Manfred Ossola nach seiner Wiederwahl
"Ich bin Bürgermeister für alle Aacher"
- Aachs wiedergewählter Bürgermeister Manfred Ossola hat auch in seiner zweiten Amtszeit einiges vor.
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Aach. Mit einer überwältigenden Mehrheit von 95 Prozent wurde Manfred Ossola Ende September zum Bürgermeister von Aach wiedergewählt. Wie er seine ersten Tage nach der Wahl erlebte und was er in seiner zweiten Amtszeit angehen möchte, verriet er im Gespräch mit dem WOCHENBLATT.
Wochenblatt: Herr Ossola, eine für Sie mit Sicherheit emotionale Wahl endete für Sie mit der Wiederwahl zum Bürgermeister der Stadt Aach. Wie haben Sie den Wahltag selbst so wie den Tag danach wahrgenommen?
Manfred Ossola: Zunächst hatte ich schon eine gewisse Erwartungshaltung, was die Wahlbeteiligung betrifft. Die Situation mit Herrn Künz hat mich relativ kalt gelassen. Daher war es für mich auch eher keine Stresssituation, da er für mich kein ernstzunehmender Gegner war. Mein Ziel war es, eine Wahlbeteiligung von 30 Prozent plus zu erreichen, das habe ich mit gut 42 Prozent geschafft, worüber ich mich sehr gefreut habe. Das ist für mich auch eine Bestätigung dafür, in den letzten acht Jahren nicht alles verkehrt gemacht zu haben. Auch das Wahlergebnisses mit 95 Prozent zeigt für mich, dass man es mir in den kommenden Jahren auch zutraut, die Geschicke der Stadt gut zu leiten. Bei meiner ersten Wahl für dieses Amt war das aufgrund der zeitgleichen Bundestagswahl eine ganz andere Situation, auch weil ich der einzige Bewerber war und die Bürgerinnen und Bürger diesmal die Wahl zwischen zwei Kandidaten hatten. Am Morgen nach der Wahl bin ich dann wieder meinem bisherigen Alltag mit Arbeitsbeginn um 8 Uhr nachgegangen. Da ist es jetzt nicht so, dass ab 6. Dezember ein neuer Bürgermeister ins Amt kommt, nein, es geht alles einfach nahtlos weiter.
Wochenblatt: Waren Sie nicht überrascht über die geringe Wahlbeteiligung?
Ossola: Nein, ganz im Gegenteil. Wenn man nämlich sich Vergleichswahlen in der Vergangenheit anschaut, wo ein Bürgermeister zur Wiederwahl antrat und es keine ernstzunehmenden Gegenkandidaten hatte, gab es auch schon eine Beteiligung unter 30 Prozent. Darum habe ich mir das Ziel mit 30 plus gesetzt. Wir hatten nur Bürgermeisterwahlen, ohne gleichzeitige Landtags- oder Bundestagswahl. Fast 42 Prozent ist für mich etwas Gutes. Wenn man jedoch demokratisch betrachtet das so beurteilt, dass die Hälfte der Wahlberechtigten nicht wählen war, ist das wieder eine andere Sache bei der man dann auch von Politikverdrossenheit oder Desinteresse sprechen und dies anders einordnen kann. Ich persönlich aber würde die diesjährige Beteiligung jetzt nicht als negativ für mich empfinden.
Wochenblatt: Was möchten Sie den Menschen mitgeben, die nicht zur Wahlurne gegangen sind?
Ossola: Ich bin Bürgermeister aller gut 2.400 Einwohner Aachs. Wenn Mitbürger und Mitbürgerinnen irgendeine Sorge oder ein Problem haben, können sie jederzeit zu mir kommen. Bürgermeister sein heißt: Wird man zu einem Problem oder einer Idee gefragt, muss man sich damit beschäftigen kann jedoch nicht zu allem immer Ja sagen, vor allem wenn es viel Geld kostet oder einfach nicht möglich ist. Da muss man auch mal ein ehrliches Nein erfahren. Wenn die Sache jedoch machbar ist, egal ob klein oder groß, muss man sich dieser dann auch annehmen. Das werde ich für alle tun. Auch für die, die nicht zur Wahl gegangen sind.
Wochenblatt: Was ist ihr Ziel für die nun zweite Amtszeit? Welche Projekte sind hierfür geplant?
Ossola: Wir sind bereits, auch wenn meine zweite Amtszeit erst am 6. Dezember beginnt, in der Planung für das Jahr 2026. Hierbei hat die Organisation der Ganztagesbetreuung in der Grundschule oberste Priorität. Wir haben schon jetzt viele Eltern von Kindern, die Betreuung in Anspruch nehmen. Daher war es für mich und den Gemeinderat eine wichtige Devise, neben der Betreuung im Kindergarten dies nun auch für die Grundschüler anzubieten. Ab Oktober haben wir in der alten Schule freie Räume, die wir dann auch für die Betreuung ausbauen und einrichten. Weitere Projekte sind das Baugebiet Breite oder auch das Gewerbegebiet im Aachtal, wo wir aktuell noch in Verhandlungen sind. Zudem steht im nächsten Jahr mit einem Volumen von über 700.000 Euro die Beschaffung eines Feuerwehrfahrzeugs ins Haus. Hierfür erhalten wir rund 200.000 Euro an Förderung.
Wochenblatt: Was erhoffen Sie sich in den nächsten acht Jahren von der Zusammenarbeit mit den Bürgermeisterkollegen aus dem Hegau und darüber hinaus?
Ossola: Die Zusammenarbeit unter den Gemeinden gibt es bei uns in allen Ebenen. Ich habe mit den Ebenen Kämmerer, Hauptamtsleiter und nun als Bürgermeister schon viel durchlaufen. Da sind wir alle Kollegen im Kollektiv stark, sprich wir arbeiten in vielen Bereichen zusammen, um Synergieeffekte zu bekommen. Wir haben unter anderem bei der Wärmeplanung sowie auch mit der Biotopsverbund-Planung schon viel zusammengearbeitet. Der Austausch zwischen den Bürgermeistern klappt auch sehr gut wie ich finde. Darüber hinaus hätten es meiner Ansicht nach der Landkreis Konstanz mit 25 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern mit wirklich unterschiedlichen Einwohnerzahlen nie geschafft, diese Menge an Aufgaben beispielsweise bei der Flüchtlingsverteilung zu meistern. Auch bei Corona war die Abstimmung und das Miteinander eine große Stärke von uns. Daher ist es auch üblich und ein Zeichen der Wertschätzung der Nachbarbürgermeister, wenn sie sich mit einem Kollegen, der zur Wiederwahl steht und gewählt wird, freuen können.
Wochenblatt: Apropos Flüchtlingsunterbringung. Wie haben Sie dies in der Stadt Aach in den letzten Jahren bewältigt und was steht in den kommenden Jahren für die Stadt noch bevor?
Ossola: Ich habe schon damals als Hauptamtsleiter in Aach damit begonnen, das alles mitzuregeln. Wir haben diese Situation früh dahingehend gelöst, dass wir Wohnungen und leerstehende Häuser angemietet und auch dezentral im Ort Flüchtlinge untergebracht haben. Die Container-Lösung war da für mich schon immer ein No-Go, da es für mich eine Ghetto-Situation für diese Menschen darstellt. Wenn es nicht anders geht, hast du als Gemeinde hierdurch an einem Ort einen Brennpunkt. Darüber hinaus hatten wir das Glück Nachbarn oder in der Nähe wohnende Familien und einen Helferkreis zu haben, die sich um Geflüchtete gekümmert haben. Aktuell haben wir in Aach 102 Flüchtlinge untergebracht und sind damit mit vier Menschen mehr als gefordert im grünen Bereich.
Autor:Philipp Findling aus Singen |
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