Starker Standort Hilzingen
Als die Gemeinde Hilzingen noch ein Dorf war

Gerhard Bloching blickt auf Zeiten zurück, in denen noch vieles anders war in Hilzingen. | Foto: Philipp Findling
  • Gerhard Bloching blickt auf Zeiten zurück, in denen noch vieles anders war in Hilzingen.
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  • hochgeladen von Anja Kurz

Hilzingen. Damals war alles anders, so auch in der Gemeinde Hilzingen. Der Zimmerermeister a.D. Gerhard Bloching hat hiervon auch einige Geschichten parat, kurios wie nachdenklich zugleich.

„Früher war das alles hier noch ein Dorf, da hatte die Hauptstraße noch nicht einmal geteerte Straßen“, erzählt Bloching. Zu diesem dörflichen Charakter zählt er auch zahlreiche Landwirtschaftsbetriebe, die heute seiner Auskunft nach jedoch nicht mehr so vorhanden sind wie früher. „Da floss die Gülle noch durch die Straßenrinnen und der Mist wurde vor dem Haus entsorgt.“

Auch was die hiesige Gastronomie angeht, war man laut Gerhard Bloching zu seinen Zeiten viel besser aufgestellt. „Da gab es das Gasthaus Kranz, den Scheffelhof, den Bären, sowie im Oberdorf das Gasthaus Sonne und den Wilden Mann sowie in Dietlishof das Gasthaus Frieden mit einem schönen Pavillon.“ Viele dieser Gaststätten, so der ehemalige Zimmerer, gibt es heute nicht mehr oder wurden umfunktioniert. „So ist der Scheffelhof mittlerweile eine Sparkassen-Filiale und der Bären beheimatet heute eine Pizzeria.“
„Zu meiner Zeit“, berichtet der 72-Jährige, „war alles viel stressfreier und gemütlicher als es heute ist.“ Was ihm dabei besonders zu denken gibt, ist der für ihn heutzutage etwas fehlende Zusammenhalt im Gegensatz zu früher. „Jeder schaut mittlerweile nur noch für sich.“ Der Dorfzusammenhalt, sagt er, war damals viel ausgeprägter.

Auch aus seiner Kindheit hat Bloching einiges zu berichten. „Mit vier Jahren habe ich anno 1957 den Holzabfall von den Zimmererarbeiten der heutigen Peter-Thumb-Schule aufgelesen.“ Zudem war es für viele Kinder früher immer eine große Freude, wenn man bei viel Schnee die Schlitten an den Holzpflugs, der die Gassen vom Schnee befreite, spannte und dadurch hinterhergezogen wurde. „So etwas ist heute einfach unvorstellbar.“ Die Vereinslandschaft, erzählt der Zimmerermeister a. D., war zu seiner Zeit nicht sehr groß, auch in Sachen Sport. Kurios: „Da hatten wir im Dorf hinter dem alten Rathaus eine Muckibude, wo viele Leute hingingen, um Krafttraining oder am Reck zu turnen.“ Zudem war der Musikverein, wo der gebürtige Hilzinger ebenfalls aktiv war, früher viel kleiner.

Geschäftlich gesehen war damals auch alles etwas unkomplizierter, wie Gerhard Bloching, selbst 52 Jahre als Zimmerer tätig gewesen, sagt. „Hat man sich damals für Bauarbeiten einfach mit dem Kunden kurzgeschlossen, gibt es heute für jede Kleinigkeit zig Angebote.“ Für ihn sei im Ort alles um einiges größer geworden. „Heute ist alles hier viel moderner und schnelllebiger. So habe Bloching zufolge im Gegensatz zur heutigen Alarmierung früher die Feuerwehr mit einer Trompete auf einem Moped fahrend die Bevölkerung alarmiert. „Die Gemeinde“, so der frühere Zimmerer, „platzt heute fast aus allen Nähten.“ Gab es früher hinter der Kirche viel Weideland, befinden sich seiner Auskunft nach heute dort viele Wohnblöcke. Dabei war Hilzingen auch etwas revolutionär was den Hallenbau anging. Wie Bloching erzählt, war die Werkstatthalle unserer Zimmerei damals die erste große Halle im Hegau überhaupt.“ In deren Rohbau wurde ihm zufolge sogar schon die beliebte Kirchweih gefeiert.

Es sind nunmal die Geschichten, die, im Gegensatz zum heutigen Gemeindeleben, wahrlich unvorstellbar sind, jedoch sowohl die ältere wie auch jüngere Generation einer Gemeinde wie Hilzingen bis heute prägen.

Autor:

Philipp Findling aus Singen

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