Geschichte der Region
Ausstellung zieht Parallelen zwischen dem Ittinger Sturm und dem Bauernkrieg

Stiftungsrat Volker Kauder (rechts) von der Stiftung Orte der Demokratiegeschichte spricht zur Eröffnung der Ausstellung im Hilzinger Museum. | Foto: Tobias Lange
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Hilzingen. Was hat der Ittinger Sturm von 1524 mit Hilzingen und dem später im selben Jahr hier ausgebrochenen Bauernaufstand zu tun? Auf den ersten Blick passt das nicht unbedingt zusammen. Zwischen den beiden Orten liegen nicht nur rund 20 Kilometer Luftlinie und etwa 30 Kilometer mit dem Auto, sondern auch eine Landesgrenze. Und doch zeigt die nun im Hilzinger Museum eröffnete Ausstellung "1524 - Stürmische Zeiten", dass sich durchaus Parallelen ziehen lassen.

Beim Ittinger Sturm überfielen tausende Bauern das Kloster Ittingen, nachdem der beliebte Pfarrer und Vertreter der Reformation Hans Öchsli vom katholischen Landvogt entführt worden war. Ein Ereignis, von dem auch die Hilzinger gehört haben dürften. "Man darf nicht glauben, dass die Menschen früher diese Entfernung nicht bewältigen konnten", erklärte Wolfgang Panzer, Vorsitzender des Hilzinger Museumsvereins. "Sachen, die 30 Kilometer entfernt stattgefunden haben, hat man hier mitbekommen."

Und wenn etwas bei den Nachbarn funktioniert hat, habe man das übernommen. "Es wurden die Sturmglocken geläutet in Ittingen und in Hilzingen - und zwar zur Versammlung", so Panzer. "Dann wird ein gemeinsamer Wille gebildet und das hat in beiden Fällen stattgefunden." Beide Ereignisse endeten schließlich blutig, wobei die schweizer Eidgenossen mehr Zurückhaltung bewiesen: Drei Rädelsführer wurden verurteilt und hingerichtet. Derweil ist überliefert, dass allein Mark Sittich von Ems nach dem Hilzinger Aufstand 50 Bauernanführer an Bäumen aufgehängt haben soll.

Dass eine schweizer Ausstellung ihren Weg in den Hegau gefunden hat, war dann auch für die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte Anlass für einen Besuch. "Das Besondere ist, dass hier nicht ein Ort, sondern eine Region zum Gegenstand gemacht worden ist", meinte Stiftungsrat Volker Kauder. "Man hat gesehen, dass die Entwicklung der Demokratie hier im Hegau in enger Verbindung mit der Entwicklung in der Schweiz vonstattengegangen ist."

In der Zeit der Reformation und des Bauernkriegs habe man aus feudalistischen Strukturen in die Demokratie hineingeblickt, so Kauder. "Heute besteht die Gefahr, dass wir aus der Demokratie heraus in die Zeit zurückfallen könnten." Aber man könne Menschen mit Projekten wie der Ausstellung in Hilzingen für die Demokratie interessieren.

Bürgermeister Holger Mayer erinnerte an die Anfänge, an das Gedenkjahr zum 500. Jahrestag des Hilzinger Bauernaufstandes. "Wir haben mit wirklich wenig angefangen", so der Bürgermeister. Man habe aber gemerkt, dass mit jeder Veranstaltung, jedem Vortrag, jedem Workshop Menschen dazugekommen seien. "Das finde ich das Schöne - auch im Sinner der Demokratieförderung."

Stiftungsrat Volker Kauder (rechts) von der Stiftung Orte der Demokratiegeschichte spricht zur Eröffnung der Ausstellung im Hilzinger Museum. | Foto: Tobias Lange
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Tobias Lange aus Singen

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