Alois Fritschi im WOCHENBLATT-Interview
"Wir brauchen generell weniger Staat und mehr Mut"
- Eigeltingens Bürgermeister hat einige Aufgaben auf dem Schreibtisch, welche die Gemeinde in den nächsten Monaten und Jahren bewältigen möchte.
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Eigeltingen. Auch in Eigeltingen war im bisherigen Jahr einiges im Gange. Was die Gemeinde erreicht hat und was noch ansteht, hat das WOCHENBLATT im Gespräch mit Bürgermeister Alois Fritschi näher erörtert.
Wochenblatt: Herr Fritschi, wie haben Sie das bisherige Jahr 2026 wahrgenommen? Was konnte man bisher in der Gemeinde umsetzen?
Alois Fritschi: Wir haben im ersten Halbjahr 2026 den Schulerweiterungsbau, wo wir im September mit dem weiteren Klassenzimmer in Betrieb gehen werden, fertiggestellt. Zudem konnten wir kürzlich die Tudoburghalle in Honstetten fertigstellen. Hierbei sind wir über das Ergebnis sehr glücklich. Ansonsten haben wir wie andere Kommunen auch den üblichen Druck mit Flüchtlingsunterbringungen, mit den Finanzen und Herausforderungen vom Kreis beim Krankenhaus und dem Berufsschulzentrum.
Wochenblatt: Wie steht es in Eigeltingen aktuell im die Kinderbetreuung?
Alois Fritschi: In diesem Bereich haben wir mit insgesamt 152 zu betreuenden Kindern sehr stabile Zahlen. Der kommunale Kindergarten in Heudorf, der Naturkindergarten in Eigeltingen, der kommunale Kindergarten in Eigeltingen und der kirchliche Kindergarten in Honstetten laufen alle gut, dafür sind wir sehr dankbar. Darüber hinaus arbeiten wir im Kleinkindbereich mit dem Tagesmütterverein im Landkreis Konstanz zusammen, wodurch wir das gut gemanagt kriegen.
Wochenblatt: Wie steht es aktuell um die finanzielle Lage der Gemeinde?
Alois Fritschi: Wir haben derzeit eine angespannte Finanzlage. Aktuell steht beim Haushalt ein großes Minus. Durch deutlich geringere Gewerbesteuereinnahmen haben wir da jetzt einiges auf Eis legen müssen, was wir gerne machen würden. So mussten wir auch das Vorhaben, die Teichkläranlage in Honstetten zu schließen und im Anschluss daran eine Direktleitung für das Abwasser in Richtung Eigeltingen zu legen, zurückstellen. Auch weitere Ersatzbeschaffungen mussten wir auf Eis legen. Darüber hinaus können wir die Straßensanierungen aktuell nur in geringem Maß durchführen, weil es die Haushaltslage nicht zulässt. Zudem rechnen wir wieder mit einer Steigerung der Kreisumlage, die uns ebenfalls belasten wird. Auch nächstes Jahr werden wir daher einen Sparkurs fahren müssen.
Wochenblatt: Ist es in Sachen Kreisumlage nicht auch ein gewisses Risiko, was man dabei als Gemeinde eingeht?
Alois Fritschi: Ich verstehe hierbei auch die Seite des Landkreises. Sie machen Aufgaben bei den Kreisstraßen, den Berufsschulen und im Krankenhauswesen für unsere Gemeinden.
Wir können jedoch nur ausgeben, was wir einnehmen. Darum hat die Gemeinde natürlich einen großen Druck. Man muss immer beide Seiten auch sehen. Ich möchte aber generell der Kreisumlage fair gegenüberstehen und nächstes Jahr schauen, wie man das gemeinsam hinkriegt.
Wochenblatt: Seit letztem Jahr ist Ihre Gemeinde Teil des Sozialen Netzwerks Aach. Was konnte seither seitens der Gemeinde Eigeltingen hierin erreicht werden.
Alois Fritschi: Hier möchte ich zunächst betonen, dass wir sehr dankbar sind, Teil dieses Netzwerks zu sein. Beim Sozialen Netzwerk Aach handelt es sich um eine soziale, non-profitable Nachbarschaftshilfe, worin auch Mühlhausen-Ehingen und Volkertshausen und besonders Aach sind. Da ist der Austausch richtig gut. In Eigeltingen haben wir hierfür über 19 Helfer und auch schon viele Bürger. Generell sind wir sehr glücklich, wie es angelaufen ist und möchten das weiter als Gemeinde Eigeltingenunterstützen
Wochenblatt: Ist seitens der Gemeinde geplant, etwas aus den Geldern des Sondervermögens abzurufen und wie stehen Sie generell zu diesem Thema?
Alois Fritschi: Mit diesen Mitteln möchten wir die Krebsbachhalle in Eigeltingen sanieren, da dort die Duschen sowie die WC Anlagen kaputt sind, die WC-Anlage 50 Jahre alt und der Boden erneuerungsbedürftig ist. Zunächst bin ich dankbar, dass die Gemeinde hier Gelder bekommt. Hierbei ist es der Ehrlichkeit geschuldet, dass es Schulden des Bundes sind, die zurückgezahlt werden müssen. Mir wäre es viel lieber, es wäre ein erspartes des Bunds.
Wochenblatt: Wie sieht es in Eigeltingen aktuell in Sachen Flüchtlingsunterbringung aus?
Alois Fritschi: Die Flüchtlingsunterbringung ist bei uns momentan sehr entspannt. Wir haben im Gewerbegebiet ein Grundstück erworben, wo wir unsere Containersiedlung untergebracht haben. Da ist noch Platz für 25 Flüchtlinge. Es läuft daher recht stabil in dieser Hinsicht. Wir hatten das große Glück, dass wir konnten vor Jahren gebrauchte, rund drei bis vier Jahre alte Containeranlage sehr kostengünstig erwerben. Somit haben wir mit sehr wenig Steuergeld rund 90 Flüchtlingsplätze im Gewerbegebiet realisiert, da sind wir stolz drauf.
Wochenblatt: In Sachen Breitbandausbau wollte man dieses Jahr in die Ausschreibung gehen. Wie ist hierbei der aktuelle Stand?
Alois Fritschi: Da musste die Breitbandgesellschaft Landkreis Sigmaringen, wo wir Mitglied sind, aufgrund einer Klage eines weiteren Telekommunikationsanbieters den Provider nochmal ausschreiben. Dadurch verzögert sich die ganze Planung mit der Ausschreibung der Bauarbeiten. Diese planen wir nun für das Frühjahr 2028, um im Sommer 2028 mit den Bauarbeiten beginnen zu können.
Wochenblatt: Was möchte man in der Gemeinde in den nächsten Jahren denn noch alles realisieren?
Alois Fritschi: Aufgrund des Sparkurses haben wir eher weniger geplant. Wir möchten das Dorffest 2027 realisieren und sonst schauen, dass wir den Haushalt gesund halten. Sachen, die nicht zwingend notwendig sind, müssen wir dann auf die nächsten Jahre schieben. Für 2028 bis 2030 möchte ich den Glasfaserausbau angehen, die Krebsfachhalle kernsanieren und die Teichkläranlage schließen sowie das Honstetter Abwasser an den Abwasserzweckverband anschließen.
Wochenblatt: Wie stehen Sie zum Vorhaben des Landkreises, die Kommunen an der Finanzierung des Kreisklinikums zu beteiligen?
Alois Fritschi: Das ist an sich richtig. Trotzdem haben aber wir große Herausforderungen mit der Finanzierung des neuen Kreisklinikums. Als private Familie würde ich sagen, was ich nicht bezahlen kann, kann ich auch nicht bestellen. Vielleicht müssen wir im Kreistag da noch mal in uns gehen und auch neue Wege finden, nochmal über die Größe des neuen Krankenhauses beraten und ob vor allem, ob wir uns zwei Standorte im Landkreis überhaupt leisten können.
Wochenblatt: Was hat sich kulturell in der Gemeinde dieses Jahr bisher getan?
Alois Fritschi: Wir sind immer sehr stolz auf unser Sommerferienprogramm für die Kinder, worin wir diesen in diesem Jahr rund 25 Programmpunkte bieten können. Zudem haben wir seit letztem Jahr auch ein Sommerprogramm für Senioren, was seither sehr gut angenommen wird und wobei die Feuerwehr tatkräftig mithilft. Zudem fand vor kurzem wieder die Bogenmesse bei der Lochmühle statt, wo ebenfalls viele Leute vor Ort waren. Darüber hinaus bin ich sehr stolz auf das große Engagement unserer Vereine in der Gemeinde.
Wochenblatt: Was sind Ihre Wünsche für die Gemeinde für das restliche sowie kommende Jahr?
Alois Fritschi: Dass wir wieder optimistischer werden, dass das Jammern aufhört und dass wir vom Bund und vom Land finanziell nicht so im Stich gelassen werden. Und das gerade wenn man sieht, was die Gemeinden, unsere Bürger und vor allem unsere Unternehmer für eine Steuerlast haben.
Wir besitzen leider in Deutschland ein echtes Bürokratieproblem. Und ich behaupte, unsere deutsche Bürokratie ist schlimmer als die Bewältigung der Flüchtlingskrise. Wenn hier der Bund und das Land vielleicht mal ehrlich sagen würden, lasst uns nicht über Bürokratieabbau reden, sondern darüber wie viele Vorschriften und Gesetze wir wirklich brauchen. Ent-Bürokratisierung heißt, die Bürger viel mehr machen lassen und auch mehr Freiheiten geben. Und das fehlt in Deutschland. Wir brauchen generell weniger Staat und mehr Mut. Das wünsche ich mir auch für unsere Bürgerinnen und Bürger in Eigeltingen.
Autor:Philipp Findling aus Singen |