Luxusproblem sorgt für 5000 Euro Kosten monatlich
Christoph Stolz und Ludwigshafener Unternehmen zeigen Schäden durch Biber
- Der Geschäftsführer von Lindenmayer Bau, Daniel Lindenmayer zeigt den Landtagsabgeordneten, Christoph Stetter und Saskia Frank, Löcher durch einen unterirdischen Biberbau neben seinem Firmengelände.
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Bodman-Ludwigshafen. Ein Biber kostet der Stadt Bodman-Ludwigshafen etwa 5000 Euro im Monat. Der Grund: Um ein Überlaufen eines Kanals am Ludwigshafener Sportplatz müssen monatlich Biberdämme dort teils abgebaut werden. Die Bauten des geschützten Tieres stellen Risiken für Unternehmen und Gebäude dar. Eine Verordnung des Landes Baden-Württemberg sollte den Abschuss und die Vergrämung von Bibern erleichtern, wurde aber vom Verwaltungsgerichtshof in Mannheim gekippt. Bürgermeister Christoph Stolz und einige Unternehmer bitten die Landtagsabgeordneten Christoph Stetter und Saskia Frank nun bei einem Besuch um eine Überarbeitung der Verordnung, denn die Verantwortung für falsches Handeln liegt schwer und auch der Landkreis will noch Wort mitreden.
100.000 Euro wegen eines Bibers am Dietscheacker
Christoph Stolz' Probleme mit Bibern begannen 2024 - etwa ein Jahr nach seiner Wahl zum Bürgermeister in Bodman-Ludwigshafen. Damals sorgte ein Biber für einen verstopften Kanal am Dietscheacker für Überschwemmungen, die Strommaster im Umfeld bedrohten. Das Entwässern des überschwemmten Gebiets dauerte mehrere Wochen, kostete 100.000 Euro und teilweise mussten Mitarbeiter des Bauhofs in den Kanal unter der Autobahn 98 krabbeln, um ihn zu säubern. Laut Stolz hätten vor allem die unsicheren Vorgaben im Umgang mit dem Biber und seinen Bauten den Einsatz so massiv hinausgezögert und erschwert. Aktuell drohen Biberdämme in einem technischen Gewässer am Ludwigshafener Sportplatz bei massivem Regen die Grundstücke der Unternehmen Lindesmayer Bauunternehmung und Burmeister Caravan Center unter Wasser zu setzen. Der ständige Rückbau der Dämme auf ein Minimum kostet der Doppelgemeinde aktuell aber 5000 Euro im Monat.
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Das Paradoxe daran ist, dass das Vorkommen der Biber im ganzen Landkreis Konstanz eigentlich ein Luxusproblem ist. Das geschützte Tier kommt laut dem Leiter des Landkreisamtes für Baurecht und Umwelt, Thomas Buser, nämlich überdurchschnittlich häufig im gesamten Landkreis vor, ist aber EU-weit geschützt, weil seine Dämme häufig der Natur helfen und seine Art teils bedroht ist. Die Stadt Stockach sparte so beim Eisweiher in Espasingen etwa 500.000 Euro für Renaturierungsmaßnahmen durch einen Biber. "Wir sind gesegnet, was den Biber angeht", so Buser. Doch er ist sich auch der Komplikationen dadurch bewusst. Der Landkreis hat so im September 2023 extra ein Bibermanagement eingerichtet. Das Problem bei dem Umgang mit dem Nager ist nämlich, dass ein unbefugtes oder nicht genehmigtes Vergrämen des Tieres oder zerstören eines Biberbaues hohe Geldstrafen nach sich ziehen.
Amtsleiter erklärt Biberverordnung für gescheitert
Das Management will schnell Maßnahmen mit Betroffenen besprechen und Verantwortung dafür übernehmen. Dem steht in der Regel aber EU-Recht, dass den Biber und seine Bauten schützt im Weg. Eine Biberverordnung des Landes Baden-Württemberg sollte Gemeinden und Behörden erlauben über unabhängige Fachleute eine Entscheidungen über den Umgang mit Bibern in EInzelfällen zu fällen. Die wurde aber vom Verwaltungsgerichthof in Mannheim aber im Juni außer Kraft gesetzt, weil sie gegen die EU-Gesetze verstößt. Buser erläutert zudem, dass Privatpersonen bei Fällen wie am Dietscheacker aber niemals die Verantwortung übernehmen würden. "Die Biberverordnung ist missglückt."
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Der Landtagsabgeordnete der CDU, Christoph Stetter, lobte zunächst die Eigeninitiative, mit der die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen, wenn auch mit viel Zeit und hohen Kosten, eine Lösung für den Biber in Espasingen gefundet hat. Laut ihm spreche die Anzahl der Biber im Landkreis nicht für ein Problem im Artenschutz. "Es müssen Freiräume und Ermessensräume geschafft werden, damit Probleme angepackt werden können", so Stetter. Die Landtagsabgeordnete der Grünen, Saskia Frank, pflichtet Stetter bei. Sie ist im Landwirtschafts- und Europaausschuss des Landtags und berichtet, dass sich Umwelt, Naturschutz- und Jagdverbände einig seien, dass eine schnelle Überarbeitung nötig ist, um einen effektiven Umgang mit Bibern in Baden-Württemberg endlich zu ermöglichen.
Autor:Sebastian Ridder aus Konstanz |