Kundgebung gegen rechte Gewalt
Konstanzer gedenken Martin Katschkers Tod und ziehen Parallelen zur Gegenwart
- Der Konstanzer Gemeinderat für die Linke Liste Konstanz, Holger Reile, legt eine Blume in Gedenken an Martin Katschker im Stadtgarten nieder. Reile recherchierte zu Katschkers Tod und initierte das Aufstellen einer Gedenkstele für ihn.
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Konstanz. Der 17-jährige Martin Katschker starb 1970, weil er nicht in das Stadtbild von Hans Obser passte. Der Fall wurde als "Gammlermord" bundesweit bekannt, obwohl Obser nie wegen Mordes verurteilt wurde. Bereits zum zweiten Mal gedenkt das Bündnis Konstanz für Demokratie, am Samstag, 29. August, der Tat mit einer Kundgebung. Einige Mitglieder sind bis heute mit der Aufklärung des Falls nicht gänzlich einverstanden. Das Bündnis will Katschker nun jährlich gedenken, um die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Aber auch, um auf das Potential rechter Gewalt in der Bodenseeregion zu schauen.
Initiator der Gedenkstelle hält die Tat immer noch für einen Mord
Für die rund 40 versammelten Leute war es ein Mord, der Martin Katschker 1970 das Leben kostete. Hans Obser, ein alkoholkranker Familienvater erschoss damals den 17-Jährigen mit einem Hasentöter, während er seinen Sohn an der Hand hielt, als er sogenannte "Gammler" verscheuchen wollte. Der damalige Konstanzer NPD-Stadtrat, Walter Eyermann, hetzte damals gegen Jugendliche, die in das propagierte Bild arbeitscheuer Jugendlicher passte. Das zuständige Konstanzer Amtsgericht befand den damals 38-Jährigen für schuldig - allerdings nur wegen fahrlässiger Tötung ohne politische Motivation. Der Konstanzer Stadtarchivar, Jürgen Klöckler, kam in einer Aufarbeitung im Jahr 2020 zum gleichen Ergbenis.
Der aktuelle Gemeinderat für die Linke Liste Konstanz und Journalist, Holger Reile, recherchierte zu der Tötung und initierte die Aufstellung einer Gedenkstele, die im Gemeinderat 2021 von allen Parteien außer der CDU mitgetragen wurde. Bei der Kundgebung gesteht er zwar ein, dass ein nun 56 Jahre alter Fall schwierig aufzuarbeiten sei, er hält die Tat aber immer noch für einen Mord.
Bündnismitglied recherchiert zu Rechten Gruppen in der Bodenseeregion
Zum erneuten Gedenken des Falls kommt es aber vor allem, da das Bündnis Parallelen zur heutigen Situation sieht, wie der Journalist und Mitglied des Bündnisses, Jürgen Weber erklärt. Er sieht Parallelen in der damaligen Hetze gegen junge Menschen mit langen Haaren zu der heutigen Hetze rechter Gruppierungen, wie der AfD, dem dritten Weg oder der Identitären Bewegung gegenüber anders denkenden Menschen.
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Weber schreibt derzeit ein Buch zur Vergangenheit und Gegenwart rechter Netzwerke am Bodensee. Der Dritte Weg hat beispielsweise einen Stützpunkt in der Stadt Radolfzell. "Es macht schon Sorge", so Weber, der 2027 seine Ergebnisse in einem Buch veröffentlichen möchte. Er gehe davon aus, dass auch die Behörden rechte Gruppierungen dort sehr ernst nehme, fürchte aber, dass das Thema noch nicht vollends in der Öffentlichkeit angekommen ist. Unter anderem deshalb möchte das Bündnis nun jährlich eine Kundgebung zum Todestag von Martin Katschker in Konstanz abhalten.
Autor:Sebastian Ridder aus Konstanz |