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Ein Nagelbrett für Fakir Marian Schreier

Mäntig Frühschoppen
Christoph Graf als Moderator des närrischen Frühschoppens zum Fasnetmäntig stattete Tengens Bürgermeister Marian Schreier (SPD) mit einem Nagelbrett aus, angesichts der vielen Spitzen, die man derzeit in der Partei aushalten müsse. swb-Bild: of

Politische Geplänkel beim Frühschoppen zum Fasnetmäntig

Gottmadingen. Der Narrenzunft Biberschwanz Bietingen war es in diesem Jahr vorbehalten, den Reigen der Auftritte beim Frühschoppen zum traditionellen Fasnetmäntig in der Gottmadinger Eichendorff-Halle mit einer halbstündigen Präsentation zu eröffnen, denn die Zunft aus dem Gottmadinger Ortsteil feiert heuer ihren 60. Geburtstag. Man sei kein Vorort von Thayngen, wie Zunftmeister Peter Kaschner, bei der Vorstellung der örtlichen Bräuche betonte. Nach dieser Hommage an die Dorffastnacht ging es freilich an das bewährte politisch-närrische Geplänkel.
Die Poppele aus Singen kamen diesmal in »kleiner Besetzung« auf die Bühne, mit Zunftmeister Stephan Glunk und »St. Martin«, dem Poppele in seiner neuen Rolle. Moderator Christoph Graf bot der Zunft die Aufnahme in die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee an, die Gerstensäcke würde dafür sogar die Patenschaft übernehmen. Glunk beklagte anschließend in lustigen Reimen, den Mangel an originellen Themen in dieser Fastnacht, die ihm das dichten schwer machten. Da war er froh über den Clinch zwischen dem Volkertshauser Schultes Alfred Mutter und der Landtagsabgeordneten Wehinger, wo er sich aber nicht einmischen wolle.
Für den Gailinger Noch-Bürgermeister Heinz Brennenstuhl gab es als Ersatz für seine Amtkette eine aus Schwarzwurst, um Entzugserscheinungen schon mal vorzubeugen. Er beschwor die Lebensqualitäten am Hochrhein, während Gottmadingen außer seinem Zunftbier nicht viel zu bieten habe, meinte der einstige Bürgermeister-Kandidat, der dann immerhin Ehrengerstensafter im Jahr 2000 geworden ist.
Himmel und Hölle in Europa war das Stichwort für den Auftritt des Thaynger Gemeindepräsidenten Phillipe Brühlmann. Das dortige Alterswohnheim und seine Kostenexplosion bewunderte Christoph Graf sogar, denn trotzdem könne die Gemeinde noch viel investieren, während in Gottmadingen die geplante neuen Schule angesichts stets steigender Kosten am Ende vielleicht sogar so klein werde, dass man die Hälfte der Schüler zu den Nachbarn schicken müsse. Brühlmann konterte mit seinem Spott über die neue Ampel am Zoll bei Bietingen, die „nur ein bisschen Grün den Menschen gibt“.
Tengens Bürgermeister Marian Schreier war der nächste Beschenkte: er wurde kurzerhand zum Fakir ernannt mit eigenem Nagelbrett, der Spitzen wegen, die in seiner Partei gerade zu ertragen seien, und wo er angesichts dem Schwund in der Führungsriege sicher bald der Shooting-Star werde. Schreier gab sich erleichtet, denn er hatte als Geschenk schon ein Nottestament für seine Partei erwartet. Seine Spitzen gegen die FDP, auch an den Neu-Gottmadinger Rupert Metzler, wurden von den Narren mit munteren Hoorig-Rufen skandiert. Sozialdemokraten seien sicher nicht blöder als die anderen, sie hätten einfach nur mehr Pech beim Nachdenken, brachte er die aktuellen Ereignisse auf den Punkt. Und er brandende Applaus gab ihm närrisch recht.
Da hatte es Platzhirsch Dr. Micheal Klinger schon schwerer: »Wollen wir alle so sein wie er«, fragte Christoph Graf spitz: Ob der noch „einer vu üs“ sei, müsse man nach seinem sehr lässigen Auftritt beim letzten Nachbarschaftswein in Singen schon fragen. Die Antwort der Narren war eine öffentliche Stylingberatung durch Harald Glööckler, der dafür eigens eingeflogen wurde. Glitzerspray soll den Eindruck erwecken, dass Klinger »reich und sexy« sei, meinte dieser. Klinger wusste was hier auf ihn zukam: der machte Graf und Zunftmeister John Weber zu Wurstzipfeln.
Das Finale war dem 40. Geburtstag des Narrenbiers gewidmet. Lothar Bottlang von Langenrain, der schon bei der letztjährigen Fasnetküchlefahrt für Furore sorgte, durfte in die Bütt. »Nur wen du zuviel trinkst vu dem Ganze, kriegsch halt doch en Ranze“, schloss er sein Laudatio – mit der Warnung vor anderem Bieren bei denen der „kleine Mann ein Zwerg“ bleibe. Doch etwas musste eben noch raus aus dem „Bue vom Land“, denn sein Rundumschlag, auf Schulz, den Schoofseckel Trump und den Granateseckel Kim Jong Un, die Singener und Gottmadinger war der nächste politisch-närrische Teil dieses Frühschoppens. Und als Nachschlag noch Andreas Jung, der zum (politischen) Spagat aufgefordert wurde und gleich ausrief, das Christoph Graf doch der ideale Gesundheitsminister sei. Es gab ein Loblied auf „3 Wetter Taft“ für seine vielen Reisen. Auch sein Auftritt war ein Werbeblock auf das Zunftbier. „Wer trinkt die Gerste im Kanister, wird auf jeden Fall Minister“, blickte der Ehrengerstensafter von 2007 schon mal in die politische Glaskugel bevor er die im Saal befindlichen Mitglieder von SPD und CDU zum Pipi-Langstrumpf-Chor formierte, nach dem Vorbild der als neuen SPD-Vorsitzenden gesetzten Andrea Nahles, die das Lied schon im Bundestag sang.

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler