"Wir müssen noch erfolgsorientierter spielen"

| Andreas Joas | Sport | Handball
Tim Jud HSG
Tim Jud beim Spiel gegen Emsdetten. swb-Bild: HSG / Elser

HSG Konstanz mit Test gegen Göppingen vor harter Restsaison

Konstanz. Die Pause war kurz. Längst schwitzen die Spieler der HSG Konstanz wieder in individuellen Trainingseinheiten. Jetzt folgt die Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings. Fit machen für ein Hammerprogramm bis Ende Juni. Denn wo sonst schon traditionell etwas mehr als die Hälfte der Saison absolviert wurde, steht die 2. Bundesliga im Falle der HSG Konstanz in dieser besonderen Spielzeit gerade einmal bei 12 von 36 absolvierten Spielen vor dem Start nach der WM-Pause am 2. Februar in Bietigheim. Spiele im Drei-Tages-Rhythmus werden so fast zur Regel. Mit fünf Spielen innerhalb der ersten drei Wochen geht es für die HSG Konstanz los.

Zuvor richtete Sportchef André Melchert einen kleinen Blick zurück auf ein schwieriges Jahr 2020. Im von der Corona-Krise überschatteten Jahr waren die Treue und Unterstützung der eigenen Anhänger die absoluten Highlights. Bei der erfolgreich durchgeführten Jubiläumstrikotaktion zu 40 Jahren HSG freute sich der Club über mehr als 300 Bestellungen und bei der Crowdfunding-Aktion kamen knapp 62.000 Euro zusammen. Ein eindrucksvoller Beleg für den Rückhalt in Konstanz und die Bedeutung der HSG in und für die Region am Bodensee und im Hegau.

Sportlich wähnte man sich einer tollen Vorbereitung mit ganz starken Auftritten gegen die Bundesligisten Göppingen und Balingen sowie Zweitliga-Konkurrent Bietigheim auf einem guten Weg. Bis ausgerechnet zu Beginn der Saison das Verletzungspech zuschlug und stets – wenn auch unterschiedliche – mehrere Leistungsträger ausfielen oder angeschlagen waren. „Wir waren nicht extrem glücklich in diesen Dingen“, zieht Cheftrainer Daniel Eblen Bilanz. „Wir hatten zuletzt zwei knappe Siege, ja. Aber unglückliche Rote Karten, Verletzungen und Krankheiten haben uns immer wieder zurückgeworfen. Leider waren das Nasenbrüche, Knochenbrüche oder die Bandscheibe, was sich selbst mit optimalem Training nicht verhindern lässt.“

Dieser Punkt gibt dem 46-Jährigen jedoch zugleich viel Zuversicht für die letzten zwei Drittel der Saison, denn „wenn wir gesund zusammenbleiben, können wir mehr rausholen.“ Das Ziel ist es, insbesondere an die starken Angriffsleistungen aus der Vorbereitung im Herbst anzuknüpfen. „Schaffen wir es, wieder unser Selbstvertrauen in den Einzelaktionen aufzubauen und den Ball so flüssig laufen zu lassen, werden wir wichtige Punkte holen“, so Eblen.

Dafür wird schon wieder seit einiger Zeit intensiv in individuellen Einheiten gearbeitet, ehe nach den obligatorischen Corona-Tests der Einstieg in das Mannschaftstraining erfolgt. Ein Testspiel ist vor dem Start in die 2. Bundesliga mit dem Nachholspiel in Bietigheim am 22. Januar um 18.30 Uhr bei Erstliga-Topteam Frisch Auf Göppingen terminiert. Ein paar Rädchen möchte die HSG im Angriff dabei neu justieren, die Defensive soll ihre in den letzten Partien vor der Pause wiedergewonnene Stabilität weiter festigen. Einen stabilen Standard entwickeln nennt das der gebürtige Konstanzer und formuliert das große Ziel: „Wir wollen natürlich in der Liga bleiben.“

Dafür nimmt Sportchef André Melchert alle in die Pflicht: „Wir müssen zusehen, in den entscheidenden Situationen noch erfolgsorientierter zu spielen. Das sind die Knackpunkte, da muss man erfolgreich abschließen und so die knappen Spiele gewinnen.“ Das fehlt ihm noch ein bisschen, vor allem wenn er mit Grauen an die Begegnung in Fürstenfeldbruck denkt (25:26). Statt den Ausgleich zu markieren, vergab die HSG kurz vor Schluss einen Gegenstoß völlig frei – per Dreher. Vor allem junge Spieler müssten hier dazulernen, damit „das knackige Restprogramm“ (Melchert) konzentriert und erfolgsorientiert absolviert werden kann. „Wir haben nichts zu verschenken. Ganz wichtig wird auch die Pflege des eigenen Körpers“, fordert er ein. „Nur so kann jeder in diesem engen Takt 100 Prozent Leistung bringen. Dieses Thema hat aber jede Mannschaft, es gibt keinen Grund zu jammern.“

Viele Herausforderungen stehen somit im Jahr 2021 vor den Konstanzern. Vorsätze hat sich Daniel Eblen dafür nicht gesetzt, wenngleich in den letzten Jahren mal erfolgreich das Rauchen aufgegeben oder an der „eigenen Gewichtsschraube“ gedreht wurde, wie er grinsend erklärt. „Nun wollen wir alles überstehen, was da noch auf uns zukommt.“ Zum Beispiel drei kleine Kinder daheim betreuen. „Also“, sagt er, „bewältigen wir einen Tag und eine Woche nach der anderen. Ich hoffe, dass wir bald auf diese Zeit zurückblicken können und sagen: Junge, was war da los. Da sind wir durchgegangen.“ Ein klarer Wunsch für das neue Jahr. Ein schöner.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler

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