Philip Schlaffer schildert eindringlich seinen Ausstieg aus der rechten Szene
Raus aus der rechten Gewaltspirale

Philip Schlaffer schildert eindringlich seinen Ausstieg aus der rechten Szene
  • Philip Schlaffer schildert eindringlich seinen Ausstieg aus der rechten Szene
  • Foto: Philip Schlaffer (links) und Kreisjugendreferent Stefan Gebauer in der Fahrkantine in Gottmadingen, als der ehemalige Neo-Nazi über seinen Ausstieg aus der rechten Szene sprach. swb-Bild: mu
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Gottmadingen. Er war Neo-Nazi, Rechtsrocker, Waffennarr, im Rotlicht- und Drogenmilieu zugange und mehrere Jahre im Gefängnis: Philip Schlaffer schaffte den Ausstieg aus der kriminellen Szene und warnt heute vor dem Abdriften in den Rechtsradikalität. Zu Gast war der 41-Jährige auch in der Fahrkantine in Gottmadingen, wo er durch seine schonungslose Authentizität beeindruckte.

Philip Schlaffer schont sein Publikum nicht, wenn er über den Strudel aus Extremismus, Gewalt und Kriminalität erzählt, in dem er jahrelang gefangen war. Seine ungeschönte Sprache, sein ungeschminktes Auftreten, seine Tätowierungen bis zum Hals sind Zeugen seiner extremen Vergangenheit, die auch polarisiert.
Er zeigt mit seiner eigenen Geschichte auf, wie er aus einem behüteten Elternhaus stammend als Hardcore-Rocker in der rechten Szene landete. Wie er dort ein Ventil für seine Wut, seine Frustration und seine Verletzungen fand, wie er nicht länger Opfer sein wollte und so zum Täter wurde. Er schilderte, wie er sich als Hooligan in der Fußballszene prügelte, kahlrasiert, in schwarzen Klamotten, immer weiter nach rechts rückte und sich dort zugehörig fühlte.

Schlaffer war »Menschenfänger« und »Frontschwein« in der Neo-Nazi-Szene und gründete schließlich in Wismar eine gewaltbereite Kameradschaft, die bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte. »Ich war ein gewaltgeladener Angeber«, sagt Philip Schlaffer heute. Sein Ausstieg gelang ihm schließlich nachdem seine Gang in einen Mord verwickelt war und er selbst für mehrere Jahre wegen Drogendelikten ins Gefängnis musste.

Nach zwanzig Jahren außerhalb der Gesellschaft suchte er sich psychologische Hilfe und wurde in seinem Wandel begleitet und unterstützt. »Ich bin dankbar, dass ich das geschafft habe«, sagt er über seinen geglückten Ausstieg und die Chance auf ein zweites Leben.

Heute arbeitet er als Anti-Gewalt- und Deradikalisierungstrainer, besucht Schulklassen und warnt vor allem vor der verhängnisvollen Gruppendynamik extremer Gruppen. Schlaffer war auf Einladung der Gottmadinger Schulsozialarbeit und des Demokratiezentrums Konstanz in den Hegau gekommen, besuchte mehrere Schulklassen und war in Gottmadingen und Engen auf dem Podium mit Kreisjugendreferenten Stefan Gebauer.

Für Gebauer ist gerade das authentische Auftreten des Neo-Nazi-Aussteigers viel wirksamer und effektiver als ein Fachvortrag um Jugendliche vor den Gefahren der rechten Radikalisierung zu warnen. Davon ist auch Gottmadingens Jugendpfleger Alexander Papp überzeugt. Er war angenehm überrascht über das große Interesse an der Präventionsveranstaltung, die vor dem Hintergrund der rechtsextremen Schmierereien vergangenes Jahr in Gottmadingen veranstaltet wurde.

Damals setzten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger mit einer Unterschriftenaktion ein eindrucksvolles Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Hass, die auch vom SINGENER WOCHENBLATT unterstützt wurde. Weitere Infos über Philip Schlaffer und seine Arbeit unter www.extremislos.de/15-Referenten.html

- Graziella Verchio

Autor:

Redaktion aus Singen

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