Experimentelle 23
„Experimentelle“ verwandelt Schloss Randegg erneut zum Treffpunkt moderner Kunst
- Zahlreiche Besucherinnen und Besucher konnten während der Vernissage der Experimentellen mitverfolgen, wie ein Kunstwerk entsteht.
- Foto: Eron Metolli
- hochgeladen von Juleda Kadrija
Gottmadingen - Randegg. Was passiert, wenn man eine Handtasche mit Bauschaum füllt? Die Tasche verformt sich, der Schaum verdrängt und sprengt ihre ursprüngliche Funktion und macht aus einem Konsumgegenstand ein Kunstobjekt. Genau mit solchen Perspektiven eröffnet die 23. Experimentelle auf Schloss Randegg ihren Dialog mit den Besuchern. Bei der Vernissage am 3. Juli wurde deutlich: Die internationale Ausstellung fordert dazu auf, Bekanntes neu zu betrachten.
Hinter einer Ausstellung wie der Experimentellen stecke weit mehr als das bloße Aufhängen von Bildern, betonte Bernhard Gassner, Vorsitzender des Förderkreises für Kultur- und Heimatgeschichte in Gottmadingen. Wochenlang werde gebaut, gebastelt, gesägt, gepinselt, und geknotet, bevor die Werke schließlich ihren Platz fänden. Dass die Ausstellung bereits zum 23. Mal stattfindet, zeige, wie fest sie in der Region verankert sei. Möglich werde dies jedoch nur durch das Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher sowie die Unterstützung von Sponsoren und öffentlichen Förderern. Das Percussion-Ensemble der Jugendmusikschule Westlicher Hegau verlieh der Vernissage außerdem einen passenden musikalischen Rahmen, während die Katholische Frauengemeinschaft für die Verpflegung der Besucher sorgte.
Insgesamt präsentieren 63 Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten, davon 27 in Randegg. Vertreten sind Malerei, Fotografie, Skulptur und Installationen. Abstrakte und figurative Positionen stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander, traditionelle Bildwelten treffen auf raumgreifende Arbeiten und ungewöhnliche Materialexperimente. Gerade diese Vielfalt erzeugt einen Dialog zwischen den Werken, in dem unterschiedliche künstlerische Auffassungen nebeneinander bestehen können. Der historische Schlossbau bildet hierzu einen bewussten Kontrast: Zeitgenössische Kunst wird nicht im neutralen „White Cube“ präsentiert, sondern tritt mit den historischen Räumen in Beziehung. Dadurch verändert sich auch die Wahrnehmung der Arbeiten, die unmittelbarer und weniger museal wirken. Besucher bewegen sich nicht durch sterile Ausstellungsräume, sondern durch ein historisches Gebäude, dessen Architektur selbst Teil des Ausstellungserlebnisses wird.
Moderne Kunst polarisiert – auch in Randegg. Nicht jeder Besucher wird nachvollziehen können, warum eine mit Bauschaum gefüllte Handtasche Kunst sein soll oder welche Aussage hinter einer Installation steckt. Die Experimentelle erhebt jedoch nicht den Anspruch, jedem Werk eine eindeutige Deutung mitzugeben. Sie will weniger fertige Antworten liefern als Denkanstöße geben und Diskussionen anregen. Gerade darin liegt der Reiz der Ausstellung: Unterschiedliche Betrachtungsweisen können nebeneinander bestehen und machen die Auseinandersetzung mit den Werken erst möglich.
Bis zum 6. September ist die Ausstellung jeweils samstags und sonntags geöffnet, der Eintritt ist frei. Besucher können die Arbeit der Organisatoren und Künstler durch den Kauf des Ausstellungskatalogs, eines Kunstwerks oder durch eine Mitgliedschaft im Förderverein unterstützen.
von Eron Metolli
Autor:Redaktion aus Singen |