die noch fortgesetzt wird. Einige Beispiele dafür stehen auch in dieser Ausstellung.

Der Corona-Lock Down hat nicht nur für eine etwas verspätete Eröffnung gesorgt, die Nachwirkungen werden sich auch im derzeit noch auf jeweils 10 Personen beschränkten Führungsangebot auswirken, was aus wirtschaftlicher Sicht natürlich wenig Sinn macht, aber doch für den Wunsch nach der Vermittlung dieses Schatzes steht. Denn es gibt viel zu erzählen über sie so viele Dinge hier in den »Schätzen des Südens«, und auch ein sehr engagiertes Team im Museum, das diese Jubiläum mitfeiert. Mehr zum aktuellen Programm gibt es unter www.rosgartenmuseum.de

Wochenblatt @: Oliver Fiedler

| Oliver Fiedler